Permira wirft Hugo Boss auf den Markt

Permira wirft Hugo Boss auf den Markt

Der deutsche Modekonzern Hugo Boss zeigte sich in letzter Zeit nicht wirklich von seiner luxuriöser Seite. Umsatz sowie Gewinn lagen im ersten Quartal unter den Vorjahreswerten und in der Nacht zum Freitag verabschiedete sich der Finanzinvestor Permira von sieben Millionen Hugo-Boss-Aktien.

Der Finanzinvestor Permira macht beim Modekonzern Hugo Boss noch einmal Kasse. Permira warf in der Nacht zum Freitag sieben Millionen Hugo-Boss-Stammaktien - dies entspricht einen Anteil von rund zehn Prozent am Grundkapital - im Wert von mehr als 600 Millionen Euro auf den Markt, nachdem die Papiere des schwäbischen Unternehmens am Donnerstag auf ein Rekordhoch von je 94 Euro gestiegen waren.

Doch die Investmentbank Morgan Stanley hatte Schwierigkeiten, die Papiere bei Investoren unterzubringen. Erst als sich der Großaktionär auf Drängen der Bank dazu verpflichtete, seine restliche Hugo-Boss-Beteiligung von 56 Prozent wenigstens für weitere neun Monate zu behalten, konnten die Aktien mit Verzögerung platziert werden. "Das Ganze lief ein bisschen zäh", sagte ein Börsianer.

Allerdings mussten die Banker einen größeren Preisabschlag hinnehmen als geplant: Händlern zufolge wurden die Aktien zu je 87,50 Euro verkauft, gut sechs Prozent unter dem Schlusskurs vom Donnerstag und deutlich unterhalb der Spanne von 89,25 bis 90,50 Euro, in der sie ursprünglich angeboten worden waren. An der Börse kosteten Hugo-Boss-Aktien am Freitag 87,60 Euro.

Ausblick für 2013 bleibt optimistisch

Boss-Aktien waren am Donnerstag um fünf Prozent gestiegen, obwohl der Metzinger Bekleidungshersteller einen Gewinnrückgang um zehn Prozent hinnehmen musste und der Umsatz bröckelte. Grund für die Gewinneinbußen war der Ausbau des eigenen Ladennetzes. Doch die Anleger vertrauten Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs, der für das zweite Quartal einen Rückkehr auf den Wachstumspfad versprach und für das Geschäftsjahr 2013 weiterhin ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum im hohen einstelligen Bereich erwartet.

Doch die Platzierung sorgte für Verunsicherung: Investoren fragen sich, wie lange die 2007 mit 3,4 Milliarden Euro bei Boss und dem Schwesterkonzern Valentino eingestiegene Permira an Bord bleibt. Einige Branchenkenner hatten auf einen Ausstieg schon im Jahr 2013 spekuliert.

Lukrative Beteiligung

Der auch am Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 beteiligte Finanzinvestor ist derzeit dabei, einen neuen Fonds aufzulegen, und muss dafür Erfolge zeigen. Und die Hugo-Boss-Beteiligung bietet sich hierfür optimal an. Immerhin hat sich der Wert derer seit dem Einstieg mehr als verdoppelt. "Permira wollte nur kurzfristig vom Kursanstieg profitieren", erklärte ein Insider die Platzierung. Im November 2011 hatte Permira zuletzt ein 300 Millionen Euro schweres Boss-Paket auf den Markt geworfen.

Doch weitere Aktienverkäufe sind nun bis Anfang 2014 so gut wie ausgeschlossen. Citi-Analyst Thomas Chauvet schrieb: "Wir glauben nicht, dass die heutige Platzierung eine Beschleunigung des Ausstiegsprozesses bedeutet." Denn mit einem Abbau seiner Beteiligung unter die 50-Prozent-Marke würde sich Permira der Chance berauben, sein ganzes Boss-Paket an einen strategischen Käufer oder einen weiteren Finanzinvestor weiterzureichen.

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