"Nur in den USA gibt es noch Wachstum – doch selbst dort liegen die Nerven blank"

"Nur in den USA gibt es noch Wachstum – doch selbst dort liegen die Nerven blank"

Die Autobauer Ford und General Motors, der Chemie-Riese Dow Chemical und der Hygiene-Artikel-Hersteller Kimberly-Clark gehören zu den größten Namen der US-Industrie. Auch in Europa wollen sie vom Wachstum profitieren. Doch diesseits wie jenseits des Atlantiks sind die Aussichten ungewiss. Hier drückt die Schuldenkrise und wie die Geschäfte in den USA zukünftig laufen werden, hängt auch davon ab, wer künftig als Präsident im Weißen Haus sitzt.

Bei der Veröffentlichung der Zahlen für das Quartal von Juli bis September ist eines klar geworden: Die US-Industriegiganten aller Branchen spüren rund um den Globus Druck. In China kommt das Wachstum nicht so rasant voran wie erhofft. In den USA herrscht große Unsicherheit.

Als Spar-Region machen viele Konzerne aber angesichts der Eurokrise Europa aus. Sie kündigten Kürzungen an, um sich weniger durch Überkapazitäten und sinkende Preise auf den Märkten angreifbar zu machen.

Ford, General Motors, Dow Chemical und Kimberly-Clark setzen bereits den Rotstift in ihrem Europa-Geschäft an. Ford kündigte mit Blick auf einen befürchteten Jahresverlust von 1,5 Mrd. Euro an, zwei Werke in Großbritannien und ein weiteres in Belgien zu schließen und 6.200 Stellen zu streichen. Der Opel-Mutterkonzern General Motors lässt in diesem Jahr in der Europa-Abteilung insgesamt 2.600 wegfallen.

Stellenabbau und starker Dollar

Dow Chemical schließt mindestens vier Fabriken in Europa. Der Konzern Kimberly-Clark, der unter anderem als Hersteller der Kleenex-Tücher bekannt ist, kündigte an, wegen des starken Rückgangs der Verkaufszahlen in Europa bis zu 1.500 Jobs zu streichen. Neben dem sinkenden Absatz macht den Weltkonzernen aus den USA auch der starke Dollar zu schaffen, der ihre Gewinne in Euro zusammenschrumpfen lässt.

Auch der Chemieriese DuPont, der Konsumgüter-Konzern Colgate-Palmolive und der Computerchip-Hersteller AMD sparen und streichen Stellen - nur sagen diese drei bisher noch nicht, wo genau sie das tun wollen. Die Antwort liegt für den Analysten Gregori Volokhine vom Finanzdienstleister Meeschaert auf der Hand: in Asien oder in Europa. "Der einzige Markt, wo es noch ein kleines bisschen Wachstum gibt, ist in den USA."

Doch auch in ihrer Heimat lägen in den Konzern-Zentralen derzeit die Nerven blank, ergänzt Volokhine. Denn niemand wisse, wie es mit der Steuerpolitik und Investitionen nach der Präsidentschaftswahl weitergehe. "Also beschützen sie ihre Gewinne, sie haben keine andere Chance, als den Gürtel enger zu schnallen."

Die US-Industrie habe in den Jahren 2007 und 2008 ihr Heimatgeschäft mit Stellenstreichungen und Kürzungen der Produktionskapazitäten neu ausgerichtet, als die USA in eine Rezession gefallen seien, sagt der Analyst Evariste Lefeuvre vom Finanzhaus Natixis. Jetzt sei der Standort Europa an der Reihe. ́

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