Mary Barra – die mächtigste
Auto-Managerin der Welt

Mary Barra – die mächtigste
Auto-Managerin der Welt

Marry Barra liebt klare Ansagen. Als sie vor vier Jahren zur Personlachefin des US-Autoriesen General Motors (GM) aufstieg, nahm sie sich den internen Dresscode des Konzerns vor. Das Dokument beschreibt auf zehn Seiten, in welcher Position welche Hemden, Jacken, Hosen und Röcke getragen werden müssen. Die 52-Jährige verkürzte den Inhalt auf zwei Worte: "Angemessene Kleidung“.

Seit Anfang des Jahres ist Mary Barra Vorstandsvorsitzende von GM, dem nach Toyota zweitgrößten Autobauer der Welt mit 152,3 Milliarden Dollar Jahresumsatz. Auch für diese Position brachte die nun mächtigste Frau der Autoindustrie die Marschrichtung knackig auf den Punkt: Sie wolle, dass GM künftig keine "Schrott-Autos“ mehr produziere, sagte Barra kürzlich auf einer Automobilkonferenz.

Doch so einfach wird die Sache wohl kaum: GM hat nach wie vor Schwierigkeiten am europäischen Markt, allen voran bei der Tochter Opel. Dazu ist die Premiummarke Cadillac schlecht positioniert. Und der Mitbewerber Volkswagen (VW) hat sich ernsthaft vorgenommen, die Nummer Eins der Branche zu werden. "Mary Barra ist eine junge Managerin, die Technik, aber auch Menschen versteht, und damit eine große Neuausrichtung von GM schaffen kann“, urteilt der deutsche "Autopapst“ Ferdinand Dudenhöffer im FORMAT-Gespräch.

Mary Barra verkörpert das komplette Gegenkonzept zu den so genannten "Car Guys“, jener GM-Riege, die das Unternehmen lange Zeit in fester Hand hielt. Eine gewisse Arroganz zeichnete diese Manager aus: Manche unter ihnen warfen etwa den Kunden eine "Wahrnehmungslücke“ vor, weil diese nicht erkennen, welch tolle Autos GM produziere. Als Barras Vorgänger Daniel Akerson auf Barra angesprochen wurde, sagte er, der künftige CEO müsse kein "Car Guy“ sein, schließlich hätten diese Manager GM 2009 an die Wand gefahren.

Detroit is back

Bei dem lange als schwerfällig und bürokratisch geltenden Autoriesen brechen neue Zeiten an. Und Mary Barra ist genau die richtige Frau, die diese Wandlung hin zu einem modernen Konzern dirigieren wird: Nach dem Insolvenzantrag 2009 und der darauf folgenden Rettung durch die US-Regierung - der Staat legte damals 50 Milliarden Dollar für den maroden Autokonzern hin - verzeichnet das Unternehmen mit seinen mehr als 200.000 Mitarbeiter erneut wachsende Umsätze und schreibt seit mehreren Quartalen wieder Gewinne.

Kurz vor Weihnachten stieg auch der Staat bei GM aus, wenn auch mit zehn Milliarden Dollar Verlust. Immerhin wendete die US-Regierung die Pleite ab und bewahrte hunderttausende Amerikaner vor der Arbeitslosigkeit. Die verachtende Bezeichnung "Government Motors“ kann GM nun vollständig abstreifen. In Finanzkreisen heißt es derzeit daher: "Detroit is back“, die Krise sei überwunden.

Barra, so scheint es, hat ihr ganzes Leben lang auf diesen Job hingearbeitet: Aufgewachsen in Detroit, arbeitet sie seit 33 Jahren für GM. Schon ihr Vater, ein Werkzeugmacher, war Jahrzehnte für den Konzern tätig. 1980 begann Barra, die sich schon in ihrer Kindheit für Mathematik interessierte, ein Studium der Elektrotechnik am General Motors Institute - GMs Kaderschmiede für künftige Manager und Ingenieure. Nach ihrem Abschluss werkte die zweifache Mutter in verschiedenen Positionen für GM. In den 90er Jahren war sie Assistentin des damaligen Vorstandschefs Jack Smith und schnupperte so für kurze Zeit die Luft der höheren Etagen. Immer wieder beteuert sie, "Benzin im Blut“ zu haben und Autos zu lieben.

Leicht wird ihre neue Aufgabe nicht: Der deutsche Konkurrent VW setzt alles daran, GM zu überholen. Bis 2018 wollen die Wolfsburger die Nummer Eins sein. Laut einer aktuellen Analyse der Beratung Booz & Company steckt VW daher soviel Geld wie kein anderes börsenotiertes Unternehmen in Forschung und Entwicklung. GM hingegen kommt nur auf Rang elf. Laut einer aktuellen Berechnung des Center of Automotive Management dürfte 2013 GM seinen zweiten Platz mit 9,7 Millionen verkauften Autos zwar halten können. Doch wie lange bleibt der Vorsprung?

Sorgenkind Opel

Nach wie vor hat GM Probleme mit Opel. 2012 schrieben die Rüsselsheimer 110 Millionen Dollar Verlust. Einerseits schwächelt der europäische Gesamtmarkt, andererseits verliert GM Marktanteile. 2013 stammten laut dem Autoverband Acea 7,6 Prozent der Neuzulassungen in der EU aus dem Hause GM. Im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 3,7 Prozent.

Bis 2016 will Opel wieder schwarze Zahlen nach Detroit abliefern. Dafür muss dieses Jahr ein Werk in Bochum schließen. Außerdem soll mit dem neu entwickelten Kleinstwagen Adam der Verkauf angekurbelt werden. Weitere neue Modelle sind in Arbeit. Allerderings dauert es bei GM oft lange, wie sich am wichtigsten Modell Astra zeigt: Das Auto ist seit 2009 praktisch unverändert am Markt. VW hingegen hat den VW Golf in dieser Zeit zweimal überarbeitet. "Es braucht noch ein hartes Stück Arbeit, die Marke langfristig stabil und profitabel auszurichten. Aber der Weg stimmt“, so Dudenhöffer.

Wie lange die Beseitigung von Missmanagement dauert, zeigt eine Episode, die der "Spiegel“ kürzlich aufdeckte: GM schloss 2012 einen Sponsoringvertrag über fast 560 Millionen Dollar mit dem Fußballclub Manchester United ab. Die Fußballer sollen ab heuer für sieben Jahre das Logo der Marke Chevrolet tragen. Blöd nur, dass Chevrolet sich 2015 aus Europa zurückzieht.

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