Nokia-Übernahme drückt auf Ergebnis von Microsoft

Rund zehn Prozent steuert die Handysparte von Nokia Die Börse jubelt dennoch. die Aktie konnte zulegen. Der in der Vorwoche angekündigte Abbau von 18.000 Mitarbeitern hat die Fantasie der Anleger nachhaltig beflügelt.

Nokia-Übernahme drückt auf Ergebnis von Microsoft

Redmond. US-Softwareriese Microsoft hat seine Not mit der im April übernommenen Handysparte von Nokia. Das zugekaufte Handygeschäft bringt zwar einen weiteren Umsatzschub. Im vierten Geschäftsquartal von April bis Juni häufte die Sparte einen operativen Verlust von 692 Millionen Dollar (512 Mio. Euro) an, wie der Konzern am Dienstag am Sitz in Redmond mitteilte. Konzernweit schrumpfte der Gewinn im Vergleich zum Vorjahresquartal um 7,1 Prozent auf unterm Strich 4,6 Milliarden Dollar.

Das gesamte Geschäftsjahr 2014 bescherte Microsoft einen satten Gewinn - die Zuwächse mit einem Plus von 0,9 Prozent sind allerdings recht bescheiden ausgefallen. Microsoft bilanziert für das Geschäftsjahr 2014 (Ende 30.Juni) 22,1 Milliarden Dollar Profit. Der Software-Verkauf ist weiterhin die Cashcow. Der gesamte Konzernumsatz wurde 2014 insgesamt gegenüber dem Vorjahr um rund 9,0 Milliarden Dollar (plus 10,3 Prozent) auf 86,8 Milliarden Dollar erhöht. Von der Handysparte von Nokia wurden 2,0 Milliarden beigesteuert - rund 21,1 Prozent.

Handysparte von Nokia tiefrot

Microsoft hatte die 5,4 Milliarden Euro teure Nokia-Übernahme Ende April abgeschlossen. Ziel des noch vom vormaligen Konzernchef Steve Ballmer eingefädelten Kaufs war es, die Stellung in der mobilen Welt zu festigen. In der vergangenen Woche verkündete der neue Konzernchef Satya Nadella dann, dass im Rahmen der Integration etwa die Hälfte aller 25.000 Nokia-Mitarbeiter gehen muss. Insgesamt kostet die Neuaufstellung bei Microsoft 18.000 Beschäftigte den Job. Nadella richtet Microsoft stark aufs Cloud-Computing aus, bei dem Anwendungen in großen Rechenzentren ablaufen, wo auch die Daten zentral gespeichert werden. Dieses Geschäft verdoppelte sich zuletzt. "Ich bin stolz darauf, dass sich unser aggressiver Vorstoß in die Cloud auszahlt", sagte Nadella. Daneben verkauften sich die Bürosoftware Office und das PC-Betriebssystem Windows besser als im Vorjahreszeitraum. Gleiches gilt für die Spielekonsole Xbox und die Surface-Tabletcomputer.

Der Konzernumsatz kletterte im Schlussquartal 2014 insgesamt um 3,5 Milliarden Dollar (plus 18 Prozent) auf 23,4 Milliarden Dollar. Der Neuzugang Nokia steuerte annähernd 2,0 Milliarden Dollar zu dem Umsatzsprung bei. Dennoch: Das Handygeschäft ist weiterhin tiefrot - mit 692 Millionen Dollar minus.

Insgesamt konnte Microsoft mehr Geschäft machen als Analysten erwartet hatten; zugleich stiegen jedoch auch die Kosten etwa für die Entwicklung und das Marketing der Produkte. Die Aktie fiel zunächst nachbörslich leicht, drehte dann aber ins Plus.

Nokia war lange Marktführer bei Handys, hatte aber bei Smartphones den Anschluss verloren. Apple mit seinen iPhones oder Samsung mit seinen Galaxy-Geräten sind hier wesentlich größer. Microsoft will Nokia-Smartphones mit seinem eigenen Betriebssystem Windows Phone wieder nach vorne bringen. Zuletzt stiegen auch die Marktanteile.

Noch eine Milliarde für Nokia

Dagegen will sich Microsoft aus dem Geschäft mit einfachen Handys verabschieden, worauf ein Teil der Jobverluste zurückzuführen ist. Insgesamt kostet der Stellenabbau 1,1 bis 1,6 Milliarden Dollar, unter anderem für Abfertigungen. Die Summe wird allerdings erst im gerade angebrochenen Geschäftsjahr 2015 verbucht, das im Juni endet.