Münchener Rück: Trotz Flut alles voll im Plan

Münchener Rück: Trotz Flut alles voll im Plan

Die Katastrophe kostet die Münchner Rück nur 230 Millionen Euro - die Hälfte dessen, was er bei der "Jahrhundertflut" vor elf Jahren hatte zahlen müssen. Vorstandschef Nikolaus von Bomhard sieht den größten Rückversicherer der Welt daher auf Kurs zu einem Gewinn von "annähernd drei Milliarden Euro" in diesem Jahr, etwas weniger als 2012 zuvor.

Nach sechs Monaten hat die Münchener Rück trotz niedriger Zinsen schon 1,5 Milliarden Euro verdient. "Das passt, was wir im ersten Halbjahr abgeliefert haben", sagte von Bomhard in München.

Börsianer waren dagegen nicht zufrieden. Sie hatten auf eine Anhebung der Prognosen gesetzt. Die Aktie verlor mehr als vier Prozent auf 146,40 Euro. Von Bomhard verwies auf die jüngste Rally: "Eine Kursreaktion von vier Prozent rauf oder runter interessiert uns eigentlich nicht." Eine Entscheidung, ob die Münchener Rück Aktien zurückkauft, soll im November fallen.

Im zweiten Quartal brach der Gewinn nach Anteilen Dritter um ein Drittel auf 529 Millionen Euro ein, traf die Schätzungen der Analysten jedoch fast punktgenau. Allerdings profitierte die Münchener Rück von Steuereffekten und der Auflösung von Rückstellungen. Operativ sah es schlechter aus als Experten vorausgesagt hatten: Hier halbierte sich der Gewinn fast auf 594 Millionen Euro. Mehr als eine halbe Milliarde Euro kosteten die Münchener Rück allein Abschreibungen auf Währungs- und Inflationsabsicherungen und Verkäufe von Derivaten.

Dabei blieben die Kosten für Naturkatastrophen und anderen, von Menschenhand verursachten Großschäden im ersten Halbjahr im Rahmen. "Wir haben uns in Deutschland aus einigen Großschaden-Rückversicherungen zurückgezogen", begründete der für die Sparte zuständige Vorstand Torsten Jeworrek die moderate Schadenbilanz der Flut. Immerhin schätzt die Münchener Rück den versicherten Schaden insgesamt auf mehr als drei Milliarden Euro. 2002 hatte die Münchener Rück noch den Marktführer Allianz gegen Naturgefahren rückversichert und war auf einem Schaden von 400 Millionen Euro sitzengeblieben.

Ergo: Mehr Flutschäden, mehr Lebensversicherungen

Nur beim Düsseldorfer Versicherer Ergo bringt die Flut die Planungen ins Wanken. 50 Millionen Euro bleiben bei ihr hängen, noch einmal so viel kommt durch die Hagelstürme Ende Juli in den Regionen Stuttgart und Hannover hinzu. Es werde schwer, die 2013 angepeilten 350 bis 450 Millionen Gewinn noch zu erreichen, räumte Ergo-Chef Torsten Oletzky ein. Die Assekuranz insgesamt kostet der Hagel nach Schätzungen der Münchener Rück mindestens 600 Millionen Euro - das folgenschwerste Hagel-Unwetter seit 29 Jahren.

Der Verkauf neuer Lebensversicherungen ohne lebenslange Garantien sei gut angelaufen, sagte Oletzky. "Das bedeutet, dass wir in der Lebensversicherung nicht mehr auf der Bremse stehen." Mit den Produkten reagiert Ergo auf die zunehmend unattraktiven Zinsen. 2000 Verträge seien binnen fünf Wochen verkauft worden. Bis 2016 könnten die neuen Produkte zusammen mit Risiko-Policen und fondsgebundenen Lebensversicherungen zwischen 70 und 80 Prozent des Neugeschäfts ausmachen.

Mehr Kopfzerbrechen machen der Münchener Rück die niedrigen Zinsen auf ihre Kapitalanlagen. Die 218 Milliarden Euro, die sie angelegt hat, brachten im zweiten Quartal - auf das ganze Jahr hochgerechnet - nur noch 2,8 Prozent Rendite. Für das Gesamtjahr rechnet sie mit 3,3 (2012: 3,9) Prozent. Der Konzern klammert sich an die alten, lukrativeren Papiere. "Wir haben uns extrem zurückgehalten mit der Realisierung von Kapitalanlagegewinnen", sagte Finanzvorstand Jörg Schneider. Langfristig müsse man sich darauf einstellen, die geringeren Kapitalanlage-Gewinne mit höheren Preise in der Rückversicherung wettzumachen. "Wir gehen davon aus, dass sich das in etwa nivelliert", sagte Schneider.

Bei der Erneuerung von Rückversicherungsverträgen im Volumen von 2,2 Milliarden Euro zum 1. Juli gingen die Preise allerdings um 0,9 Prozent zurück. Die Versicherer tendierten dazu, mehr Risiken selbst zu tragen, zugleich versuchten etwa Pensionsfonds - auf der Suche nach Rendite - in den Markt einzudringen.

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