Porsche: Wiedeking und Härter geht's an den Kragen

Porsche: Wiedeking und Härter geht's an den Kragen

Hintergrund ist die 2009 gescheiterte Übernahme von VW durch Porsche. Nach mehr als dreijährigen Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen Marktmanipulation Anklage erhoben. Wiedeking und Härter hätten 2008 in öffentlichen Erklärungen des Unternehmens unrichtige Angaben über den Kauf von VW-Anteilen gemacht.

Sie hätten ein Beherrschungsinteresse entgegen den tatsächlichen Absichten dementiert, begründete die Strafverfolgungsbehörde am Mittwoch ihre Anklage.

Die Verteidiger der Angeschuldigten wiesen den Vorwurf als unbegründet zurück. Die Anklage werde keinen Erfolg haben, teilten deren Rechtsanwälte mit. Über die Zulassung der Anklage muss nun das Landgericht Stuttgart entscheiden. Die Staatsanwaltschaft rechnet mit einem Prozess-Beginn bereits im Februar oder März. Bei einer Verurteilung drohen den beiden Managern jeweils bis zu fünf Jahre Haft. Wiedeking und Härter hatten vor sieben Jahren mit Rückendeckung des Porsche-Aufsichtsrates sowie des VW-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piech Pläne zur Übernahme des Wolfsburger VW-Konzerns geschmiedet, die letztlich aber Mitte 2009 kurz vor Abschluss scheiterten.

Bei einer anschließenden Razzia fanden die Strafverfolger Hinweise dafür, dass Porsche im Frühjahr und Sommer 2008 "in mindestens fünf öffentliche Erklärungen" falsche Angaben zu seinen Beherrschungsabsichten gemacht hatte, damit den Aktienkurs von VW zu seinen Gunsten beeinflusste und Investoren auf die falsche Fährte gelockt hatte. Von dem anfänglich ebenfalls gehegten Verdacht der Untreue rückten die Strafverfolger in ihrer Anklage mangels hieb- und stichfester Beweise ab, was Wiedekings und Härters Verteidiger als "Freispruch im Ermittlungsverfahren" feierten. Ex-Finanzchef Härter steht bereits seit Ende September wegen des Vorwurfs des Kreditbetruges vor dem Stuttgarter Landgericht: Er soll laut Anklage bei Kreditverhandlungen gegenüber einer Gläubigerbank falsche Angaben zum Liquiditätsbedarf des Unternehmens und zu den milliardenschweren Optionsgeschäften gemacht haben.

In Trippelschritten angepirscht

Die anfänglich kleine Beteiligung an VW hatte der mit komplexen Finanzwetten und seinem hochrentablen Sportwagen-Geschäft reich gewordene Stuttgarter Konzern von Herbst 2005 an in Trippelschritten aufgestockt und entsprechende Stimmrechtsmitteilungen veröffentlicht. Anfänglich hatte Porsche noch dementiert, mehr als 30 Prozent am VW-Stammkapital erwerben zu wollen. Nach dem Überschreiten dieser Schwelle stellte das Management auch die Absicht zur Übernahme von mehr als 50 Prozent der VW-Stimmrechte in Abrede, später ebenso die Absicht zum Abschluss eines Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrages. Letztlich strebten Wiedeking und Härter dies jedoch an und sicherten sich über stillschweigend gekaufte Optionen den Zugriff auf weitere Aktien: Erst im Herbst 2008 veröffentlichte die Porsche Holding nach Beschlüssen im Vorstand und Aufsichtsrat offiziell eine Absichtserklärung an die Kapitalmärkte, mehr als 75 Prozent der Stimmrechte an VW erwerben und den Konzern damit doch beherrschen zu wollen. Danach vervielfachte sich der Aktienkurs binnen kurzer Zeit, VW avancierte zum zeitweise teuersten Unternehmen der Welt.

Volkswagen-Aktionäre, die in dem Machtpoker und im Vertrauen auf die Porsche-Dementis auf einen fallenden Kurs der VW-Stämme gesetzt hatten, wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Für diese Verluste wollen mehrere Dutzend Investoren vor Gerichten in Deutschland und den USA Schadenersatz von Porsche in Milliardenhöhe erstreiten. Die Staatsanwaltschaft schlage sich mit ihrer Anklage auf die Seite dieser Spekulanten, kritisierten die Verteidiger Wiedekings und Härters.

Letztlich ging der waghalsige Übernahmeversuch der Porsche Holding im Zuge der im Herbst 2008 eskalierenden Finanzkrise schief, da den Stuttgartern das Geld für ihre riskanten Optionsgeschäfte auf VW-Stammaktien und die angehäuften Milliardenschulden ausging. VW drehte den Spieß um und bewahrte den Angreifer 2009 vor dem finanziellen Ruin, der dafür eine knapp 50-prozentige Beteiligung an seinem Fahrzeuggeschäft an die Wolfsburger abtreten musste. Das Führungsduo Wiedeking und Härter, das die Anfang der 90-er Jahre noch vor dem Zusammenbruch stehende Automarke Porsche binnen weniger Jahre zum weltweit profitabelsten Fahrzeughersteller aufgebaut hatte, wurde geschasst. Im Sommer dieses Jahres verleibte sich VW die restlichen Anteile am Porsche-Autogeschäft für knapp 4,5 Milliarden Euro und eine VW-Stammaktie ein - seitdem ist Porsche die zwölfte Marke von VW. Die von den Familien Porsche und Piech sowie dem Emirat Katar kontrollierte Porsche Holding hält weiter gut die Hälfte der VW-Stimmrechte und ist damit der bestimmende VW-Aktionär.

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