Lufthansa: Tiefflug wegen Konzernumbau

Lufthansa: Tiefflug wegen Konzernumbau

Europas größte Fluggesellschaft belasten neben Abfindungen für den Abbau Tausender Stellen auch der kostspielige Ausbau der Flotte, die harte Konkurrenz auf Asien-Flügen und der starke Euro. In den ersten drei Quartalen sank der operative Gewinn um 27 Prozent auf 660 Millionen Euro, wie die Lufthansa am Dienstag mitteilte.

Für 2013 rechnet der Vorstand nun mit deutlich weniger Profit als viele Investoren. Lufthansa-Chef Christoph Franz, der im Frühjahr das Cockpit räumt, hinterlässt seinem Nachfolger damit noch viel Arbeit. Die Aktie des Dax-Konzerns sackte um drei Prozent ab und war damit größter Verlierer im Leitindex.

Teuer zu Buche schlugen in den ersten neun Monaten vor allem Sonderausgaben für das Sanierungsprogramm "Score", unter anderem Abfindungszahlungen für den Personalabbau. Auf das Jahr gerechnet summiert sich das auf 200 Millionen Euro - 2012 waren es noch 160 Millionen Euro. Zweiter Belastungsfaktor sind die Ausgaben für neue Projekte von 100 Millionen Euro, wie die die schnellere Umrüstung der Business-Klasse in vielen Flugzeugen. Den Ausgaben stehen auf der Haben-Seite in diesem Jahr geplante Einsparungen von 740 Millionen Euro gegenüber. "Die Kosten sinken tatsächlich und wir werden davon künftig profitieren", sagte Finanzchefin Simone Menne. Den Umsatz konnte der Konzern in den ersten neun Monaten bei 22,8 Milliarden Euro stabil halten. Die Auslastung der Flüge sei gestiegen.

Die Airline steckt im größten Umbau ihre Geschichte und baut derzeit 3500 Stellen ab. Mit der Anfang 2012 verordneten Rosskur soll das operative Ergebnis 2015 auf 2,3 Milliarden Euro klettern. Dafür dreht die Fluggesellschaft mit ihren 117.000 Mitarbeitern jeden Cent zwei Mal um: So sollen Flugzeuge nicht mehr Kerosin tanken als nötig, da jedes Kilo Gewicht zählt. Zudem werden die Check-in-Schalter im Ausland zusammengelegt. Mit Hunderten dieser Ideen will der Konzern die Gewinnmarke erreichen. "Das Ziel ist ambitioniert und der Weg noch weit", sagte Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Und falls die Sanierung nicht die gewünschten Resultate erziele, dürfte der Vorstand noch weiter gehen. "Die Lufthansa hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass sie das Programm noch verschärfen könnte."

Maue Aussichten

Gleichzeitig überraschte die Lufthansa mit einem neuen Gewinnausblick. Für 2013 werde ein operatives Ergebnis von 600 bis 700 Millionen Euro angepeilt. Bislang hieß es vage, dass das Ergebnis des Vorjahres von 524 Millionen Euro gesteigert werden soll. Analysten hatten aber im Schnitt einen operativen Gewinn von 973 Millionen Euro erwartet. Als Grund für die neuen Prognosen nennt der Konzern auch hier die Extrakosten für den Umbau. Anleger reagierten enttäuscht. "Die Investoren hatten mehr erwartet," sagte ein Händler. "Das war jetzt kein Riesenschocker, aber erfreulich sind die Zahlen nicht."

Gegenwind bekommt die deutsche Vorzeige-Airline auch aus anderen Richtungen. Auf den Flügen nach Asien luchsen dortige Billig-Konkurrenten und die Golf-Airlines wie Emirates der Lufthansa Passagiere ab. Erschwerend kommt noch die Stärke des Euro hinzu: Zum Dollar legte die europäische Einheitswährung seit Jahresbeginn um 3,6 Prozent zu - im Vergleich zum Yen waren es sogar 17,4 Prozent. Das schmälert nach Umrechnung in Euro Einnahmen und Gewinn, die in diesen Währungen erzielt werden.

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