Porsche-Übernahme entpuppt sich für VW immer mehr zum Glücksgriff

Porsche-Übernahme entpuppt sich für VW immer mehr zum Glücksgriff

Die Strategie von Volkswagen (VW)-Patriarch Ferdinand Piech zahlt sich aus: Dank der breiten Aufstellung von Motorrädern über Klein- und Sportwagen bis hin zu Lkw kann der Wolfsburger Konzern Schlaglöcher umkurven, die reine Massenhersteller aus der Spur bringen.

So steigerte Europas Marktführer den Betriebsgewinn im Sommerquartal um ein Fünftel auf 2,8 Milliarden Euro, während etwa der französische Rivale Peugeot ums Überleben kämpft. Besonders Porsche trug dazu bei, dass Volkswagen die Absatzkrise in Europa vergleichsweise gut wegstecken konnte. Mit diesem Zukauf hat der Enkel des Autopioniers Ferdinand Porsche im August 2012 sein Lebenswerk vollendet. Seither gehören zwölf Marken zu Piechs Weltreich, womit er Kosten sparen und Absatzschwächen in einzelnen Bereichen ausgleichen kann. Experten warnen allerdings, dass der Gegenwind für Volkswagen zunehmen dürfte.

Von den am Mittwoch vorgelegten Zahlen waren Anleger begeistert. Die VW-Aktie gewann in einem freundlichen Marktumfeld vier Prozent und führte die Gewinnerliste im Leitindex Dax an. Das Papier kostet mittlerweile 182 Euro.

Besonders angetan waren die Investoren von Porsche. Der Sportwagenbauer konnte den Betriebsgewinn in den ersten neun Monaten bei fast zwei Milliarden Euro stabil halten. Bei der Oberklassetochter Audi und der Hauptmarke VW hinterließ die Rabattschlacht in Europa dagegen tiefe Spuren im Ergebnis. Der Betriebsgewinn bei VW schrumpfte um 27 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro, bei der Ingolstädter Schwester um elf Prozent auf 3,7 Milliarden Euro. Für die einzelnen Marken nennt Volkswagen nur Neun-Monats-Zahlen.

Der Konzernumsatz sank im Quartal um vier Prozent auf 47 Milliarden Euro. Hier spielten neben der Rabattschlacht auch negative Währungseffekte durch den starken Euro eine Rolle. Die Erlöse schmolzen vor allem bei den umsatzstärksten Töchtern VW, Audi und Skoda, was einige Analysten dazu veranlasste, Wasser in den Wein zu gießen: "Das ist der stärkste Umsatzrückgang bei den Marken Audi und VW, den wir seit langem gesehen haben", sagte Arndt Ellinghorst vom Analysehaus International Strategy & Investment in London. Es sei fraglich, wie gut VW noch gegen Kursschwankungen abgesichert sei und wann die Euro-Stärke auf das Ergebnis durchschlagen werde. "Das lässt nichts Gutes erwarten", warne Ellinghorst. Zudem steckt die spanische Tochter Seat trotz höherer Umsätze weiter in den roten Zahlen.

Ziele "sehr ambitioniert"

Konzernchef Martin Winterkorn mahnte denn auch, die für das laufende Jahr gesteckten Geschäftsziele seien sehr ambitioniert. VW stehe jedoch zu seiner Prognose, wonach der Konzern im laufenden Jahr mehr Fahrzeuge verkaufen und den Umsatz steigern will. Der Betriebsgewinn soll die im Vorjahr erzielten 11,5 Milliarden Euro wieder erreichen. Zu den jüngst angekündigten zusätzlichen Einsparungen äußerte sich Winterkorn nicht.

Volkswagen führt seit dem vergangenen Jahr in der Autoproduktion ein neues Baukastensystem ein, das zunächst viel Geld kostet, die Stückkosten mittelfristig aber um ein Fünftel senken soll. Dadurch soll der Konzern noch unabhängiger gegen Nachfrage-Schwankungen werden. Analysten bezweifeln allerdings, dass die neue Gleichteilestrategie die versprochenen Einsparungen liefert, um die Kosten der rasanten Expansion des Konzerns abzufedern. Einige Experten befürchten, dass Volkswagen die Vorteile des als Beginn einer neuen Ära gepriesenen Modularen Querbaukastens (MQB) überschätze und womöglich Probleme bekomme, seine mittelfristigen Ziele zu erreichen. "Der viel diskutierte modulare Querbaukasten muss das von ihm erhoffte Sparpotenzial erst noch belegen", sagt Autoanalyst Frank Schwope von der NordLB. Dem hielt Winterkorn entgegen, er erwarte zunehmend positive Effekte auf die Kostenstruktur des Konzerns, wurde aber nicht konkreter.

Daniel Schwarz von der Commerzbank lobte den starken Geldzufluss des Konzerns. Dass ein großer Teil des Gewinns von Porsche stamme, sei kein Manko. Volkswagen steigerte den Netto-Cash-Flow im Kerngeschäft in den ersten neun Monaten auf 4,4 Milliarden Euro, vor Jahresfrist hatten 600 Millionen zu Buche gestanden. Den Anstieg sieht VW selbst als Effekt seiner Mehr-Markenstrategie, bei der stärkere Töchter Schwächen anderer ausglichen. Ein weiterer Ausdruck für die Stabilität sei die hohe Liquidität: Bis Ende September verfügte der Konzern über Barmittel in Höhe von 16,6 Milliarden Euro, das sind 6,1 Milliarden mehr als zu Jahresbeginn.

Ohne das boomende Geschäft in China, das VW im Finanzergebnis verbucht, hätte Volkswagen indes nicht so gut dagestanden. Der operative Gewinn der Beteiligungen im Reich der Mitte erhöhte sich um ein Viertel auf 3,5 Milliarden Euro. Wenn China hustet, bekommt Volkswagen eine Lungenentzündung, prophezeien bereits einige Experten, denen die Abhängigkeit des Wolfsburger Konzerns von Verkaufserfolgen auf dem weltgrößten Pkw-Markt zu groß erscheint.

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