Mega-Übernahme in Europa: Vodafone bietet 7,7 Milliarden für Kabel Deutschland

Mega-Übernahme in Europa: Vodafone bietet 7,7 Milliarden für Kabel Deutschland

Für 7,7 Milliarden Euro will Vodafone den größten Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland schlucken - einschließlich Schulden ist den Briten das Unternehmen 10,7 Milliarden Euro wert.

Vodafone-Chef Vittorio Colao will ein Schwergewicht mit superschnellen Datennetzen im Mobilfunk und Festnetz schaffen und den Marktführer Telekom vom Thron stoßen.

Die Unterstützung von Vorstand und Aufsichtsrat von Kabel Deutschland hat er schon. "Gemeinsam haben wir die Chance, der führende Telekommunikations- und TV-Anbieter in Deutschland zu werden und eine einzigartige schlagkräftige Kombination aus Festnetz und Mobilfunk zu schaffen", sagte Vorstandschef Adrian von Hammerstein am Montag in Unterföhring bei München. Er empfiehlt den Aktionären die Übernahme. Doch perfekt ist der Kauf erst, wenn Vodafone mehr als 75 Prozent der Anteile von Kabel Deutschland eingesammelt hat.

Dreizehn Jahre nach dem Kauf von Mannesmann wagt Vodafone damit den nächsten großen Schritt in Deutschland. "Es geht um Wachstum", sagte Vodafone-Chef Colao. Er ist sicher, dass die Wettbewerbshüter seinen Plänen keine großen Steine in den Weg legen werden. "Wir glauben, dass das eine ziemlich klare Angelegenheit ist." Gelingt der Coup, wäre er der größte Firmenkauf in Europa in diesem Jahr und der teuerste für Vodafone seit 2007. Die Briten kämen nach der Übernahme in Deutschland auf 11,5 Milliarden Euro Umsatz.

Vodafone lockt die Kabel-Deutschland-Aktionäre mit einem Bar-Angebot von je 84,50 Euro. Dazu kommen 2,50 Euro Dividende, die Kabel Deutschland für das Geschäftsjahr 2012/13 versprochen, aber noch nicht ausgezahlt hat. Das sind 7,7 Milliarden Euro - gut zwei Milliarden Euro mehr als Kabel Deutschland im Februar wert war, als die ersten Übernahmegerüchte die Runde machten. Wer beim Börsengang von Kabel Deutschland im März 2010 schon dabei war, würde seinen Einsatz in etwa vervierfachen.

DIE STUNDE DER WAHRHEIT FÜR LIBERTY GLOBAL

Das Vodafone-Gebot bringt den US-Kabelkonzern Liberty Global unter Zugzwang. Der Eigentümer der Nummer zwei, Unitymedia KabelBW, hatte ebenfalls ein Übernahmeangebot in Aussicht gestellt. Nun muss Liberty bald Farbe bekennen, ob er in dem Bietergefecht nachlegen will. Finanzkreisen zufolge hatte Liberty einen Gegenwert von rund 85 Euro je Aktie avisiert. "Wir haben nur ein umsetzbares Angebot auf dem Tisch", sagte Kabel-Deutschland-Chef von Hammerstein. Er soll in der Geschäftsführung von Vodafone in Deutschland künftig für das ganze Festnetz-Geschäft zuständig sein.

An der Börse wird weiter auf ein höheres Angebot spekuliert. Die Kabel-Deutschland-Aktie stieg am Montag um 1,9 Prozent auf 85,67 Euro. Doch ob Liberty nachlegen wird, bezweifeln Experten. Analyst Manfred Jaisfeld von der National-Bank gab zu bedenken, Liberty werde sich "aufgrund der schwächeren Bonität kaum auf eine Übernahmeschlacht einlassen". Insider aus dem Umfeld von Kabel Deutschland halten es für sehr unwahrscheinlich, dass Liberty Vodafone noch aussticht. Kabel Deutschland hat sich verpflichtet, aktiv keinen anderen Käufer zu suchen.

Der Manager eines Fonds, der Anteile an Kabel Deutschland und Vodafone hält, sagte: "Die Vodafone-Offerte hat eine größere Chance als jedes Angebot von Liberty, weil sie in bar ist und keine Kartellhürden zu überwinden hat." Liberty Global gehört bereits der zweite große deutsche Kabelanbieter Unitymedia KabelBW, der Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg versorgt. Kabel-Deutschland-Aktionär Union Investment neigt zu Vodafone: "Bei Liberty Global wären die Diskussionen größer. Es würden sicher mehrere Monate mit einer Kartellprüfung verstreichen", sagte Fondsmanager Andreas Mark. Das Bundeskartellamt will den Fall an sich ziehen.

ALLES AUS EINER HAND

Für Vodafone ist Kabel Deutschland besonders wertvoll, weil die Briten damit in einem großen Teil Deutschlands nicht mehr so stark auf die Zusammenarbeit mit dem Rivalen Deutsche Telekom angewiesen wären. "Ohne Kabel ist eine flächendeckende Versorgung mit Breitband nicht realisierbar. Kunden legen immer mehr Wert auf ein stärkeres Netz, auf einen besseren Komfort und eine höhere Übertragungsleistung", sagte Fondsmanager Mark. Über Breitband-Kabel sind auch Festnetzgespräche und Internet-Verbindungen möglich.

Nach den Plänen von Vodafone-Zentraleuropa-Chef Philipp Humm soll das Angebot beider Fusionspartner künftig unter der Marke "Vodafone" vermarktet werden. Damit käme Vodafone in Deutschland auf 32,4 Millionen Mobilfunk-, fünf Millionen Internet- und 7,6 Millionen Kabelfernseh-Kunden. Vodafone hofft, den Umsatz mit Hilfe von Kabel Deutschland zusätzlich um 1,5 Milliarden Euro zu erhöhen. Zugleich ließen sich dadurch drei Milliarden Euro Investitionen und andere Kosten einsparen. Kabel Deutschland kam im Geschäftsjahr 2012/13 (Ende März) auf einen Nettogewinn von 247 Millionen Euro bei Umsätzen von 1,83 Milliarden Euro.

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