Porsche-Holding muss um ihr Milliardenvermögen bangen

Porsche-Holding muss um ihr Milliardenvermögen bangen

Am Mittwoch will das Landgericht Braunschweig in zwei Klagefällen entscheiden, ob das Unternehmen im Zuge des jahrelangen Übernahmepokers zur Beherrschung von VW Anleger getäuscht hat.

Die Kläger fordern von der Beteiligungsgesellschaft, die gut die Hälfte der Stimmrechte an VW besitzt, in diesen Verfahren zusammen 4,7 Millionen Euro Schadenersatz wegen Irreführung der Finanzmärkte. Doch für die Stuttgarter kann es noch dicker kommen: Gegen Porsche liegen in Braunschweig drei weitere Klagen in der Angelegenheit vor, die sich auf mehr als vier Milliarden Euro summieren. Die entschuldete Holding, die nach dem Verkauf des Porsche-Fahrzeuggeschäfts an VW über freie Finanzmittel von 2,5 Milliarden Euro verfügt, weist alle Vorwürfe zurück.

Während die gegen Porsche klagenden Anleger - zumeist institutionelle Investoren - auf eine Richtungsentscheidung in den seit Jahren anhängigen Verfahren hoffen, sind die Schadenersatzforderungen aus der Sicht von Porsche jeweils nicht zu verallgemeinernde Einzelfälle. Das Braunschweiger Landgericht hatte in einer mündlichen Verhandlung Ende Juni nur vage Hinweise auf die mögliche Tendenz seiner Entscheidungen gegeben. "Es ist ein schwieriger Akt", sagte der Vorsitzende Richter Stefan Puhle. Die Hürden für eine Verurteilung von Porsche wegen Täuschung des Finanzmarktes über die wahren Absichten seien hoch.

"Selbst Schuld"

Porsche gibt den - zum Teil auch in den USA - klagenden Aktionären selbst die Schuld für ihre Verluste, die sie angeblich infolge eines Kurssprungs der VW-Stammaktien im Herbst 2008 erlitten haben. Die Holding hatte sich seit 2005 in Trippelschritten bei VW eingekauft, im März 2008 aber jede Ansicht zur Beherrschung des vielfach größeren Wolfsburger Konzerns in Abrede gestellt. Die Katze aus dem Sack ließen die Stuttgarter im Oktober 2008 und gaben bekannt, sie hätten sich direkt und indirekt bereits Zugriff auf fast 75 Prozent der VW-Stimmrechte gesichert. An der Börse hatten viele Investoren angesichts der Mitteilung im März aber auf fallende VW-Kurse gewettet. Sie hatten geliehene VW-Aktien verkauft, um sie später billiger zurückzukaufen, und wurden nun auf dem falschen Fuß erwischt. Um jeden Preis mussten sie die knappen Aktien zurückerwerben. Die VW-Stämme schossen in die Höhe und machten den Wolfsburger Konzern zwischenzeitlich an der Börse zum wertvollsten Unternehmen der Welt.

Auch strafrechtlich wird der Fall aufgearbeitet: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart geht dem Vorwurf der Marktmanipulation und Untreue nach und will bis Ende dieses Jahres - nach mehr als dreijährigen Ermittlungen - entscheiden, ob sie gegen Ex-Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking und Ex-Finanzchef Holger Härter Anklage wegen Marktmanipulation und Untreue erhebt. Beide sollen mit Hilfe falscher Angaben zum Umfang von - damals noch nicht meldepflichtigen - Optionsgeschäfte einen Kurssprung bei VW-Aktien herbeigeführt und den Finanzmarkt dadurch zu ihren Gunsten manipuliert haben. Wegen des Verdachts des Kreditbetrugs muss sich der Mitte 2009 geschasste Porsche-Manager Härter bereits seit Anfang September vor Gericht verantworten.

Betrugs-Klage von 26 Hedgefonds in den USA

In den USA muss sich Porsche ebenfalls Schadenersatzklagen erwehren. Der Oberste Gerichtshof des Bundesstaats New York wies Anfang August Porsches Antrag auf Abweisung einer milliardenschweren Betrugs-Klage von 26 Hedgefonds im Zusammenhang mit der gescheiterten VW-Übernahme ab. Vor einem Bundesgericht im gleichen Bundesstaat hatte Porsche im Dezember 2010 hingegen einen Erfolg erzielt, indem sich das Gericht für eine Schadenersatzklage von US-Investoren gegen das deutsche Unternehmen wegen Wertpapierbetruges für nicht zuständig erklärt hatte. In den USA können Kläger - anders als in Deutschland - bei mehreren Gerichten parallel versuchen, ihre behaupteten Ansprüche durchzusetzen.

Die Porsche Holding gehört zur Hälfte den Familien Porsche und Piech sowie dem Emirat Katar, die andere Hälfte des Kapitals ist börsennotiert und im Besitz von stimmrechtslosen Vorzugsaktionären. Die Vorzüge sind derzeit rund sechs Milliarden Euro wert, der Börsenwert der von Porsche gehaltenen VW-Beteiligung beläuft sich dagegen auf mehr als das Dreifache - rund 20 Milliarden Euro. An dieser Diskrepanz wird das enorme finanzielle Risiko deutlich, dass viele Marktbeobachter und Investoren in der Klagewelle gegen Porsche sehen.

Lesen Sie morgen auf format.at alles über "Die Porsche-Saga -
wie die PS-Dynastien Porsche und Piëch um die Vorherrschaft beim Sportwagenkonzern und bei Volkswagen rittern."

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