M&A-Kunden laufen den Investmentbanken davon

M&A-Kunden laufen den Investmentbanken davon

Global tätige Investmentbanken haben im Beratungsgeschäft in den ersten neun Monaten gegenüber dem Vorjahr einen Umsatzrückgang von 48 % hinnehmen müssen. Immer mehr Unternehmen greifen bei M&A-Transaktionen auf hauseigene Ressourcen zurück.

Als der Luxusgüterkonzern PPR SA, zu dem unter anderem Gucci gehört, im August eine Beteiligung an CFAO abstieß, bediente er sich keiner Investmentbank für die Transaktion.

Stattdessen wandte sich PPR an ein internes Team für Fusionen und Übernahmen (M&A), das von Charles de Fleurieu - einem früheren M&A-Manager der France Telecom SA - geleitet wird. “Wenn möglich, machen wir es alleine”, sagt Jean- Francois Palus, Managing Director der Gruppe.

Die Banken haben einige harte Jahre hinter sich. Finanzdienstleister wie Goldman Sachs Group Inc. und Deutsche Bank AG haben alleine 2012 insgesamt etwa 88.000 Stellen gestrichen.

Das Volumen von Deals ist von seinem Hoch im Jahr 2007 um rund 53 Prozent eingebrochen, wie Bloomberg Businessweek in der Ausgabe vom 26. November berichtet. Schuld daran sind nicht zuletzt die Rezession und die weiter anhaltende europäische Staatsschuldenkrise.

Während das Volumen einzelner Deals schrumpft, wenden sich Konzerne wie BP Plc und Siemens AG immer häufiger an eigene Mitarbeiter, wenn es um kleinere Transaktionen geht - und die Einnahmen der Banken werden dadurch weiter belastet.

“Die Unternehmen sind bei Fusionen und Übernahmen anspruchsvoller denn je”, sagt Richard Jackson, M&A-Chef für die Region EMEA bei der Beratungsfirma Bain & Co. “Sie verlangen Objektivität und eine unabhängige Perspektive bei Transaktionen und glauben, dass sie sich das am besten selber aneignen können.”

Ein Drittel der M&A-Transaktionen wird hausintern abgewickelt

Fast ein Drittel der abgeschlossenen M&A-Transaktionen in Europa und den USA in diesem Jahr wurde intern abgeschlossen, wie aus Daten der New Yorker Research-Firma Freeman Consulting hervorgeht. Für die USA ist das der größte Anteil seit 2003, für Europa seit 2004.

Große global tätige Investmentbanken haben im Beratungsgeschäft in den ersten neun Monaten 2012 gegenüber dem Vorjahr einen Umsatzrückgang um 48 Prozent auf 6,48 Mrd. Dollar erlitten, wie aus Daten von Bloomberg hervorgeht.

Misstrauen den Banken gegenüber

Misstrauen könnte ein Grund dafür sein, dass Unternehmen den Banken gegenüber immer zurückhaltender werden, meint John Longworth, Generaldirektor der Britischen Handelskammern. Sie hatten im Oktober berichtet, dass die Hälfte der britischen Unternehmen bei Geschäften mit Finanzfirmen misstrauisch sei.

“Finanzinstitute müssen wieder Vertrauen aufbauen und ihre beschädigten Beziehungen zu den Unternehmen reparieren”, sagt Longworth, und nennt den Libor-Skandal als Beispiel.

Das Beratungsgeschäft trägt zwar nur 4,7 Prozent zum Gesamtumsatz der Banken bei, es ist aber entscheidend für den Ruf und die Gewinne der Institute. Denn es schafft Nähe zu Firmenkunden und führt häufig zu weiteren, profitableren Folgeaufträgen, etwa die Finanzierung von Transaktionen oder die Abwicklung späterer Kredit- oder Aktiengeschäfte.

Siemens, das übernahmefreudigste Unternehmen Deutschlands im vergangenen Jahrzehnt, nutzte das eigene M&A-Team bei der Einigung zum Kauf von NEM und Nem Energy Services im Juli 2011 für 170 Mio. Euro. Banken hätten bei dem Deal fast 3 Millionen Euro an Beratungsgebühren einnehmen können, schätzt der Marktforscher Freeman Consulting.

Bei BP haben sie Gebühren von geschätzten 55,5 Mio. Dollar verpasst, als der Ölkonzern im September Öl- und Gasobjekte im Golf von Mexiko für 5,55 Mrd. Dollar verkaufte. Käufer war Plains Exploration & Production.

“Akquisitionen machen wir immer noch am liebsten ohne Banken”, sagt BP-Sprecher Robert Wine. Der Konzern wendet sich jedoch bei großen Deals an Banken, so etwa als er Morgan Stanley, UBS AG, Goldman Sachs und drei weitere Firmen als Berater für den Verkauf der TNK-BP-Beteiligung in Russland anheuerte. BP hole auch externe Berater an Bord, wenn es um unbekannte Märkte oder Kapitalmarkttransaktionen gehe, so Wine.

Banken können Unternehmen auch helfen, das Risiko von Rechtsstreitigkeiten mit Aktionären zu mindern, wenn ein Deal schiefgeht, indem sie eine sogenannte “Fairnes Opinion” - ein Bewertungsgutachten - abgeben. “Es ist wichtig, eine zweite Meinung einzuholen”, sagt Jan Hagen von der European School of Management and Technology in Berlin.

Dabei nagen kleinere Boutiquen wie Rothschild, Evercore Partners Inc. oder Perella Weinberg Partners LP am Marktanteil der großen Investmentbanken. Laut Freeman-Daten konnten die Nischenanbieter ihren Anteil an den M&A-Honoraren in Europa, dem Nahen Osten und Afrika dieses Jahr auf 8,5 Prozent ausbauen, von 6,9 Prozent im Jahr 2007.

Dennoch sei ein Unternehmen am besten beraten, wenn es auf vertraute Experten zurückgreift, meint Joseph Boutross, Direktor Investor Relations bei LKQ Corp. Der Anbieter von KFZ-Teilen aus Chicago hat seit seiner Gründung 1998 140 M&A-Transaktionen durchgeführt. Auch beim Kauf des britischen Händlers Euro Car Parts für mindestens 225 Mio. Pfund (279 Mio. Euro) nutzte das Unternehmen sein 19-köpfiges internes Team.

“Wir versuchen, unsere hauseigenen Ressourcen zu fördern”, sagt Boutross. “Denn die haben das Wissen.”

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