"Ohne eine Strategie, kann man eine Bank nicht umstrukturieren"

"Ohne eine Strategie, kann man eine Bank nicht umstrukturieren"

Die Kosten müssten noch schneller gesenkt werden. Und es mangelt laut Analysten an einer klaren Strategie, die über den Stellenabbau hinausgeht.

Der Marktwert der zweitgrößten deutschen Bank ist in den vergangen fünf Jahren um 95 Prozent abgebröckelt. Nach einer Rally von 12 Prozent im laufenden Quartal wird in den kommenden 12 Monaten mit einem Kursrutsch von 6,2 Prozent gerechnet, wie aus Bloomberg-Daten hervorgeht. Am Dienstag verteuerte sich die Aktie um 2,7 Prozent, das war der größte Anstieg seit einer Woche.

“Die Commerzbank ist viele Jahre lang ein kranker Mann gewesen und hat das Kapital der Aktionäre verbrannt”, sagte Christian Hamann, Analyst bei der Hamburger Sparkasse AG in Hamburg, in einem Telefoninterview mit Bloomberg News am 5. November. “Die Aktie wird sich nur erholen, wenn das Privatkunden- und das Investmentbankengeschäft schlanker und die Altlasten aus der Schiffs- und Immobilienfinanzierung reduziert werden.”

Vorstandschef Martin Blessing wird am Donnerstag bei der Ergebnisvorlage für das dritte Quartal auch Einzelheiten zu der strategische Neuausrichtung bekannt geben. Die Commerzbank hatte während der Finanzkrise Staatshilfen im Umfang von 18,2 Mrd. Euro erhalten und muss risikogewichtete Aktiva in Höhe von 67,5 Mrd. Euro abwickeln.

"Klare Strategie fehlt"

“Eine klare Strategie fehlt”, sagt Christian Muschik, Analyst bei Silvia Quandt Research GmbH in Frankfurt. “Ohne eine Strategie kann man eine Bank nicht umstrukturieren.” Es habe noch keine großen Veräußerungen gegeben, fügte er an.

Blessing wird wohl Veränderungen im Privatkundengeschäft ankündigen, die Öffnungszeiten der Filialen ausweiten und weiterhin ein Auge auf die Kosten haben, wie aus Medienberichten hervorgeht. Zudem gibt es Spekulationen über einen Stellenabbau. Laut einer Vorabmeldung der “Zeit” könnten 5.000 bis 6.000 Stellen gestrichen werden, die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern dauern noch an.

Am 22. Oktober war verlautet, die Bank prüfe den Verkauf ihres Depotgeschäfts, was über 200 Mio. Euro einbringen könnte. Zudem steigt die Bank aus der Schiffsfinanzierung aus und wickelt die Immobiliensparte Eurohypo ab.

Laut Analystenprognosen bei Bloomberg wird die Commerzbank für das dritte Quartal einen Gewinn in Höhe von 94 Mio. Euro vorlegen, nach einem Verlust von 687 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Der Verlust vor einem Jahr war im Wesentlichen durch Abschreibungen von 798 Mio. Euro auf griechische Staatsanleihen entstanden.

"Geschäftsumfeld muss sich verbessern"

Von den 18,2 Mrd. Euro an Staatshilfen hat die Commerzbank mittlerweile 14,3 Mrd. Euro zurückgezahlt. Dazu hat sie das Kapital vergangenes Jahr in zwei Stufen um 11 Mrd. Euro erhöht. Der Staat ist mit 25 Prozent an der Bank beteiligt.

“Sie brauchen höhere Zinsen und höhere Umsätze im Retailgeschäft”, sagt Dirk Becker, Analyst bei Kepler Capital Markets in Frankfurt. “Die Commerzbank kann nur darauf warten, dass sich das Geschäftsumfeld verbessert”.

Die Bank erzielte im zweiten Quartal 33 Prozent ihrer Erträge im Privatkundengeschäft. Die Nettozinserträge aus dem Kreditgeschäft mit Privatkunden und Firmen sanken auf Jahresbasis um 26 Prozent auf 1,3 Mrd. Euro.

Blessing wird nach Einschätzung von Hamann am Donnerstag keine die Aktionäre zufrieden stellende Strategie vorstellen. “Es wird kein großer Sprung nach vorne sein”, sagte er. Zudem sei die Glaubwürdigkeit der Bank stark erschüttert.

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