Microsoft – Chef verzweifelt gesucht

Microsoft – Chef verzweifelt gesucht

Für Microsoft ist es die heikelste Personalie der Geschichte. Die Firma sucht einen Kopf mit Charisma und Durchsetzungskraft, der Innovationen verkaufen kann.

Gefühlt dauert sie eine Ewigkeit - die Suche nach einem neuen Chef für Microsoft. Am 23. August 2013 machte Steve Ballmer (Bild) öffentlich, dass er den Hof jetzt übergeben wolle. Hoch an der Zeit war es, der Aktienkurs legte gleich sieben Prozent zu.

Ballmer ist im Begriff loszulassen, aber noch niemand in Sicht, der die Kommandobrücke des 100.000-Mitarbeiter-Tankers übernehmen will. Ein dafür abgestelltes Gremium wollte die Personalie bis Dezember abgeschlossen haben. Daraus wurde nichts und die Suche rückte Anfang Jänner wieder ins Scheinwerferlicht - als sich der favorisierte Mann selbst aus den Schlagzeilen nahm: Ford-Chef Alan Mulally, den die institutionellen Investoren präferiert hätten, beendete die Spekulationen mit einer eindeutigen Stellungnahme. Reuters berichtete zu Jahresende unter Berufung auf den inneren Kreis, dass sich die "Suche auf eine Handvoll Kandidaten“ konzentriere, und verwies auf interne Köpfe wie Tony Bates, Chef des von Microsoft gekauften Telefonie-Dienstes Skype, und Stephen Elop, der lange Jahre im Microsoft-Topmanagement gedient hatte, bevor er als Sanierer zu Nokia wechselte - und Microsoft im Herbst 2013 die Nokia-Handysparte "verkaufte“. Beide können auf ansehnliche Konzernkarrieren zurückblicken, sind aber Männer der zweiten Reihe, und haben nicht das Charisma eines Kapitäns. Schüttelt Microsoft das Ass jetzt aus dem Ärmel oder ist es noch nicht gefunden?

Das Projekt Microsoft beobachtet auch Andreas Landgrebe vom weltweiten Headhunter Boyden. "In den USA gehen solche Dinge tendenziell rascher als bei uns über die Bühne. Wenn wir von einer systematischen und strukturierten Suche ausgehen, liegt die Dauer noch im Bereich des Normalen. Allein die Terminlogistik ist bei solch hochkarätigen Besetzungen enorm. Mit solchen Leuten verabredet man sich nicht einfach für nächste Woche“. Auch nicht wenn Microsoft ruft. Die Schlüsselfrage für Landgrebe ist, ob ein interner oder externer Kandidat zum Zug kommt. "Der Boss aus den eigenen Reihen kennt zwar die Struktur, wird sich bei einer radikalen Neuausrichtung aber ungleich schwerer tun. Aus dem Denkansatz heraus wäre ein von außen Kommender die bessere Wahl, den von Ballmer angefangenen Reformprozess (One Microsoft) ohne Rücksichten, aber mit richtigem Gespür für Mitarbeiter und Kunden umzusetzen“.

Wirtschaftlich steht der Konzern noch immer ausgezeichnet da, doch der Zick-Zack-Kurs und die oft späte Ausrichtung auf Markttrends hat viele verwirrt zurückgelassen. Die Innovationen kamen von Apple oder Google, und wenn Microsoft eine Antwort auf Phänomene wie ein iPhone (Ballmer hatte das bei der Einführung für einen Scherz gehalten) oder das Android-Betriebssystem gefunden hatte, verschenkte man Punkte durch schlechte Umsetzung. Wie zuletzt bei der Einführung des Tabletcomputers Surface oder beim Cloud-Betriebssystem Windows 8, das Ballmer den Kunden - wohl mit der historischen Hausmacht im Hinterkopf - auf die Rechner drücken wollte. Doch Microsoft lernt, und hörte sich in den letzten zwei Jahren wieder bei Kunden und Partnern um: Die Firmenkunden wollen gewohnte Funktionen (Windows-Startmenü) zurück und bekommen sie jetzt wieder. Viele Partner hatten schlechte Noten verteilt, weil sie oft nur noch als erweiterter Vertrieb wahrgenommen wurden, denen man absurde Verkaufsziele aufbürdete. Die Einschätzung, die Steve Jobs in seiner Biografie 2011 traf, teilten viele, die mit Microsoft Geschäfte machen: "Irgendwann führen die Vertriebsleute die Firma, Wirtschaftsingenieure und Designer werden nicht mehr gehört.“ Jobs sagte, dass das auch Xerox, IBM und oder Apple passiert war. Aber: "Solange Ballmer Microsoft führt, glaube ich nicht, dass sich dort etwas ändert.“

Gates’ Rolle

Der hat den Weg nun ja freigemacht, bleibt also noch Aufsichtsratsvorsitzender Gates. Die wichtigsten Investoren streiten jetzt, ob man den Gründer und Fünf-Prozent-Eigner zum Rückzug bewegen soll oder ihn noch als "Visionär“ braucht, der seine Stimme im Aufsichtsrat "stark einbringt“, wie ein Insider sagt - ein möglicher Hemmschuh bei der Suche. "Querschüsse von Ex-Chefs im Board sind nicht sinnvoll, da kannst du nur verlieren“, sagt ein Beteiligter. Gates’ Rolle wird kritisch sein. Sein Tagesgeschäft ist heute ein anderes (siehe links) und er macht keine Anstalten, den Konzern so radikal mitzugestalten, wie es Hasso Plattner mit SAP tut - im Prinzip auch "nur“ noch ein Aufsichtsratsvorsitzender.

Wer mit Mitarbeitern oder Partnern redet, hört immer wieder einen Wunsch. Microsoft-Partner Nahed Hatahet spricht ihn aus: "Der Neue müsste eine Galionsfigur sein wie Gates, aber so verkaufsstark wie Ballmer, den Zeitenwandel glaubhaft personifizieren, also jünger sein. Das Innovationspotenzial steckt in der Firma drin. Aber, wenn jetzt der Falsche kommt, ist das Risiko groߓ. Angesichts der Tragweite sollte sich der Konzern die Zeit nehmen. Ballmer hatte im August gesagt, dass man sich seit zehn Jahren Gedanken zur Nachfolge mache. Da ist ein Jahr ja richtig ambitioniert.

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