Praktiker – "Das Geschäft ist sprichwörtlich ins Wasser gefallen"

Praktiker – "Das Geschäft ist sprichwörtlich ins Wasser gefallen"

Das Geschäft sei "sprichwörtlich ins Wasser gefallen", sagte Praktiker-Vorstandschef Armin Burger der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch am Rande der Hauptversammlung in Hamburg. Die erhoffte Aufholjagd im Gartengeschäft, mit dem der Konzern gut ein Viertel seines Umsatzes macht, sei ausgeblieben.

Dennoch hat der im vergangenen Jahr nur knapp der Pleite entronnene Konzern die Hoffnung nicht in den Wind geschrieben. Im Mai seien Umsatz und Erträge auf Vorjahresniveau gewesen. "Wir warten das zweite Quartal ab", sagte Burger.

Anleger trennten sich in Scharen von der Aktie. Das im SDax gelistete Papier verlor über acht Prozent, dämmte den Kursverlust aber später ein. Die Aktie war unlängst unter die Marke von einem Euro gerutscht.

"Glücksfall" für Berater

Aktionärsvertreter sehen Praktiker noch längst nicht über den Berg, weil der Umbau ihrer Meinung nach nicht rasch genug greift. "Die Zahlen sind katastrophal", sagte Steffen Kraus von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zu den Verlusten zu Jahresanfang. Als Sanierungsfall sei die Gesellschaft ein "Glücksfall" lediglich für die vielen Berater, die hohe Honorare einstrichen. Krauss stellte zudem die Strategie des Managements infrage, Praktiker-Filialen auf die profitablere Tochter Max Bahr umzuflaggen. Die sei damit in Gefahr, dass das Negativ-Image von Praktiker als Discounter auf sie abfärbe.

Großaktionärin Isabella de Krassny zeigte sich "zutiefst überzeugt", dass Praktiker nicht untergehen werde. Der Konzern habe jedoch noch ein, zwei harte Jahre vor sich. Sorgen, dem Konzern könne in dieser Zeit das Geld ausgehen, versuchte sie zu entkräften. Es gebe noch genügend Vermögen, das notfalls versilbert werden könne. "Wir sind noch lange nicht mit unserem Latein am Ende", sagte die Fondsmanagerin.

Ihr und ihrem Ehemann, dem österreichischen Unternehmer Alain de Krassny, werden knapp 20 Prozent der Stimmrechte an Praktiker zugerechnet. Isabella de Krassny selbst verwaltet den zyprischen Investmentfonds Maseltov, der nach Daten von Praktiker knapp zehn Prozent des Baumarktkonzerns kontrolliert. Bei einer Präsenz von 30 Prozent des Grundkapitals auf der Hauptversammlung konnte das Ehepaar alle Tagesordnungspunkte in seinem Sinne entscheiden.

Für 2013 hat Praktiker wegen des Konzernumbaus weiter sinkende Erlöse angekündigt. Der Betriebsverlust soll aber eingedämmt werden. Eine konkrete Geschäftsprognose will das Management zur Jahresmitte wagen. 2012 verringerte Praktiker zwar den Verlust, am Ende des turbulenten Jahres fehlten aber immer noch 190 Millionen Euro. Das Ringen um die Abwendung der Pleite hatte Lieferanten und Kunden verunsichert.

Praktiker war im Kampf mit Wettbewerbern wie Obi oder Hornbach mit seiner Billigstrategie ("20 Prozent auf alles") unter die Räder geraten. Sie kostete das Unternehmen viel und brachte nicht den nötigen Schwung ins Geschäft. Der Konzern, der seine Zentrale von Kirkel im Saarland nach Hamburg verlegt hat, hatte im Herbst wesentliche Teile eines rettenden Finanzkonzepts unter Dach und Fach gebracht. Damit endete vorerst ein heftiger Streit mit den Großaktionären, der noch die Aktionärsversammlung vor einem Jahr geprägt hatte.

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