Nestle kann wieder glänzen

Nestle kann wieder glänzen

Konzernchef Paul Bulcke will sich von schwächelnden Sparten trennen und so das Wachstum wieder ankurbeln. "Wenn etwas strategisch nicht mehr passt und nichts zum Nestle-Modell beiträgt, müssen wir das in Ordnung bringen oder verkaufen", sagte der Manager am Donnerstag bei Vorstellung des Zwischenberichtes in Vevey am Genfer See.

Im Vergleich zum Investorentag von Anfang Oktober, als er an gleicher Stelle sein Konzept umriss, verschärfte Bulcke den Ton. "Wir werden keine Zeit verlieren." Nachsicht mit schwachen Bereichen könne es nicht geben.

Großübernahmen schloss der Belgier aus. Infrage kämen lediglich Abrundungen, sagte er mit Blick auf Spekulationen, Nestle könnte den Nutella-Hersteller Ferrero übernehmen. Zugleich dementierte die Mailänder Firma Verkaufspläne. Aus Industriekreisen erfuhr Reuters allerdings, dass die Schweizer durchaus daran interessiert seien, Ferrero zu kaufen. Es gebe in Banken Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss. Die 1946 gegründete italienische Firma ist sehr finanzstark, wie es in mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen heißt. Banker schätzen den Wert auf rund zehn Milliarden Euro.

Welche der rund 1800 Firmenteile und wie viele der rund 340.000 Mitarbeiter auf der Kippe stehen könnten, wollte Bulcke nicht sagen. "Warum sollten wir Einheiten behalten, deren Aussichten nicht gut sind", sagte er lediglich. Überdies müssten Entscheidungen schneller gefällt werden und "das Ganze muss auch zentralisiert werden". Nur so lasse sich die Größe des Konzerns auch in mehr Umsatz und Gewinne ummünzen. Nestle hat eine riesige Produktpalette, die von Nescafe und Schokolade sowie Mineralwasser und Eiscreme über Tierfutter bis hin zu Maggi-Suppen und Gesundheitsnahrung reicht. Analysten hatten wiederholt kritisiert, der Konzern sei zu komplex.

Höheres Wachstum im nächsten Jahr

Bereits im kommenden Jahr will Bulcke wieder die Vorgaben des sogenannten Nestle-Modells erfüllen und ein um Währungseffekte und Übernahmen bereinigtes organisches Wachstum von fünf bis sechs Prozent bei steigenden Gewinnmargen erzielen. "Fünf bis sechs Prozent scheinen machbar", sagte er. Dieses Jahr wird sich der Konzern mit "um die fünf Prozent" bescheiden und das auch nur, wenn das vierte Quartal so gut ausfällt wie das dritte.

Immerhin hat das Wachstumstempo zugenommen. Das organische Wachstum erhöhte sich für Januar bis September auf 4,4 Prozent von 4,1 Prozent im ersten Halbjahr. Nach Analysten-Berechnungen entspricht das einem Quartalsplus von rund fünf Prozent. Nestle nennt keine Quartalszahlen. Zulegen konnte der Konzern vor allem in Schwellenländern. "Asien und Afrika haben an Geschwindigkeit zugenommen," sagte Bulcke. In Lateinamerika erhöhten die Eidgenossen die Preise. In Europa blieb das Geschäft dagegen mau und Nestle kam nicht um Preissenkungen herum. Der Konzernumsatz, der durch den starken Franken um etwa zwei Prozent geschmälert wurde, wuchs um vier Prozent auf 68,4 Milliarden Franken (55,5 Milliarden Euro).

Die Börse reagierte begeistert. Die Nestle-Aktie legte mit mehr als drei Prozent so stark zu wie noch nie in diesem Jahr an einem Tag. Rivalen wie Danone und den Konsumgüterkonzern Unilever konnten die Schweizer hinter sich lassen. "Nach der Umsatzwarnung von Unilever und dem unter Erwartung liegenden organischen Wachstum von Danone sind die Zahlen von Nestle beruhigend gut ausgefallen", sagte ZKB-Analyst Patrik Schwendimann. Nestle habe im Branchenvergleich wieder die Nase vorn.

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