"Niemand, der bei Sinnen ist, würde das Land in eine Rezession stoßen"

"Niemand, der bei Sinnen ist, würde das Land in eine Rezession stoßen"

Bei dem Ausverkauf an den Aktienmärkten in der vergangenen Woche sei übersehen worden, dass sich die Weltwirtschaft insgesamt verbessert, sagen Vermögensverwalter. Zudem verweisen sie darauf, dass in den USA die Gespräche zur Vermeidung der Fiskalklippe, einer Kombination aus höheren Steuern im Bund und Ausgabenkürzungen, bereits begonnen haben.

Vermögensverwalter von Gesellschaften, die mehr als 8 Billionen Dollar managen, halten die Befürchtungen, dass sich das US-Wachstum verlangsamen könnte, für übertrieben. Sie rechnen damit, dass sich Präsident Barack Obama und der Kongress einigen werden, um Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen im Volumen von 607 Mrd. Dollar zu vermeiden.

US-Daten vom Arbeits- bis zum Immobilienmarkt, vom Verbrauchervertrauen zum internationalen Handel, deuten darauf hin, dass die weltgrößte Volkswirtschaft wieder an Kraft gewinnt. In China, der zweitgrößten, legten die Exporte im September und Oktober gegenüber dem Vorjahreszeitraum jeweils um zehn Prozent zu, nachdem sie in den zwei Monaten davor um weniger als drei Prozent gestiegen waren. Unternehmen - von den kreditwürdigsten bis hin zu den bedürftigsten - nehmen mit der zweithöchsten Geschwindigkeit aller Zeiten Geld an den Kapitalmärkten auf und das auch noch zu den niedrigsten Sätzen.

Kompromiss erwartet

“Es ist erstaunlich, dass der Markt jetzt so schnell dreht und niemand das wahrnimmt”, sagt Bettina Müller, eine Vermögensverwalterin bei DWS Investments, der Tochtergesellschaft der Deutschen Bank AG, die etwa 350 Mrd. Dollar verwaltet. “Wir erwarten mit Blick auf die Fiskalklippe, dass die beiden Seiten einen Kompromiss finden werden.”

Vermögensverwalter, die am meisten zu verlieren haben, erhöhen den Anteil von Wertpapieren in ihren Portfolios, die vom Wachstum profitieren würden. Sie stellen sich eigenen Angaben zufolge nicht auf eine weitere von den USA angeführte Rezession ein.

Pacific Investment Management Co., die Tochtergesellschaft der Allianz SE, die 1,92 Billionen Dollar und den weltgrößten Anleihefonds verwaltet, sieht die Wahrscheinlichkeit für eine Einigung mit Bezug auf die Fiskalklippe bei 70 Prozent.

"Aus Gegenwind einen Rückenwind machen"

“Niemand, der bei Sinnen ist, würde das Land in eine Rezession stoßen”, sagt Mohamed El-Erian, der Konzernchef von Pimco, am 9. November im Interview mit Bloomberg Radio. “Der wichtigste Punkt für uns ist nicht, das Problem der Fiskalklippe zu lösen, sondern dies so zu tun, dass Washington aus dem Gegenwind einen Rückenwind machen kann.”

Die höchste Gewichtung im Flaggschiff-Fonds von Pimco, dem 281 Mrd. Dollar schweren Total Return Fund, haben Hypothekenpapiere und ähnliche Vermögenswerte. Sie machen 47 Prozent des Fonds aus, wie aus einem Bericht der Gesellschaft vom 9. November hervorgeht.

BlackRock Inc., mit 3,55 Billionen Dollar an verwaltetem Kapital der weltgrößte Vermögensverwalter, bevorzugt Unternehmensanleihen und Aktien von Konzernen, die Dividenden ausschütten, sagt Jeffrey Rosenberg, Chef-Anlagestratege für Festverzinsliche bei der New Yorker Firma.

“Wenn wir die Fiskalklippe überstehen und mit Sicherheit sagen können, dass es keine sehr extremen Abwärtsrisiken für die Märkte geben wird, dann sind die Aussichten im Anschluss daran sehr gut”, sagte Rosenberg im Rahmen der von Bloomberg ausgerichteten Konferenz “Portfolio Manager Mash-Up” in New York am 8. November. “Wir befinden uns immer noch in einem Umfeld mit anhaltend sehr niedrigen Zinsen.”

Die DWS hat die Empfehlung von US-Treasuries nach der Wahl von “neutral” auf “untergewichten” reduziert, sagt Müller. Sie verweist darauf, dass die Rally bei den Papieren übertrieben gewesen sei. Die Rendite zehnjähriger US-Bonds wird laut der Medianschätzung von mehr als 80 Volkswirten in einer Bloomberg- Umfrage bis Ende 2013 auf 2,32 Prozent steigen, von derzeit etwa 1,6 Prozent.

Am 16. November wird sich Obama mit John Boehner, dem Sprecher des Repräsentantenhauses, Senats-Mehrheits-Führer Harry Reid, mit Mitch McConnell, dem Sprecher der Republikaner im Senat und Nancy Pelosi, der Führerin der Demokraten im Repräsentantenhaus, treffen. Ziel ist es, eine weitere Machtprobe der beiden großen Parteien wegen des Haushalts zu vermeiden. Der Haushaltsausschuss des Kongresses erklärte am 8. November, dass die drohenden Steuererhöhungen und Ausgabensenkungen zu einer Rezession führen könnten. Das Bruttoinlandsprodukt könnte dadurch 2013 um 0,5 Prozent schrumpfen und die Arbeitslosenquote von derzeit 7,9 Prozent auf 9,1 Prozent klettern.

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