Metro: Schwach wie nie

Metro: Schwach wie nie

"2012 war ein Jahr der Neuausrichtung", sagte Metro-Chef Koch am Mittwoch in Düsseldorf. Der mit der Schuldenkrise in Südeuropa und hausgemachten Problemen kämpfende Konzern verzeichnete bei einem Umsatzplus von 1,2 Prozent auf 66,7 Milliarden Euro mit drei Millionen Euro den niedrigsten Gewinn seiner Geschichte.

Die bereits um 35 Cent auf einen Euro gekürzte Dividende muss Metro aus der Substanz zahlen. In den ersten neun Monaten 2013 rechnet Koch wegen der "unsicheren wirtschaftlichen Lage" mit sinkenden operativen Erträgen. Er will Immobilien verkaufen, um schwarze Zahlen zu erreichen, der Konzern werde unter dem Strich per Ende September einen Gewinn "nahe Null" verzeichnen, sagte Finanzchef Mark Frese. Die Anleger animierte er damit nicht zum Kauf von Metro-Aktien: Die Anteilsscheine notierten am Mittag mit einem Minus von 1,6 Prozent bei 22,58 Euro.

Koch hatte Anfang 2012 das Ruder bei dem Düsseldorfer Konzern übernommen, der Großmärkte betreibt und zu dem die Warenhauskette Kaufhof, Europas größten Elektronikhändler Media-Saturn und die Supermarktkette Real gehören. Der neue Chef übernahm einen hierarchisch organisierten Konzern mit einer von zahlreichen Sparprogrammen und Stellenstreichungen verunsicherten Belegschaft, er versprach einen "Kulturwandel". Koch trennte sich von Randgeschäften etwa in Großbritannien, er zog einen Schlussstrich unter die verlustreiche Pläne einer Expansion Media-Saturns in China und verkaufte das Osteuropa-Geschäft der Kette Real. Zugleich verordnete er Preisoffensiven und mehr Service für die Kunden - und versucht, an Onlinehändler verlorenes Terrain vor allem bei Media-Saturn wieder zurück zu erobern. "Wir müssen für das Wachstum in die Zukunft investieren", sagte Koch. Doch der Konzernumbau kostet Geld: 2012 drückten Aufwendungen für die neue Strategie in einer Höhe von 585 Millionen Euro auf die Bilanz. Immerhin dies soll sich 2013 nicht wiederholen.

Kostendisziplin als Mantra

Der Konzern musste im ersten Amtsjahr Kochs Rückschläge einstecken - die Metro-Aktie flog aus dem Dax, Prognosen wurden kassiert, und vor allem brach der Gewinn weg. "Nein, wir sind nicht zufrieden mit der Ergebnisentwicklung", räumte Koch ein. Jeder Euro müsse umgedreht werden: "Wir müssen Kostendisziplin Mantra werden lassen." Auf Hilfe durch die konjunkturelle Entwicklung kann Koch jedenfalls nicht hoffen - der Branchenverband HDE etwa erwartet für Deutschland in diesem Jahr mit Erlöszuwachs von einem Prozent das kleinste Umsatzplus seit 2009. Er rechne für 2013 "nicht mit Rückenwind", verkündete Koch.

Zu Jahresbeginn verzeichnete Metro indes eine "moderat positive Trendentwicklung". Zum Ende des Rumpfgeschäftsjahrs 2013 im September rechnet der Metro-Chef nun insgesamt mit einem "moderaten Umsatzwachstum". Im folgenden vollen Geschäftsjahr 2013/14 mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft, in dem der Handel den Löwenanteil seiner Gewinne einfährt, werde das Ergebnis vor Zinsen und Steuern vor Sonderfaktoren zulegen - wenn die Wirtschaft nicht einbreche.

Beschäftigen muss Koch sich 2013 auch mit dem seit Jahren andauernden Machtkampf bei Media-Saturn. Metro ringt bei der Tochter mit Minderheitseigner Erich Kellerhals um das Sagen. Metro-Großaktionär Haniel hatte erst jüngst in Gestalt des Vorstandschefs Stephan Gemkow ein Ende des Clinchs angemahnt. Der Konflikt sei nicht gut für das Unternehmen, sagte Koch, es müsse ein "konstruktiver Ansatz" für eine Lösung gefunden werden. Insgesamt sieht Koch aber das langjährige Sorgenkind Media-Saturn auf gutem Weg - der Online-Umsatz ziehe an, die Kette biete ein "Spitzensortiment zu Spitzenpreisen an" - und dürfte nicht nur "sparen, sparen, sparen".

Die Tochter Kaufhof will Koch zudem derzeit nicht abstoßen, die Real-Supermärkte in Deutschland gehörten zum Konzern, unterstrich er. Er wolle Metro mit seinem Maßnahmenbündel langfristig profitabler machen, kurzfristige Ergebnismaximierung sei nicht sein Weg, unterstrich Koch. Den Umbau hatte er als Marathon bezeichnet.

Wettbewerber wie Carrefour oder Ahold hatten anders als Metro die Dividende für das vergangene Jahr angehoben. Bei der belgischen Supermarkt-Kette Delhaize fällt die Ausschüttung aber ebenfalls magerer aus. Sie sinkt auf 1,40 Euro von 1,76 Euro je Aktie, um mehr Geld für die Renovierung der Läden und Preis-Offensiven zur Verfügung zu haben.

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