Mega-Coup: Facebook kauft WhatsApp für 19 Milliarden Dollar

Mega-Coup: Facebook kauft WhatsApp für 19 Milliarden Dollar

Dafür, dass Facebook gerade einmal zehn Jahre alt geworden ist, gibt es ganz schön viel Taschengeld für Smartphone-Apps aus: 19 Milliarden Dollar kostet dem Internet-Giganten der Kauf des Kurznachrichtendienstes WhatsApp. Wie Mark Zuckerberg den Milliarden-Deal einfädelte und warum dies seine letzte Chance ist, junge Nutzer zu erreichen.

Facebook, das weltgrößte soziale Online-Netzwerk, kauft den Rivalen WhatsApp. Dafür legt Facebook 16 Milliarden Dollar (11,65 Milliarden Euro) in bar und eigenen Aktien auf den Tisch, wie das US-Unternehmen am Mittwoch ankündigte.

Bei der Übernahme schneiden auch die Gründer und Mitarbeiter von WhatsApp mit. Die Transaktion beinhaltet 3 Milliarden Dollar an beschränkten Aktien, die über einen Zeitraum von vier Jahren vollständig in ihren Besitz übergehen, wie es hieß.

Laut Facebook soll WhatsApp weiter als getrenntes Unternehmen geführt werden. Es ist der bisher größte Kauf des Internetkonzerns von Mark Zuckerberg, der bei seinem Börsengang vor weniger als zwei Jahren 16 Milliarden Dollar eingenommen hatte.

Milliarden-Coup für Sequoia Capital

Für Sequoia Capital, die einzige Wagniskapital-Gesellschaft, die WhatsApp bisher Inc. unterstützt hat, ist der Deal Milliardencoup. Für eine 15- prozentige Beteiligung an WhatsApp hatte Sequoia 2011 etwa 8 Millionen Dollar gezahlt. Diese Beteiligung ist nach dem Facebook-Angebot jetzt rund 3,5 Milliarden Dollar wert.

Es ist nicht der erste Coup, den Sequoia landen kann. Seit der Gründung im Jahre 1972 hat Sequoia einige der wichtigsten Startups aus dem Silicon Valley unterstützt, darunter Apple, Yahoo und Google.

Strategisch wichtige Entscheidung

Für Facebook-Chef Marc Zuckerberg ist die Übernahme von WhatsApp die Gelegenheit, vor allem bei jungen Nutzern wieder zu punkten. WhatsApp hat sich als SMS-Alternative etabliert. Über die Smartphone-App können Textnachrichten, Audiodateien oder Fotos ausgetauscht werden. Das Netzwerk hat mehr als 450 Millionen Nutzer, 70 Prozent davon schauen täglich vorbei. "WhatsApp ist auf dem Weg, eine Milliarde Leute miteinander zu verbinden", erklärte Facebook-Chef und -Gründer Mark Zuckerberg. Deshalb sei der Dienst so wertvoll. Facebook selbst kommt auf mehr als 1,2 Milliarden Nutzer.

Wenn man Facebook-Chef Mark Zuckerberg glauben darf, hat er die 19 Milliarden Dollar schwere Übernahme von WhatsApp in nicht einmal elf Tagen eingefädelt. Vorletztes Wochenende habe er WhatsApp-Mitgründer Jan Koum vorgeschlagen, "dass wir uns zusammentun", verriet Zuckerberg am Mittwoch. "Ich kenne Jan schon eine ganze Zeit." Die zwei seien sich schnell handelseinig geworden.

Ein ganz normales Abendessen bei Zuckerbergs

Das ist die Kurzform. Die Langform erzählt die "New York Times" unter Berufung auf eingeweihte Personen. Demnach reden die beiden Seiten schon seit zwei Jahren miteinander auf Initiative von Zuckerberg. Bei Spaziergängen in den Hügeln des Silicon Valley und gemeinsamen Abendessen hätten sie über Kommunikationsdienste gesprochen. Vor etwa zwei Wochen habe Zuckerberg dann ein konkretes Angebot unterbreitet.

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Nach ein paar Tagen Bedenkzeit habe Koum Zuckerberg am vergangenen Freitag daheim besucht und ihm vom Abendessen mit seiner Frau Priscilla Chan abgehalten. Die beiden hätten verhandelt "und dabei einen Teller mit Schokolade überzogenen Erdbeeren gegessen, die eigentlich für Frau Chan gedacht waren". Am Ende des Wochenendes habe das Geschäft gestanden.

Überhöhter Kaufpreis?

Der Deal ist die größte Übernahme in der Geschichte von Facebook. Branchen-Insider zweifelten, ob die beispiellose Übernahmesumme gerechtfertigt ist. Zum Vergleich: Für den Fotodienst Instagram hatte Facebook kurz vor seinem Börsengang gerade einmal eine Milliarde Dollar auf den Tisch gelegt.

Whatsapp solle jedenfalls als eigenständiges Unternehmen mit seinen bekannten Diensten erhalten bleiben, versprach Zuckerberg. Die Übernahme werde mit vier Milliarden Dollar in Bar und Facebook-Aktien im Wert von zwölf Milliarden Dollar bezahlt werden, teilten beide Unternehmen nach US-Börsenschluss mit. Hinzu kommen drei Millarden Dollar in Sonderaktien für die WhatsApp-Gründer, womit sich ein Gesamtpreis von 19 Millliarden ergibt. Der Miterfinder und Firmenchef von WhatsApp, Jan Koum, rückt außerdem in den Facebook-Verwaltungsrat auf. "Grundgütiger, das ist ein guter Deal für WhatsApp", sagte der Silicon-Valley-Veteran Jonathan Teo, ein früher Investor des konkurrierenden Kurznachrichtendienstes Snapchat. Aus strategischer Sicht mache der Schritt aber durchaus Sinn. Facebook sei schließlich stark bei Inhalten, hinke bei der Kommunikation seiner Nutzer aber hinterher.

Bei den Anlegern von Facebook machte sich zunächst keine Begeisterung breit. Im nachbörslichen Handel verloren Facebook-Aktien rund fünf Prozent auf 64,70 Dollar.

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