Manager-Sterben bei Hochtief

Manager-Sterben bei Hochtief

Bei der Tochter Hochtief Solutions hätten zwei der drei verbliebenen Vorstände ihren Posten aufgegeben, berichtete die "Wirtschaftswoche" am Samstag vorab aus ihrer neuen Ausgabe. Dabei soll es sich um Wolfgang Homey und Ullrich Reinke handeln, wie das Magazin unter Berufung auf Aufsichtsratskreise schrieb. Hochtief wollte sich dazu nicht äußern.

Erst am Freitag hatte bei der australischen Hochtief-Tochter Leighton der Chef des Verwaltungsrates, Stephen Johns, sowie die Leighton-Direktoren Wayne Osborn und Ian Macfarlane ihren Rücktritt aus Ärger über den Essener Baukonzern erklärt. Der gegen erbitterten Widerstand von der spanischen ACS-Gruppe übernommene Hochtief-Konzern wolle Leighton die Unabhängigkeit nehmen, hatte Johns seinen Abgang begründet. Hervorgetan habe sich dabei der von ACS an die Hochtief-Spitze entsandte Ex-ACS-Manager Marcelino Fernandez Verdes. Hochtief ist mit rund 53 Prozent an Leighton beteiligt. Der Essener Konzern selbst gehört seit 2011 zur spanischen Baugruppe ACS, die Hochtief derzeit umbaut und auf Gewinn trimmt.

Mit dem Abgang von Homey, der im November 2011 zum Finanzvorstand bei Hochtief Solutions berufen worden war, und Reinke, wäre derzeit nur noch Nikolaus Graf von Matuschka im Amt. Er war erst am 19. Februar zum Vorstand und Chef der Solutions-Servicesparte ernannt worden. Zu Hochtief Solutions gehört die Gebäudedienstleistungssparte, die Verdes verkaufen will.

Hochtief-Aktien schickte Johns' Rücktritt am Freitan in den Sinkflug, sie waren größter Verlierer im Nebenwerteindex MDax.

"Stephen Johns (..), Wayne Osborn und Ian Macfarlane haben heute ihren Rücktritt eingereicht", erklärte Leighton am Freitag in einer Mitteilung an die Börsenaufsicht. Damit kehrte die Hälfte der eigentlich sechs unabhängigen Mitglieder dem Gremium den Rücken. Die drei Kontrolleure seien der Ansicht, dass Hochtief entgegen früheren Vereinbarungen nicht mehr eine unabhängige Führung bei Leighton unterstütze. Das führte zum offenen Bruch: Die verbleibenden Leighton-Manager teilten diese Ansicht nicht, hieß es in einer später verbreiteten zweiten Mitteilung Leightons am Freitag.

Sorgen um Unabhängigkeit nicht zerstreut

Der spanische ACS-Konzern habe sich die Mehrheit bei Hochtief gesichert und danach seinen Einfluss durch die Entsendung des ehemaligen ACS-Managers Verdes an die Hochtief-Spitze zementiert, schrieb Johns in einem offenen Brief. Verdes vertrete Hochtief auch bei Leighton - und habe dort etwa versucht, Einfluss auf die Besetzung eines eigentlich einem unabhängigen Kandidaten zustehenden Führungspostens zu nehmen. Es bestehe die ernsthafte Sorge um die Unabhängigkeit Leightons. Verdes habe trotz mehrfacher Aufforderungen nichts unternommen, um die Sorgen zu zerstreuen. Hochtief erklärte dagegen, einige Board-Mitglieder Leightons hätten neue Regeln etwa für Personalien einführen wollen, die die Rechte Hochtiefs beschnitten hätten. Hochtief gehe davon aus, dass nun "so schnell wie möglich ein unabhängiger Chairman" bei Leighton berufen werde. ACS wollte sich nicht zu den Vorgängen bei Leighton äußern.

Hochtief ist mit rund 53 Prozent an Leighton beteiligt, 2011 hatten sich die Essener dort die Mehrheit gesichert. Hochtief selbst gehört nach einer erbittert geführten Übernahmeschlacht seit 2011 zur Baugruppe ACS. Verdes, der im November den Chefposten in Essen übernommen hatte, baut Hochtief nun um und will das Unternehmen auf Rendite trimmen. Der Spanier erwartet, dass auch Leighton höhere Margen erarbeitet und sich auf das Kerngeschäft fokussiert.

Zahlreiche Vorstände und Manager hatten Hochtief im Zuge der Machtübernahme durch ACS verlassen. In der Belegschaft hatte es immer wieder Befürchtungen gegeben, der unter Milliarden-Schulden ächzende ACS-Konzern könne Hochtief zerschlagen. Auch Gerüchte um einen Verkauf der Ertragsperle Leighton hatten die Runde gemacht - bewahrheitet haben sie sich indes bislang nicht.

Bei Investoren schrillen die Alarmglocken

Verwaltungsratschef Johns habe hohes Ansehen genossen, sagte ein australischer Analyst. Sein Abgang werde als negatives Signal aufgenommen. Johns war 2011 Chefkontrolleur Leightons geworden. Analysten der DZ Bank bezeichneten den Rückzug als negative Überraschung. Die Rating-Agentur S&P erklärte, der Rücktritt signalisiere einen möglichen Zusammenbruch der Vereinbarungen zwischen Leighton und Hochtief. Sie senkte den Ausblick Leightons auf negativ. Die Agentur Moody's sprach von einem höchst ungewöhnlichen Vorgang. Leightons Unabhängigkeit sei wichtiger Baustein des Ratings, warnten Moody's-Analysten. "Verdes' droht die Zukunft von Hochtief zu verspielen, wenn er die Truppe nicht hinter sich sammelt", warnte DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler. Der personelle Aderlass bei Hochtief nehme "dramatische Züge" an, sagte der Aktionärsschützer Reuters.

Leighton ist in Australien, Asien und auch im Nahen Osten tätig. Die Hochtief-Sparte hatte 2012 einen Auftragseingang von 18,4 Milliarden Euro verbucht, der Gewinn vor Steuern verbesserte sich deutlich auf 411 Millionen Euro - vor Jahresfrist stand noch ein Verlust von 285 Millionen Euro in den Büchern. Leighton steuerte den Löwenanteil des Gewinns vor Steuern bei, er lag im Hochtief-Konzern bei 546 Millionen Euro.

Der 49-jährige Hamish Tyrwhitt verantwortet seit August 2011 die Leighton-Geschäfte, er hatte mehrere Projekte in Australien abgearbeitet, die Leighton vorübergehend hohe Verluste eingebrockt hatten. Tyrwhitt, Finanzchef Peter Allan Gregg und das übrige Management hätten die volle Unterstützung Hochtiefs, sagte ein Sprecher. Hochtief schätze ihre "erfolgreiche Arbeit" und unterstütze die derzeitige Strategie Leightons. Verdes hatte im Zuge des Konzernumbaus bereits die Hälfte des Europa-Geschäfts von Hochtief zur Disposition gestellt. Trennen wollen sich die Essener weiter auch von ihrem Flughafengeschäft.

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