Macht Bernanke wieder die Geldschleusen auf?

Macht Bernanke wieder die Geldschleusen auf?

Ob und wenn ja, in welcher Dosis sie der Wirtschaft verabreicht werden, zeigt sich allerdings erst am Mittwochabend. Nach den mit Spannung erwarteten Beschlüssen des Offenmarktausschusses wird Fed-Chef Ben Bernanke die Strategie vor der Presse erläutern.

Er hat sich bisher nicht auf Konjunkturhilfen festgelegt, während sich seine Stellvertreterin Janet Yellen offen dafür zeigte. Experten rätseln daher, ob es zur erneuten Lockerung der Geldpolitik kommt und die Fed mit neuen Staatsanleihekäufen bereits in die Vollen geht.

Fed-Beobachter Bernd Weidensteiner von der Commerzbank erwartet nicht, dass Bernanke & Co. die Notenpresse zum Ankurbeln der Wirtschaft bereits jetzt wieder anwerfen. "Die Fed könnte sich aber für den Weg des geringsten Widerstandes entscheiden und eine Zwischenlösung wählen, nämlich eine Verlängerung der "Operation Twist". Dabei geht es um ein Umschichten des Anleihebestandes, um sukzessive kurzfristige durch langfristige Vermögenswerte zu ersetzen. Damit könnte die Fed die langfristigen Zinsen weiter drücken und so die Wirtschaft anschieben.

Nullzinsen bleiben

Weitgehend einig sind sich Fachleute, dass die Fed den Korridor für ihren Leitzins bei null bis 0,25 Prozent belassen wird. Zudem dürfte die Fed ihr Bekenntnis zum Festhalten an ultraniedrigen Zinsen bis mindestens Ende 2014 erneuern. Womöglich wird sie sogar weiter gehen und den Märkten für einen noch längeren Zeitraum Planungssicherheit verschaffen. Diese Option hat Yellen offen ins Spiel gebracht. Die Fed stemmt sich bereits seit Dezember 2008 mit ihrer Nullzinspolitik gegen die Wirtschaftskrise.

Auch Geldpolitik-Experte Harm Bandholz von Unicredit rechnet nicht damit, dass die Fed bereits am Mittwoch neue Konjunkturspritzen aufzieht. "Die meisten Fed-Mitglieder setzen weiter darauf, dass das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte anziehen wird." Dennoch veranschlagt er die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Lockerung der Geldpolitik auf immerhin "40 bis 45 Prozent". Grund für die Unsicherheit der Experten sind die unterschiedlichen Signale, die die Notenbank zuletzt aussendete.

Bernankes Stellvertreterin Yellen ist überzeugt, dass es weiteren Spielraum für "eine noch konjunkturstimulierendere Geldpolitik gibt". Bernanke äußerte sich weit zurückhaltender. Er steht zwar bereit, die heimische Wirtschaft bei einer Verschärfung der von Europa ausgehenden Schulden- und Bankenkrise zu schützen. Die Geldpolitik sei jedoch "kein Allheilmittel", betonte er vor dem Kongress. Auch die Politik sei gefragt.

Eurokrise im Fokus

Trotz des ausgebliebenen Bebens an den Märkten nach der Griechenwahl könnte die Krise um Spanien und auch Italien die Fed noch in Zugzwang bringen, die US-Wirtschaft vor den Folgen der wachsenden Probleme in Europa abzuschirmen. Die deutsche Exportwirtschaft hegt bereits leise Zweifel, ob Italien die Krise aus eigener Kraft bewältigt: "Wenn nicht bald weitere Reformen verabschiedet werden, wird Italien das nächste Rettungsland werden", warnte Außenhandelspräsident Anton Börner in einem Presseinterview.

Die Wirtschaftserholung in den USA steht ohnehin auf tönernen Füßen. Das Bruttoinlandsprodukt legte von Januar bis März nur mit einer Jahresrate von 1,9 Prozent zu. Ende 2011 war die weltgrößte Volkswirtschaft noch um 3,0 Prozent gewachsen. Auch die Lage am US-Jobmarkt ist weiter angespannt. Die Arbeitslosenquote stieg im Mai sogar auf 8,2 von 8,1 Prozent. Bernanke machte vor dem Kongressausschuss deutlich, dass die Notenbanker dieses Problem umtreibt: "Die eigentliche Frage ist doch: Wird das Wirtschaftswachstum ausreichen, um weitere Fortschritte am Arbeitsmarkt zu erreichen?" Die Antwort sei noch offen. Aufschluss könnten die internen Projektionen der Fed liefern, die auch am Mittwoch veröffentlicht werden sollen.

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