Neues Kapitel: Warum Spanien keine Chance hat

Neues Kapitel: Warum Spanien keine Chance hat

Das Land steuert immer mehr auf einen erzwungenen Ausstieg aus der Eurozone zu, um die Krise in den Griff zu bekommen.

Nimmt Spanien die Gelder in vollem Umfang in Anspruch, würde dies die Verschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt um zehn Prozentpunkte anheben. Bis 2017 würde die Verschuldung auf 110 Prozent des BIP steigen, nimmt man die aktuelle Rendite sechsjähriger spanischer Papiere von 6,35 Prozent als Näherung für die durchschnittlichen Finanzierungskosten des Staates an. Dieser Zins kann herangezogen werden für eine Schätzung des Niveaus, auf dem sich die durchschnittlichen Finanzierungskosten schließlich einpendeln werden, solange das gegenwärtige Fälligkeitenprofil beibehalten wird. Die durchschnittliche Restlaufzeit spanischer Anleihen liegt bei sechs Jahren.

Kein realistischer Rückgang der Finanzierungskosten würde es Spanien ermöglichen, den Schuldenstand abzubauen. Selbst wenn die durchschnittlichen Finanzierungskosten auf dem Niveau des Jahres 2011 in Höhe von 4,30 Prozent verharrten, würde die Verschuldung immer noch auf 98 Prozent des BIP ansteigen. Die hier vorgenommenen Annahmen beruhen auf den Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) für Wachstum, Inflation und primäres Budgetdefizit in Spanien in den kommenden Jahren.

Mit anderen Worten: Ein zweites internationales Hilfspaket für Spanien würde wenig bewirken, um die Krise in Spanien zu lösen. Es würde lediglich die Schuldenlast vergrößern. Der größte Vorteil externer Hilfe sind niedrigere Zinsen, falls ein Land infolge steigender Finanzierungskosten auf die Pleite zusteuert.

Die Zahlen stehen im Gegensatz zur Definition tragfähiger Verschuldung des IWF und den Größenordnungen staatlicher Solvenz, die sich aus den Studien von Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff ergeben. Reinhart, Senior Fellow beim Peterson Institute for International Economics in Washington, und Rogoff, der an der Harvard-Universität lehrt, haben 2009 gemeinsam das Buch: “Dieses Mal ist alles anders: Acht Jahrhunderte Finanzkrisen” verfasst.

Verschuldungsquote darf nicht über 90 Prozent steigen

Der IWF verlangt, dass die Verschuldung im Verhältnis zum BIP über den Prognosehorizont hinweg zurückgeht, damit die Verschuldungsdynamik eines Landes als tragfähig eingestuft werden kann. Reinhart und Rogoff haben festgestellt, dass die Staatsverschuldung im Schnitt eine Belastung für das Wachstum einer Volkswirtschaft darstellt, sobald das Verhältnis zum BIP die Schwelle von 90 Prozent übersteigt.

In diesem Fall helfen wahrscheinlich auch weitere Sparanstrengungen nicht weiter. Es erscheint unwahrscheinlich, dass Spanien ohne Wachstum zu einer nachhaltigen Lage zurückkehren kann. Der fruchtbarste Weg zur Stärkung des Wachstums in der aktuellen Lage könnte in einem Austritt aus der Währungsunion bestehen. Eine extrem schwache Landeswährung würde die Importe erheblich fallen lassen und Ausfuhren beleben. Davon würde in Spanien besonders die Tourismusbranche profitieren. Auch Immobilien gewönnen in diesem Szenario für ausländische Käufer an Attraktivität.

Ein mit ausreichend Kapital ausgestatteter Bankensektor ist für jegliche Volkswirtschaft bedeutsam, um deren Wachstum und Funktionieren sicherzustellen. Mittelzuflüsse, die den Staat in Richtung Insolvenz treiben, dürften sich jedoch als kontraproduktiv erweisen. Das gilt in besonderem Maße dann, wenn eine Volkswirtschaft Teil einer Währungsunion bleibt, deren geldpolitische Rahmenbedingungen in keiner Weise ihren inländischen Bedürfnissen entsprechen.

Die aktuelle Lage ist alles andere als tragfähig. Es drängt sich der Schluss auf, dass Spaniens Gläubiger möglicherweise gutes Geld schlechtem hinterwerfen.

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