Mega-Deal in der Pharmabranche: McKesson vor Übernahme von Celesio

Mega-Deal in der Pharmabranche: McKesson vor Übernahme von Celesio

Der US-Branchenprimus McKesson sei sich mit dem Celesio-Mehrheitseigentümer Haniel so gut wie einig und werde die Übernahme bereits am Donnerstag ankündigen, sagten mehrere mit den Plänen vertraute Personen am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.

Celesio gehört mit gut 22 Milliarden Euro Jahresumsatz zu den größten Pharmahändlern Europas. Gelingt McKesson der Zukauf entsteht ein globaler Branchengigant mit mehr als 100 Milliarden Euro Jahresumsatz und etwa 75.000 Beschäftigten.

Mit einer Einigung mit Haniel haben die Amerikaner bereits die Mehrheit an Celesio sicher - der Duisburger Mischkonzern Haniel hält 50,01 Prozent an dem Unternehmen. McKesson werde mehr als 22 Euro je Celesio-Aktie bieten, sagten die mit dem Vorgang vertrauten Personen. "Das geht in Richtung 23 Euro", sagte einer der Insider. An der Börse gewann die im Nebenwerteindex MDax notierte Celesio-Aktie 6,1 Prozent und ging bei 21,73 Euro aus dem Handel. Werden die Nettofinanzschulden von Celesio von zuletzt 1,6 Milliarden Euro hinzugerechnet käme die Transaktion auf einen Gesamtwert von bis zu 5,5 Milliarden Euro. Gemessen daran wäre es die drittgrößte Übernahme in Deutschland in diesem Jahr.

Rabattschlacht reibt Celesio in die Arme von McKesson

Mit Celesio würde McKesson ein Unternehmen im Umbruch übernehmen. Celesio ist momentan dabei, ein europäisches Apotheken-Netzwerk unter der Dachmarke "Lloyds" aufzubauen. Bereits bis Ende dieses Jahres sollen in Europa 100 Pilotapotheken unter der Marke Lloyds firmieren. Celesio hatte sich wieder ganz auf die zwei Sparten Pharmagroßhandel und Apotheken konzentriert, nachdem die Erschließung komplett neuer Geschäftsfelder misslang. Die Gewinnaussichten bei Celesio sind momentan wegen des harten Rabattwettbewerbs in der Branche um die Gunst der Apotheken eher mager. Erst im August hatten die Stuttgarter deswegen ihr Ergebnisziel für dieses Jahr gekippt.

Dennoch sind die Amerikaner bereit, viel Geld für Celesio hinzulegen. McKesson würde mit dem genannten Preis annähernd das Zehnfache des aktuell von Analysten erwarteten operativen Jahresgewinns (Ebitda) von Celesio bieten. Der Mehrheitsaktionär Haniel könnte mit dem Verkauf seines Anteilspakets fast zwei Milliarden Euro einnehmen. Die Familienholding hatte 1973 die Mehrheit am Celesio-Vorgänger Gehe übernommen, der 2003 dann in Celesio umbenannt wurde.

Hinter dem Drang Richtung Europa steht der steigende Kostendruck im US-Pharmagroßhandel. Übernahmen und die Erschließung neuer Märkte sind für Konzerne wie McKesson eine Möglichkeit, durch Größe mehr Preismacht zu bekommen. Dabei gehört der US-Rivale schon heute zu den Großen der Branche. Mit mehr als 37.000 Beschäftigten erzielt McKesson einen Jahresumsatz von 122,7 Milliarden Dollar. Rund ein Drittel der täglich in Nordamerika genutzten Medikamente werden von McKesson geliefert. Zum Konzern gehört auch eine große Pharmaziekette mit rund 3000 Läden.

Zu den Auslösern des jüngsten Übernahmefiebers zählt auch der US-Rivale AmerisourceBergen. Der Pharmahändler hatte eine auf zehn Jahre angelegte Partnerschaft mit den Drogerieketten Walgreen und Alliance Boots geschlossen, die den beiden auch eine Beteiligung von bis zu 23 Prozent an AmerisourceBergen erlaubt. Alliance Boots ist nach der Übernahme der früheren Anzag in Deutschland bereits stark vertreten. Wettbewerber wie McKesson und CardinalHealth hatten daraufhin Zukaufsgelegenheiten in Europa sondiert, um im Konkurrenzkampf zu bestehen.

McKesson für Celesio kein Unbekannter

Bereits Anfang Juli hatten mit dem Vorgang vertraute Personen berichtet, dass es zwischen Celesio und dem 1833 gegründeten US-Konzern Gespräche gibt. Der inzwischen geschasste Celesio-Chef Markus Pinger hatte den Insidern zufolge damals seine US-Kontakte genutzt und Allianzen mit McKesson sowie dem Rivalen Cardinal Health ausgelotet. Kontakte zu McKesson bestanden Insidern zufolge aber bereits länger. Pingers Nachfolgerin auf dem Celesio-Chefsessel, Marion Helmes, bezeichnete zwar Anfang Oktober ein Zusammengehen mit einem amerikanischen Wettbewerber als nicht unmittelbar notwendig. Dies könne aber durchaus Chancen mit sich bringen, hatte sie hinzugefügt.

Celesio und Haniel wollten sich zu den Informationen nicht äußern, von McKesson war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Der US-Konzern mit Sitz in San Francisco will am Donnerstag seinen Bericht zum abgelaufenen Quartal vorlegen.

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