Mayrhuber knapp in Lufthansa-Aufsichtsrat gewählt

Mayrhuber knapp in Lufthansa-Aufsichtsrat gewählt

Nach dem Zickzack-Kurs um seine Aufsichtsratskandidatur ist Ex-Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber der Einzug in das Gremium nur denkbar knapp gelungen.

Die Posse um die Kandidatur von Wolfgang Mayrhuber für den Lufthansa-Aufsichtsrat hat die Hauptversammlung der Fluggesellschaft überschattet. Lufthansa-Chef Christoph Franz stellte sich am Dienstag in Köln zwar demonstrativ hinter seinen Vorgänger und künftigen Chefkontrolleur. Aktionäre sparten aber bei dem Treffen nicht mit Kritik. Mayrhuber hatte am Montag seine Kandidatur für den Aufsichtsrat zurückgezogen, Stunden später aber wieder bekräftigt. Trotz der Kritik schaffte es Mayrhuber in den Aufsichtsrat, der ihn am Dienstagabend zu seinem Vorsitzenden wählte.

Lufthansa-Großaktionär Union Investment ist nach Aussagen von Fondsmanager Ingo Speich fassungslos. "Wie kann es sein, dass sich Ihre Einstellung zur Lufthansa innerhalb des gestrigen Tages zweimal grundlegend ändert, Herr Mayrhuber?", fragte er. Morgens der Rücktritt, abends der Rücktritt vom Rücktritt. "Das wirft bereits jetzt einen Schatten auf Ihr zukünftiges Amt."

Auch Kleinaktionäre konnten dem Zick-Zack-Kurs Mayrhubers wenig abgewinnen. "Das ist ein großer Blödsinn", sagte der 59-jährige Pensionär Uwe Brinkmann vor dem Eingang der Kölner Lanxess-Arena, dem Veranstaltungsort des Gesellschaftertreffens.

Der Österreicher Mayrhuber hatte die Airline sieben Jahre lang geführt. Seit Herbst 2012 galt als sicher, dass er den neuen Aufsichtsrat des Dax-Konzerns leiten wird. Doch am Montagmorgen erklärte die Lufthansa überraschend, der 66-jährige gebe wegen des Einspruchs ausländischer Großinvestoren seinen geplanten Einzug in das Kontrollgremium auf. Die Anteilseigner und auch die Beratungsfirma ISS hatten vor allem kritisiert, dass seit Mayrhubers Abschied aus der Konzernführung zu wenig Zeit verstrichen ist - damit könne er seinem Nachfolger nicht effektiv auf die Finger klopfen. Zwölf Stunden später dann die Rolle rückwärts: Die widerspenstigen Investoren hätten eingelenkt - Mayrhuber wolle wieder antreten, hieß es.

Am Dienstagabend schaffte er dann den Einzug in das Kontrollgremium. Allerdings stimmten nur 63 Prozent der Aktionäre dafür. Alle anderen Kandidaten der Kapitalseite wurden hingegen mit 85 Prozent und mehr gewählt. Bei der ersten Sitzung des neuen Kontrollgremiums wählten die Aufsichtsräte Mayrhuber dann zu ihrem Vorsitzenden.

Franz: Mayrhuber-Kanditatur "spannend bis zuletzt"

Der bisherige Chef-Aufseher Jürgen Weber gab ausländischen Investoren die Schuld an dem Wirrwarr. "Es hat leider erhebliche Verwirrung gegeben." Die Lufthansa habe große Anstrengungen unternehmen müssen, um die Anwendung von Vorgaben zur guten Unternehmensführung (Corporate Governance) aus dem Ausland zu verhindern. "Es ist bedauerlich, wenn fremde Corporate-Governance-Regeln blind auf Deutschland übertragen werden."

Experten sehen das ähnlich. Aktionärsberater wie ISS, nach deren Empfehlungen sich in den USA viele Fonds richten, bewerten Unternehmen nach selbstentworfenen Standards, ohne sich die individuelle Strukturen anzuschauen, sagte Ulrich Hocker, Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Es gibt zunehmend die Gefahr, dass die vernünftigsten Lösungen nicht mehr betrachtet werden." ISS erwarte zwischen der Leitung des Unternehmens und dem Wechsel an die Spitze des Aufsichtsrats etwa eine Abkühlperiode von fünf Jahren. "In fünf Jahren ist man nicht gekühlt, sondern tiefgefroren." Die Mehrheit der deutschen Aktien werde von ausländischen Investoren gehalten, weshalb diese Probleme immer häufiger vorkommen würden, sagte der Aktionärsschützer.

Airline-Chef Franz sagte, Mayrhuber habe während seiner Zeit als Chef der Lufthansa herausragende Arbeit geleistet. Dazu zählten neben den Übernahmen der Rivalen Swiss und Austrian Airlines auch die Erweiterung der Star Alliance oder die Gründung des Edel-Vielfliegerclubs Hon Circle. Mayrhubers Erbe ist aber umstritten. Kritiker sagen, der Sparkurs der Airline sei nur deshalb so radikal, weil Mayrhuber Verlustbringer wie Austrian übernommen und später nicht hart genug durchgegriffen habe. Dem Umbau fallen nun weltweit 3500 der 117.000 Jobs zum Opfer. Mit der Rosskur will der Konzern sein operatives Ergebnis bis 2015 auf 2,3 Milliarden Euro erhöhen. In diesem Jahr strebt der Vorstand weiter ein operatives Ergebnis über dem Vorjahresniveau von gut einer halben Milliarde Euro an.

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