Nestle wächst langsamer

Nestle wächst langsamer

Im rezessionsgeplagten Europa sind die Verbraucher preissensibel geworden und in den langsamer wachsenden aufstrebenden Ländern wie China greifen die Menschen nicht mehr so selbstverständlich nach Kaffee, Mineralwasser und Eiscreme des Schweizer Konzerns Nestle.

Diese Entwicklung und der verregnete Frühling in Europa führen dazu, dass Nestle sein Ziel eines organischen Umsatzwachstums von fünf bis sechs Prozent dieses Jahr verfehlen könnte. Das vor zehn Jahren propagierte "Modell Nestle", das neben höheren Verkäufen auch steigende Preise und höhere Gewinnmargen beinhaltet, zeigt Risse. Bisher hatte der Nahrungsmittelgigant das selbst gesteckte Ziel lediglich 2009 und 2004 verfehlt.

"Um die fünf Prozent" wolle der Konzern organisch dieses Jahr zulegen, sagte Nestle-Finanzchefin Wang Ling Martello am Donnerstag. "Das ist eine Herausforderung, das wird nicht leicht", betonte sie bei der Vorstellung des Halbjahresabschlusses. Im ersten Halbjahr ging das organische Wachstum, das Deviseneffekte und Übernahmen ausklammert, auf 4,1 Prozent von 6,6 Prozent im vergangenen Jahr zurück. Im ersten Quartal war der Konzern noch um 4,3 Prozent gewachsen.

Auf den Gewinn schlug das nur in Grenzen durch. Obwohl Nestle dem langsamerem Wachstum mit mehr Geld für Marketing und Werbung gegensteuerte, stieg der Reingewinn bei einem Umsatz von 45,2 Milliarden Franken um knapp vier Prozent auf 5,1 Milliarden Franken (4,15 Milliarden Euro). Dabei half den Schweizern, dass sich die Preise für Rohkaffee auf einem Mehrjahrestief bewegen. Aber für ein Aktienrückkaufprogramm, auf das manche an der Börse spekulierten, wird es zunächst nicht reichen. Eher werde die Dividende wie schon in den letzten Jahren erhöht, sagte Martello. "Der Aktienrückkauf ist aber nicht für alle Zeiten vom Tisch". Mittelfristig werde wieder ein Wachstum von fünf bis sechs Prozent bei steigenden Margen möglich sein. "Wir setzen weiter auf das Nestle-Modell."

Die Aktie verlor an einer leicht schwächeren Börse gut zwei Prozent. Die Titel großer Rivalen wie Danone und Unilever, die im zweiten Quartal beim Umsatz besser abschnitten als die Schweizer, gaben um weniger als ein Prozent nach.

Beinahe-Stillstand in Europa

Vor allem in Europa blies Nestle der Wind ins Gesicht. Nach Preissenkungen um rund einem Prozent wuchs der Umsatz noch um 0,6 Prozent und die Gewinnmarge ging zurück. Deutlich besser lief es in Amerika und Asien. Aber auch in aufstrebenden Ländern habe sich das Wachstum auf 8,2 Prozent von 8,4 Prozent im Auftaktquartal und elf Prozent im Schlussquartal des Vorjahres abgeschwächt, rechnete Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy vor.

Ob Nestle das Umsatzziel doch noch erreicht, hänge stark davon ab, wie sich die Verkäufe in Asien, Ozeanien und Afrika entwickeln, sagte Investor-Relations-Chef Roddy Child-Villiers. Die erhöhten Ausgaben für Marketing und Werbung sollten sich ebenfalls auszahlen. Im von der Krise geschwächten Europa wird Nestle laut Kepler-Analyst Jon Cox seine Preise aber kaum erhöhen können. "Aber das gute Wetter sollte jetzt auch helfen", sagte die Finanzchefin.

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