"Man sollte den Euro auf eine Kernzone reduzieren"

"Man sollte den Euro auf eine Kernzone reduzieren"

FORMAT: Bekommen Sie ein mulmiges Gefühl, wenn Sie an Griechenland denken?

Eduard Zehetner: Ja. Ich habe miterlebt, wie sich die Griechen beim EU-Beitritt über die Förderungen gefreut haben. Unser Fehler war, dass wir zugelassen haben, dass sich die Griechen an die Subventionen der EU gewöhnen. Die Hellenen haben das extensiv ausgenutzt und genau das muss man jetzt wieder abstellen.

Ärgern Sie sich darüber, dass die EU noch immer Geld nach Hellas schickt, obwohl das Land de facto pleite ist?

Ja. Die EU muss sich mit den Konsequenzen des eigenen Tuns auseinandersetzen. Die aktuelle Krise zeigt dieses Versäumnis. Man hat in Griechenland den Euro eingeführt und jahrelang nur zugeschaut. Dabei wusste jeder, der in meinem Alter ist, dass das nicht funktionieren wird. Das ist typisch für Politiker, die denken, dass man sich mit den Konsequenzen des eigenen Handelns nicht auseinandersetzen muss.

Warum haben Sie von Anfang an geglaubt, dass der Euro in Griechenland nicht funktionieren kann?

Griechenland war meine erste Auslandsdestination in meinem ersten Industriejob. Ich bin 1979 nach Athen gefahren, habe mich in ein Büro gesetzt und mich mit dem griechischen Steuerregime auseinandergesetzt. Damals ist mir bereits der Mechanismus der griechischen Inflation und Außenabwertung aufgefallen. Das Unternehmen für das ich tätig war, hat in Österreich und in Griechenland Militärfahrzeuge produziert. Die griechische Armee hat die Rechnungsbeträge in Schilling überwiesen und so die griechische Inflation mitbezahlt. Sie können sich vorstellen, wie viel das Unternehmen damals verdient hat. 1983 hat der Konzern eine Milliarde Drachmen verdient. Das war damals der profitabelste Konzern, an dem der griechische Staat direkt oder indirekt beteiligt war.

Haben Sie eine Idee, wie man das Griechenproblem in Griff bekommen könnte?

Eurobonds könnten die Lösung sein. Die Quersubventionierung über Zinssätze kann aber nur mit einer einheitlichen Fiskalpolitik funktionieren. Ansonsten sollte man den Euro auf eine Kerneurozone reduzieren. Dann müssen halt die Spanier, die Italiener, die Franzosen wieder eine eigene Währung bekommen, die sie in altgewohnter Manier abwerten können, wenn sie nicht in der Lage sind, international konkurrenzfähig zu werden. Es gibt ja auch einige US-Bundesstaaten, die pleite sind. Es ist eigenartig, dass davon niemand spricht. Über die Amerikaner könnte ich mich jetzt zwei Stunden lange aufregen, deren Probleme sind viel größere als in Europa. Sie zeigen aber immer nur mit dem Finger auf uns, um von den eigenen schwer wiegenden Problemen abzulenken.

Die neu aufgeflammte Schuldenkrise versetzt auch den Börsen einen groben Dämpfer. Glauben Sie, dass Immobilienaktien und Banken immer in einen Topf geworfen werden?

Ja. Ich vermute, die Ursache liegt in der Unwissenheit der Investoren. Es ist falsch zu behaupten, dass wir automatisch Schwierigkeiten bekommen, wenn es den Banken schlecht geht. Wir haben einen Verschuldungsgrad von 50 Prozent und generieren 80 Prozent der frei verfügbaren Liquidität aus Mieteinnahmen. Immobilienkonzerne haben ein wesentlich solideres Geschäftsmodell als Industrieunternehmen, die jeden Tag einen neuen Auftrag brauchen, um zu überleben. Unser derzeitiges Problem ist, das Märkte im Moment einfach nicht funktionieren.

Was ist der Grund dafür?

Die Finanzmärkte werden mit Liquidität von den Notenbanken geflutet, das verzerrt die Geschehnisse an den Börsen. In diesem Umfeld kann man nicht davon reden, dass der Markt immer Recht hat. Er ist massiv beeinflusst.

Lesen Sie morgen im zweiten Teil des Interviews: Warum Eduard Zehetner Aktienrückkaufprogramme derzeit für sinnlos hält und wieso er in Osteuropa niemanden bestechen kann.

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