Optionshandel: Schwere Panne bei Goldman Sachs

Optionshandel: Schwere Panne bei Goldman Sachs

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat wegen technischer Probleme versehentlich eine Flut an Geschäften mit Aktienoptionen getätigt und damit den Markt kurzzeitig in Aufruhr versetzt.

Die Aufträge wurden laut Börsen-Betreibern am Dienstag bereits kurz nach Handelseröffnung abgegeben. Goldman Sachs erklärte lediglich, dem Unternehmen drohe dadurch kein großer Verlust. Immer wieder wird der Handel mit Optionen oder anderen Derivaten von technischen Pannen oder Manipulationsskandalen getroffen. Nicht selten entstehen dabei hohe Verluste für die betroffenen Geldhäuser und andere Anleger.

Betroffen waren dieses Mal Optionen auf Aktien, deren Börsensymbole mit den Buchstaben H bis L beginnen. Die Marktplatz-Betreiber wie CBOE, Nasdaq OMX und Nyse Euronext teilten mit, die Deals würden nun genau unter die Lupe genommen. Die Betreiber haben die Möglichkeit, Preise nachträglich anzupassen oder Geschäfte rückgängig zu machen, wenn diese versehentlich zustande gekommen sind. Die Nyse-Tochter Amex Options betonte, die meisten Geschäfte würden wohl ersatzlos gestrichen.

Optionen auf JPMorgan und Kellogg wohl betroffen

Eine mit dem Vorgang vertraute Person, die nicht namentlich genannt werden wollte, führte die fehlerhaften Aufträge auf einen Computerfehler zurück. Dieser habe dazu geführt, dass bloße Interessensbekundungen irrtümlich als Orders an die Handelsplätze versandt worden seien. Möglicherweise drohe Goldman Sachs ein Verlust in Millionenhöhe. Noch sei jedoch völlig unklar, wie viele Geschäfte überhaupt betroffen seien. Branchenexperten zufolge handelte es sich unter anderem um Optionen auf Aktien von Großkonzernen wie Johnson and Johnson, JPMorgan Chase und Kellogg.

Pannen beeinflussen immer wieder das Marktgeschehen. Im April legten zum Beispiel ein Software-Probleme die Derivate-Börse CBOE aus Chicago für einen halben Tag lahm. Im Sommer 2012 sorgte der US-Aktienhändler Knight Capital für Schlagzeilen. Knight-Rechner hatten damals unbeabsichtigt den Markt mit Orders geflutet und für Chaos gesorgt. Dem Unternehmen entstand ein Verlust von 440 Millionen Dollar. Das Handelshaus stand dadurch vor dem Kollaps, musste von mehreren Investoren gerettet werden. Mittlerweile ist es vom Makler Getco übernommen worden.

In Erinnerung ist an der Wall Street zudem noch der sogenannte Flash Crash aus dem Jahr 2010. Damals fiel der Kurs des Standardwerte-Index Dow Jones binnen Minuten um rund 1000 Punkte. Hier lösten Computerprogramme von Hochfrequenz-Händlern eine Verkaufskaskade aus, während deren der Preis für einige Aktien auf null Dollar fiel. Nach etwa einer halben Stunde war der Spuk vorbei - und der Dow fast wieder dort, wo er vor seinem Absturz gelegen hatte. Der Skandal hat die Turbohändler ins Visier der Regulierer gebracht, die die Daumenschrauben angezogen haben.

Immer abhängig von Computern

Der neue Fall unterstreicht einmal mehr die zunehmende Abhängigkeit der Börsen von Computer-Programmen. Beim Hochfrequenzhandel kaufen oder verkaufen Computer selbsttätig binnen Sekundenbruchteilen Aktien und andere Wertpapiere. In den USA gehen mittlerweile etwa 70 Prozent der Börsenumsätze auf Turbo-Händler zurück, in Deutschland sind es etwa 40 Prozent.

Hinzu kommen regelmäßig Manipulationen. Der Handelsskandal um den so genannten "Wal von London" brockte etwa der US-Großbank JPMorgan einen Verlust von satten 6,2 Milliarden Dollar ein. Der Händler aus der britischen Finanzmetropole, der seinen Spitznamen wegen riesiger Derivate-Positionen bekam, hat der Bank auch einen enormen Imageverlust eingebracht. Außerdem sollen Händler zahlreicher global agierender Geldhäuser den Interbanken-Zinssatz Libor manipuliert haben, auf dem unzählige Finanzgeschäfte beruhen.

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt

Börse

IBM wieder mit Umsatzrückgang - das 15. Quartal in Folge

Börse

Renault mit 2015 Rekordsatz - Abgasskandal drückt Aktienkurs