MAN bleibt pessimistisch – Keine konjunkturelle Erholung

MAN bleibt pessimistisch – Keine konjunkturelle Erholung

MAN bleibt auch weiterhin pessimistisch. Nachdem das Unternehmen diese Woche bereits seine Gewinnerwartung für das laufende Jahr gesenkt hat, sieht Konzernchef Georg Pachta-Reyhofen auch in naher Zukunft keine signifikante konjunkturelle Erholung.

"Wir sehen derzeit noch keine signifikante konjunkturelle Erholung", sagte Konzernchef Georg Pachta-Reyhofen am Donnerstag auf der Hauptversammlung in München. "So ist etwa die europäische Staatsschuldenkrise noch lange nicht ausgestanden." Das Nutzfahrzeuggeschäft in Europa bleibe im ersten Halbjahr voraussichtlich hinter den Zulassungen des Vorjahres zurück. Im zweiten Kernmarkt Brasilien "rechnen wir hingegen mit einer weiteren Erholung". MAN hatte am Dienstag wegen gestiegener Risiken seine Gewinnprognose gekippt. Das operative Ergebnis soll 2013 sehr deutlich zurückgehen.

Details zu VW Machtübernahme

Auf seinem Weg zur kompletten Machtübernahme bei MAN hat sich indes Großaktionär Volkswagen heftige Schelte von seinen Mitaktionären anhören müssen. Auf der Hauptversammlung des Münchner Lastwagen- und Maschinenbaukonzerns, bei der sich VW einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag absegnen lassen will, machten am Donnerstag viele Anteilseigner ihrem Ärger Luft. "MAN kann vieles", kritisierte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz in Anspielung auf den Werbeslogan der Firma, "aber anscheinend nicht die Aktionäre anständig behandeln." Das Abfindungsangebot und die Gewinnwarnung von Dienstag klängen "wie Hohn in den Ohren der Aktionäre". Das vergrößere das Misstrauen in die objektive Bewertung. "Sie sollten sich eigentlich schämen."

VW will sich mit dem Beherrschungsvertrag den vollen Zugriff auf die MAN-Kasse und uneingeschränkten Einfluss auf die Unternehmensführung sichern. Die Zustimmung der Hauptversammlung ist reine Formsache, denn Europas größter Pkw-Hersteller hält etwas mehr als 75 Prozent der MAN-Anteile. Die Minderheitsaktionäre sollen abgefunden werden.

"Eine Ära geht zu Ende, die Ära einer selbstständigen, stolzen MAN", sagte Aktionärsschützerin Bergdolt. Unter VW schreite die "Entdemokratisierung" fort, kritisierte Kleinanleger Heinrich Zöller und verlangte, der Lastwagenbauer müsse sich "aus der Umklammerung lösen". Dem MAN-Vorstand war er "einseitiges Denken nach VW-Schema" vor. Er forderte die anderen Anteilseigner auf, "wenigstens ein Zeichen zu setzen", damit VW wisse, dass die Kleinanleger keine Schafe seien, die widerspruchslos allem zustimmten.

MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen versuchte, den rund 1600 Aktionären die Zukunft des Unternehmens im Wolfsburger Fahrzeugimperium schmackhaft zu machen. "MAN ist nun Teil der Volkswagen-Familie." Der Konzern schlage damit ein neues Kapitel in seiner mehr als 250-jährigen Unternehmensgeschichte auf, das "langfristig eine Erfolgsgeschichte erzählen" werde. Der Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag, den Pachta-Reyhofen sehr detailliert präsentierte, ebne den Weg für "erhebliche Synergien" im Einkauf, in Forschung und Entwicklung und in der Produktion. VW will nach der Übernahme der vollen Kontrolle bei MAN die schleppend verlaufende Lkw-Allianz mit der schwedischen Konzerntochter Scania anschieben.

Den MAN-Minderheitsaktionären bieten die Wolfsburger 80,89 Euro je Aktie - das liegt unter dem aktuellen Börsenkurs. Die Höhe der Abfindung habe "verständlichen Unmut" ausgelöst, sagte Aktionärsschützerin Bergdolt. Einige Anteilseigner hatten spekuliert, dass VW die Offerte nachbessert, weil sie den rechtlich vorgegebenen Mindestwert nur leicht übertrifft.

MAN-Vorstandssprecher Pachta-Reyhofen bezeichnete das Angebot als angemessen. Er verwies darauf, dass sich die Aussichten seines Konzerns eingetrübt hätten, was rein rechnerisch auch die Bewertung verschlechtere. Der Lkw-Bauer hatte am Dienstag wegen gestiegener Risiken seine Gewinnprognose gekippt und erwartet jetzt einen sehr deutlichen Ergebnisrückgang. Risiken aus einem Kraftwerks-Großauftrag und drohende Steuerprobleme bei einer ehemaligen Tochterfirma sowie der unerwartete Einbruch des renditestarken Service-Geschäfts für Schiffsmotoren sorgten für "verringerte Ergebnisbeiträge von insgesamt circa 866 Millionen Euro in den nächsten Jahren bis einschließlich 2017". Dies wirke sich auch auf die Unternehmensbewertung aus. Trotzdem bleibe der VW-Konzern bei seinem Angebot.

Ein Anwalt, der wie zahlreiche andere Juristen die Details des Beherrschungsvertrags bemängelte, kritisierte, das VW-Abfindungsangebot werde dargestellt, als handle es sich um "eine Gnade", weil die Geschäfte "plötzlich so schlecht" liefen. Bergdolt sagte, es sei nicht das erste Mal, dass ein Konzern vor einer Übernahme eine Gewinnwarnung auf den Markt bringe, die es "unter normalen Umständen" nicht gegeben hätte. Kleinaktionär Zöller verwies auf frühere MAN-Chefs, die gute Ergebnisse erzielt hätten - "und das ganz ohne den Einfluss von VW."

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