MINT - frischer Atem fürs Depot

MINT - frischer Atem fürs Depot

Jim O’Neill erschuf 2001 die BRIC-Region. Jetzt plant er eine Fortsetzung: Die MINT-Staaten - bestehend aus Mexiko, Indonesien, Nigeria und der Türkei - sollen die nächsten Highflyer für Anleger werden.

Nein, es war kein berauschendes Jahr für die als BRIC bekannte Untergruppe der Emerging Markets. Sammelindizes, die sich auf Brasilien, Russland, Indien und China beziehen, mussten in den vergangenen zwölf Monaten ein Minus von 17 Prozent hinnehmen. Eine Erholung steht kurzfristig nicht im Raum. Was also unternimmt der findige Banker? Er hebt eine neue Investment-Idee aus der Taufe. Genau jener Jim O’Neill, der für Goldman Sachs im Jahr 2001 das Akronym BRIC erschuf, hat im November 2013 folgerichtig die Investmentregion MINT postuliert.

MINT steht für Mexiko, Indonesien, Nigeria und Türkei. Das sollen nun die nächsten Highflyer sein, wobei sich O’Neill selbst "nicht ganz sicher“ ist, "ob Indonesien wirklich einen Wettbewerbsvorteil ausweist.“ Dass Rendite nicht unbedingt auf guten wirtschaftlichen Daten beruhen muss, zeigt aber die Historie der BRIC. Denn im Jahr 2001 wies Russland laut IWF eine Inflation von 21,5 Prozent aus, das Wachstum Brasiliens lag bei 1,3 Prozent, das strukturelle Defizit Indiens bei zehn Prozent des BIP - trotz dieser teils gar nicht tollen Daten lag der BRIC-Index zwei Jahre nach der BRIC-Wortschöpfung 30 Prozent im Plus. Bis 2007 hatte er um 520 Prozent zugelegt zu haben.

Nach BRIC kommt MINT

Der Motor hinter dieser Performance war also nicht eine herausragende wirtschaftliche Basis, sondern ein Automatismus: Mit dem Platzen der Dotcom-Blase begaben sich die Banken auf die Suche nach neuen Investment-Ideen. BRIC war eine solche. Sie wurde PR- und medientechnisch gepusht, rund um die BRIC-Länder wurden Produkte und Indizes kreiert, Banken kanalisierten immer mehr Anlegergeld in diese Region. Das sorgte für zwei Effekte: Die Aktien stiegen - und auch die wirtschaftlichen Kennzahlen verbesserten sich aufgrund massiver Mittelzuflüsse. Ein Effekt, der auch der MINT-Region nicht schaden würde. Die 75 Milliarden Dollar, die 2013 an Direktinvestitionen in diese Länder flossen, sind durchaus ausbaufähig. Einen Schritt, die Kapitalströme zu stimulieren, hat zuletzt die Türkei mit einer Anhebung der Leitzinsen auf zehn Prozent gemacht. Damit soll der 33-prozentige Rückgang der Mittelzuflüsse beendet werden.

Richtige Lehren ziehen

Dass MINT-Investments eine ähnlich starke Initialzündung erleben könnten, wie seinerzeit die BRIC-Anlageklasse, zeigt sich daran, dass der Nachrichtenflow nur drei Monate nach der ersten Erwähnung von MINT beachtlich ist. Von der BBC über das Wall Street Journal bis hin zum Daily Telegraph reicht die globale Berichterstattung. Fondsmanager wie Sara Zervos, die bei Oppenheimer Funds Vermögen im Wert von 15 Milliarden US-Dollar mitverantwortet, raten zu Veranlagungen in den mexikanischen Peso, "da es zu einem Wettbewerb der Kapitalflüsse in den Randregionen kommen wird.“ Steigen die Aktien, wird oft auch die jeweilige nationale Währung als Transaktionsinstrument dahinter verstärkt nachgefragt.

Do-it-yourself. Wer in diesem Umfeld auf einen Aufstieg der MINT setzen will, sollte dies aber großflächig tun. Abgesehen von Mexiko, wo relativ bekannte Unternehmen wie Carlos Slims América Móvil notieren, sind die Einzeltitel der anderen Länder reine Exoten, entsprechend gering sind die Möglichkeiten, diese Aktien problemlos zu handeln.

Junges Phänomen, gute Chancen

Da das Phänomen MINT jedoch ein junges ist, gibt es noch keine einschlägigen Produkte. Der Anleger muss also selbst ans Werk. Relativ einfach ist das bei Indonesien und der Türkei. Für beide Länder gibt es spezifische, auf die nationalen Indizes zugeschnittene ETFs: Zum einen den Lyxor ETF MSCI Indonesia (ISIN FR0011067511) und zum anderen den von der Royal Bank of Scotland herausgegebenen RBS Market Access Dow Jones Turkey Titans 20 Index Fund (ISIN LU0269999362).

Bei den beiden anderen Ländern wird es schon schwieriger. Ein reines Nigeria-Produkt sucht man vergeblich. Der db x-trackers MSCI AFRICA TOP 50 INDEX UCITS ETF (ISIN LU0592217524) ist immerhin mit 22 Prozent auf Nigeria ausgerichtet. Die Top-Position des Papiers stellt Südafrika dar. Das Land wurde einige Jahre als Erweiterung zu den BRIC-Ländern gehandelt, die Modebezeichnung lautet seither auf BRICS.

Auch die Suche nach gemanagten und somit kostenintensiveren Produkten bringt nichts - sie weisen in der Regel ein noch geringeres Nigeria-Exposure als das X-Trackers-Produkt dar. Ähnlich gestaltet sich der Fall bei Mexiko. Der iShares MSCI EM Latin America (ISIN DE000A0NA0K7 ) hat 28 Prozent seines Portfolios in mexikanische Titel investiert. Das Problem: Mit 56 Prozent ist Brasilien die wichtigste Region des Produkts.

Doch egal, für welche Positionierungen man sich entscheidet: Das Beispiel BRIC sollte man sich auch für die Zeit nach 2007 vor Augen zu halten. Nach sechs Jahren positiver Performance folgte ein Fall, von dem sich die Region nach wie vor nicht erholt hat. Stärker noch als bei anderen Anlageklassen ist das Timing zwischen Kauf und Verkauf bei Modeinvestments wie MINT fast alles.

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt

Börse

IBM wieder mit Umsatzrückgang - das 15. Quartal in Folge