Praktiker: Sanierung läuft, Bilanz ist rot, Schulden steigen

Praktiker: Sanierung läuft, Bilanz ist rot, Schulden steigen

Die angeschlagene Baumarktkette Praktiker hat ihre Sanierung vorangetrieben, ist aber noch nicht über den Berg. Der Verlust wurde 2012 um rund zwei Drittel auf minus 189 Mio. Euro reduziert, wie die Praktiker AG am Donnerstag in Hamburg mitteilte.

Der Umsatz ging um 5,6 Prozent auf rund 3,0 Mrd. Euro zurück. In seiner Umbauphase auf die ertragsstärkere Marke Max Bahr rechnet der Filialist auch 2013 mit weniger Umsatz, aber einem besseren betrieblichen Ergebnis als im Vorjahr. Durch ein neues Darlehen stieg die Schuldenlast auf netto 491 Mio. Euro (2011: 351 Mio.).

Vorstandschef Armin Burger, früher Chef von Hofer in Österreich, verfolgt die eingeschlagene Strategie 2013 weiter. "Der Ausbau der ertragsstarken Marke Max Bahr zu einer der führenden Baumarktketten Deutschlands ist das Ziel unserer Anstrengungen." Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITA) dürfte nach Erwartung des Vorstands besser als 2012 ausfallen, aber positiv erst 2014 sein. Es betrug 2012 minus 129 Mio. Euro (2011: minus 375 Mio. Euro). Aufwendungen für die Umstellung von Praktiker-Filialen auf Max Bahr sowie Rückstellungen für Filialschließungen wurden deutlich zurückgefahren. Es sollen noch rund 90 Märkte umgebaut werden.

2012 habe der Konzern "ein Jahr tiefgreifender Verwerfungen" hinter sich, berichtete der Vorstandschef. Er weiß um die bestehenden Risiken: Der Fortbestand des Konzerns hänge von der erfolgreichen Umsetzung des aktuellen Restrukturierungsprogramms ab - darauf verweisen auch die Wirtschaftsprüfer im Geschäftsbericht. Die Baumarktkette war mit einer missglückten Rabatt-Strategie ("20 Prozent auf alles - außer Tiernahrung") in die roten Zahlen geraten. In der mehrjährigen Krise gab es mehrere Vorstandschefs, eine Kapitalerhöhung und einen Sanierungstarifvertrag sowie den Umzug der Konzernzentrale aus dem Saarland nach Hamburg. Der Konzern beschäftigt 23.632 Vollzeitkräfte (2011: 22.490).

In Deutschland verringerten sich die Konzernerlöse 2012 um rund 4,3 Prozent auf 2,19 Mrd. Euro (flächenbereinigt: minus 3,5 Prozent). Der Rückgang habe im zweiten und dritten Quartal noch mehr als fünf Prozent betragen und sei zum Jahresende spürbar gedämpft worden, teilte das Unternehmen mit. Das Frühjahrsgeschäft sei 2012 witterungsbedingt schlechter als im Vorjahr verlaufen, außerdem habe der Markenumbau Umsatzausfälle gebracht. Zum Jahresende gab es 197 Praktiker-Filialen (2011: 235) und 105 Max-Bahr-Standorte (78). Dadurch verschoben sich die Gewichte: Bei Praktiker gingen die Erlöse um 6,5 Prozent auf 1,4 Mrd. Euro zurück, bei Max Bahr erhöhten sie sich um 0,7 Prozent auf 700 Mio. Euro.

Im Ausland fielen die Erlöse um 9,2 Prozent auf rund 812 Mio. Euro zurück - aus 111 Filialen (zuvor 109). In Polen, Griechenland und Ungarn wurde je ein Markt eröffnet, aus der Türkei zieht sich Praktiker gänzlich zurück. Weitergehende Expansionspläne im In- und Ausland wurden aufgrund der schwierigen Geschäftslage zurückgestellt, teilte der Konzern mit.

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