Moody's: Der große Rundumschlag

Moody's: Der große Rundumschlag

Moody's stufte insgesamt 15 Kreditinstitute mit einem weltweiten Kapitalmarktgeschäft herab. In der Erklärung wurden fünf amerikanische, drei französische, zwei Schweizer, drei britische, eine kanadische und eine deutsche Bank genannt.

In Europa waren neben der Deutschen Bank die Institute Credit Suisse, UBS, HSBC, Barclays, Royal Bank of Scotland, BNP Paribas, Credit Agricole und Societe Generale betroffen, In den USA traf es JPMorgan, Morgan Stanley, Citigroup, Bank of America, Goldman Sachs, in Kanada die Royal Bank of Canada.

Im schlimmsten Fall ging es gleich drei Bonitätsnoten nach unten. Das traf allerdings nur auf die Credit Suisse zu, die von der zweitbesten Bewertung "Aa1" auf ein noch gutes "A1" abrutschte. Bei der Deutschen Bank ging es um zwei Stufen runter von einem guten "Aa3" auf ein befriedigendes "A2".

Laut der italienischen Nachrichtenagentur ANSA senkte Moody's die Bewertung der größten US-Banken Goldman Sachs von "Aa3" auf "A2", JPMorgan von "Aa1" auf "Aa3", Morgan Stanley auf "A1" auf "A3", Bank of America von "A2" auf "A3" und der Citigroup von "A3" auf "Baa2". Letztere lag damit nur noch knapp über Ramschniveau.

Besondere Risiken

Die abgestuften Banken seien in besonderer Weise den Risiken und der Volatilität des Kapitalmarkts ausgesetzt, erklärte der zuständige Moody's-Experte Greg Bauer in New York. Er betonte allerdings, dass die Häuser auch Geschäfte besäßen, die stabilisierend wirkten. "Diese Aktivitäten können bedeutende 'Schock-Absorber' sein."

Eine schlechtere Kreditwürdigkeit kann die Aufnahme von frischem Geld erschweren und verteuern. Allerdings gibt es keinen Automatismus. Die stark am Kapitalmarkt aktiven Großbanken mussten bereits Gewinnrückgänge wegen der Schuldenkrise verdauen.

Moody's hatte bereits Anfang Juni die drei größten österreichischen Banken einem Downgrading unterzogen. Die Bewertung der Verbindlichkeiten und Einlagen der Raiffeisen Bank International (RBI) und der UniCredit Bank Austria wurden um eine Stufe gesenkt, die der Erste Group Bank AG um zwei Stufen, wie das Unternehmen in der Nacht auf Mittwoch in einer Aussendung mitteilte.

Konkret vergab Moody's damals der Raiffeisen Bank International die Note "A2". Bank Austria und Erste wurden mit "A3" bewertet. Das Finanzstärke-Ranking (BFSR) aller drei Institute wurde mit "D+" beurteilt. Die Basiskreditrisikoeinschätzung (BCA) fiel unterschiedlich aus: RBI und Bank Austria bekamen von der Agentur ein "ba1", die Erste "baa3".

Moody's setzte den Ausblick von Bank Austria und Erste auf "negativ". Erklärt wurde dies im Fall der Bank Austria mit einem negativen Ausblick der Mutter, der italienischen UniCredit. Bei der Ersten verwies Moody's auf ein weniger diversifiziertes CEE-Filialnetz, weswegen sie anfälliger für negative Entwicklungen in einzelnen Ländern wie Rumänien oder Ungarn sei. Der Ausblick von Raiffeisen Bank International wurde hingegen als "stabil" angegeben.

Die Agentur nahm dann aber auch elf Geldhäuser in den Niederlanden, Frankreich, Belgien und Luxemburg ins Visier. Moody's hatte im Februar erklärt, wegen der lahmen Wirtschaft und der Flaute auf den Kapitalmärkten 114 Banken und Versicherer zu überprüfen, darunter die Allianz und die Deutsche Bank.

Dabei hatte die Agentur zum Teil bereits angekündigt, um wie viel Stellen sich das Rating der einzelnen Häuser verschlechtern könnte. Dementsprechend hatte es bei Bekanntgabe der ersten Herabstufungen vor einigen Tagen auch kaum Reaktionen an den Finanzmärkten auf die Schritte gegeben. Moody's hatte sein Vorhaben im Februar unter anderem mit der schwachen Wirtschaftsentwicklung in Europa und den mauen Aussichten auf den Kapitalmärkten begründet.

Die Agenturen S&P und Fitch hatten schon zum Jahreswechsel die Bonitätsnoten für mehrere Länder und Banken gesenkt oder damit gedroht, dies zu tun. Kritiker haben den US-Agenturen vorgeworfen, die Krise in Europa mit ihren Herabstufungen prozyklisch zu verschärfen.

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