Mercedes prüft hauseigenen Autohandel

Mercedes prüft hauseigenen Autohandel

Wieviel eigenes Personal braucht man, um einen Mercedes zu verkaufen? Mehr als für einen Audi oder BMW. Rund 16.000 Mitarbeiter beschäftigt Daimlers Oberklasse-Marke in ihren hauseigenen Autohäusern - mehr als die Rivalen aus München und Ingolstadt zusammen. Dies ist ein Grund, warum Daimler höhere Kosten als die Konkurrenz hat, und die Strukturen jetzt unter die Lupe nimmt.

Unter den drei großen Premiumanbietern, von denen sich jeder einzelne das Ziel der Marktführerschaft auf die Fahnen geschrieben hat, hängt Mercedes in Deutschland deutlich stärker von den eigenen Vertriebsniederlassungen ab als Audi und BMW, die vor allem auf externe Vertragshändler setzen.

Der Stuttgarter Konzern unter der Führung von Dieter Zetsche sei bereits in Gesprächen über den Verkauf von vier Niederlassungen und könnte im Erfolgsfall mehr eigene Läden abstoßen, sagte eine mit der Situation vertraute Person zu Reuters. "Sie sammeln Erfahrung, die als Blaupause dienen könnte. Zetsche ist kein Fan des eigenen Vertriebs."

In Deutschland, nach den USA der wichtigste Markt der Marke mit dem Stern, betreibt Mercedes 98 Showrooms. Etwa die Hälfte aller Fahrzeuge wird hierzulande über die eigenen Autohäuser verkauft. Zum Vergleich: BMW setzt in seinen 43 Niederlassungen etwa ein Viertel seines Volumens in Deutschland ab, bei Audi sind es weniger als zehn Prozent in 16 eigenen Verkaufsstellen. Auf hausinterne Handelsbetriebe setzen die Hersteller vor allem in Innenstädten, wo der Kundschaft mit ausgeklügelter Präsentation und aufmerksamem Service teure Fahrzeuge schmackhaft gemacht werden sollen - auch solche, die sich sonst schlechter verkaufen lassen und die von den Vertragspartnern gar nicht erst ausgestellt werden.

Vertrieb sorgt bereits für Verluste

Daimler brachte der Vertrieb zuletzt Verluste ein, zudem sind die Kosten für Personal, Pensionen oder Gewinnbeteiligungen hoch. In einem schwächelnden Heimatmarkt werde es für die eigenen Niederlassungen zur immer größeren Herausforderung, im Vergleich zu den Franchisehändlern wettbewerbsfähig zu bleiben, heißt es in Stuttgart.

"Es gibt derzeit kein endgültiges Konzept für die Umstrukturierung des gruppeneigenen Handelsnetzes, aber verschiedene Optionen werden weiter überprüft." Zu möglichen Verkäufen wollte sich Daimler nicht äußern. Insidern zufolge wird bereits darüber verhandelt, zwei Niederlassungen in Norddeutschland und zwei weitere im Westen der Republik an externe Vertriebspartner abzugeben.

Branchenexperten könnten sich auch die US-Autohandelskette Penske Automotive als Interessent für Mercedes-Niederlassungen vorstellen, wenn sie zum Verkauf stünden. Die Amerikaner wollten zum Thema Daimler keine Stellungnahme abgeben. Ihre eigene Akquisestrategie orientiert sich an den Gelegenheiten, im krisengeschüttelten Europa expandierten sie vor Kurzem mit der Übernahme von BMW-Verkaufsstellen in Italien.

Margen im Blickpunkt

Autohändler erzielen üblicherweise Margen von zwei bis vier Prozent - für renditeverwöhnte Oberklasse-Hersteller eher ein Bremsklotz. Audi fuhr im vergangenen Jahr trotz Pkw-Krise in Europa eine operative Rendite von elf Prozent ein, die BMW-Kernsparte 10,9 Prozent. Mercedes landete mit 7,1 Prozent abgeschlagen auf Platz 3. Die eigenen Handelsbetriebe hätten den Wert um 0,3 Prozentpunkte geschmälert, geht aus einer Daimler-internen Präsentation hervor. Das Ziel, 2013 eine operative Rendite von zehn Prozent in der Pkw-Sparte einzufahren, hat Daimler längst ad acta gelegt.

Auch in München ist man unglücklich über die niedrigen Margen, die der hauseigene Autohandel abwirft. Eine Jobgarantie für die rund 6200 Mitarbeiter lief im Dezember aus; Gewerkschaftsvertreter fürchten, dass die Führungsspitze einige Niederlassungen als überflüssig ansehen könnte. "Wir haben keine konkreten Pläne zur Schließung in der Schublade, aber wir überprüfen permanent die Effizienz unserer eigenen Handelsorganisation", sagte eine BMW-Sprecherin.

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