Monte dei Paschi, die EZB und eine Bankenaufsicht, die es nicht gibt

Monte dei Paschi, die EZB und eine Bankenaufsicht, die es nicht gibt

Die ersten, die der Öffentlichkeit mitteilten, dass die älteste Bank der Welt ihre Bücher manipuliert, waren nicht die Vorstände der Bank. Es waren auch nicht die Buchprüfer von KPMG, die Aufseher bei der italienischen Zentralbank oder sonst jemand, der die Pflicht besaß, auf die Rechtschaffenheit der Bank zu achten. Es waren Journalisten mit einer guten Quelle: Einem Stapel Dokumente einer anderen Bank, die dabei geholfen hatte, die Intrige umzusetzen.

Vor etwa zwei Wochen veröffentlichten die Bloomberg-News- Journalisten Elisa Martinuzzi und Nicholas Dunbar, dass die Deutsche Bank im Dezember 2008 ein Derivat für Banca Monte dei Paschi di Siena kreiert hatte, das die Verluste der Bank verschleierte. 2009 musste Monte Paschi mit 1,9 Mrd. Euro an Steuergeldern gerettet worden.

Skandal wird Wahlkampfthema

Der Skandal wird zu einem Hauptthema im italienischen Wahlkampf. Zudem erinnert er daran, dass Bankenaufseher sich immer wieder als unverlässliche Bewacher des öffentlichen Interesses erwiesen haben. Dies sollte man in Erinnerung behalten, wenn die Aufsicht über Monte Paschi und die anderen großen Banken Europas ab März 2014 in den Verantwortungsbereich der Europäischen Zentralbank fällt. Die Regeln für eine Bankenabwicklung und Einlagengarantien liegen jedoch noch nicht fest.

Diese Woche hat die Banca d’Italia eingeräumt, dass sie das “Santorini” genannte Geschäft bereits 2009 überprüft hat. Im Folgejahr seien buchhalterische Probleme bemerkt worden. Die Zentralbank hatte Monte Paschi jedoch nicht aufgefordert, die Vorgänge öffentlich zu machen. Der Präsident der italienischen Notenbank hieß damals Mario Draghi.

Draghi wurde über die Bedenken im Zusammenhang mit dem Kriseninstitut aber informiert. Aus hochrangigen Notenbankkreisen erfuhr Reuters am Montag, dass die Entscheidung über mögliche Sanktionen gegen das Traditionshaus aber nicht in den Händen des damaligen obersten Bankenaufsehers in Italien gelegen habe. Vielmehr seien dafür die Inspektoren der Notenbank sowie untergeordnete Ausschüsse verantwortlich gewesen.

Jetzt bittet die 1472 gegründete Bank um Rettungsgelder im Volumen von 3,9 Mrd. Euro. Danach, teilt das Kreditinstitut mit, würden keine weiteren Gelder benötigt. Aber wer glaubt das noch?

Eine einheitliche Bankenaufsicht im Euroraum würde eine zeitnahe und unvoreingenommene Einschätzung der Notwendigkeit einer Bankenabwicklung bieten, schrieb EU-Präsident Herman Van Rompuy im Dezember in einer Schrift mit dem Titel “Towards a Genuine Economic and Monetary Union”.

Luftschloss Bankenaufsicht

Dies sieht durch die Brille des Monte-Paschi-Debakels nach einem Luftschloss aus. Es ist schwer vorzustellen, dass Monte Paschi durch die EZB besser beaufsichtigt worden wäre, ob nun unter der Leitung von Draghi oder jemand anderem.

Dennoch - stellen Sie sich eine Welt vor, in der die EZB bereits verantwortlich für die Bankenaufsicht wäre. Stellen Sie sich weiter vor, dass sie die einzige Abwicklungsbehörde des Euroraums wäre. Nehmen wir an, die EZB wollte Monte Paschi zusperren, und dass Italiens Führung dem nicht zustimmen würde - was wahrscheinlich wäre. Es ist undenkbar, dass EZB-Beamte in Monte Paschis Firmensitz marschieren würden, die Bank mit allen Filialen vereinnahmen und schließen würden - gegen Italiens Einwände. Und Monte Paschi ist nach europäischem Standard noch nicht mal eine besonders große Bank.

Es gibt nicht ein einziges Land in Europa, das bisher guten Willen in Bezug auf die Schließung einer seiner wichtigen Banken gezeigt hätte. Können Sie sich vorstellen, dass französische Politiker der EZB das letzte Wort bei der Schließung einer riesigen französischen Bank wie Crédit Agricole überlassen? Würde die deutsche Regierung sich wirklich an die EZB wenden, wenn es darum ginge, die Deutsche Bank einzuschläfern? Keinesfalls.

Aktie vom Handel ausgesetzt

Am Montag wurde die Monte dei Paschi-Aktie aufgrund der Turbulenzen vom Handel ausgesetzt. Außerdem schießen sich zunehmend Hedgefonds auf die italienische Krisenbank ein und wetten auf fallende Aktienkurse. Das drittgrößte Geldhaus des Landes hat Verluste aus komplexen Derivate-Geschäften von 720 Millionen Euro angehäuft und steht deswegen seit Tagen im Fokus der Finanzmärkte. Broker, die Hedgefonds Aktien für sogenannte Leerverkäufe leihen, spüren dieser Tage eine sehr hohe Nachfrage.

Bei solchen durchaus riskanten Leerverkäufen leihen sich Hedgefonds Aktien und verkaufen diese im großen Stil an der Börse. Fällt der Kurs wie von den Spekulanten gewünscht, werden die Papiere später zu einem günstigeren Preis wieder gekauft. Die Differenz bleibt den Hedgefonds als Gewinn. Nur für die Leihe muss eine Gebühr entrichtet werden. Steigt der Kurs entgegen den Erwartungen, kann der Verlust aber schnell sehr groß werden. Aktiv waren am Markt in den vergangenen Tagen unter anderem Hedgefonds aus London wie Odey Asset Management und Egerton Capital.

Wellington Management aus Boston hatte diese Strategie bereits gewählt, als die Probleme der Traditionsbank aus den Jahren 2007 bis 2009 noch nicht öffentlich bekannt waren. Bis jetzt dürften die Leerverkäufe aber noch kein sehr einträgliches Geschäft gewesen sein - es kommt immer auf den Zeitpunkt des Einstiegs an. Zwar haben die Papiere Ende Januar stark an Wert eingebüßt. Auch am Montag gaben sie nach, bis zum Vormittag um knapp vier Prozent. Sie liegen aber noch in etwa auf dem Niveau zum Jahresende 2012.

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