Lufthansa verlagert weite Teile auf Billigtochter

Lufthansa verlagert weite Teile auf Billigtochter

Abseits der Drehkreuze Frankfurt und München soll das Angebot von Direktverbindungen ab nächstem Jahr in einer aufgewerteten Germanwings unter dem Motto "günstig, aber nicht billig" zusammengeführt werden, teilte Europas größte Fluggesellschaft am Donnerstag mit.

Mit 90 Flugzeugen sollen 18 Mio. Passagiere pro Jahr befördert werden. Eine "Business Class" wird es in der neuen Germanwings nicht geben. Damit will Lufthansa gegen Billigairlines wie Easyjet und Ryanair punkten. An der Börse legte die Lufthansa-Aktie zu.

Laut Lufthansa-Chef Christoph Franz sollen rund 1.000 Flugbegleiter und 300 Piloten ihre Jobs wechseln, in den meisten Fällen zu Germanwings. Ihnen würde aber auch Angebote zum Wechsel in den Lufthansa-Drehkreuzverkehr oder zum Ausscheiden gemacht.

Germanwings, die bisher von fünf deutschen Standorten 90 Ziele in Europa und Nordafrika anfliegt, soll ab 2013 alle innerdeutschen und innereuropäischen Flüge des Konzerns übernehmen. Nur die Flüge, die an den beiden Drehkreuzen Frankfurt oder München starten oder landen, werden weiter von der Kranich-Linie abgewickelt. "Wir trennen die beiden Geschäftsmodelle", sagte Franz. Die Marke Lufthansa bleibe ein Premiumanbieter bei den gewinnbringenden Langstrecken- und ihren Zubringerfügen, Germanwings werde als kostengünstige Alternative auf der Kurzstrecke etabliert.

30 Lufthansa-Jets umlackieren

Das Bodenpersonal auch an den dezentralen Standorten bleibt bei Lufthansa angestellt. Zum Wechsel müssen auch rund 30 Lufthansa-Jets umlackiert werden, was nach und nach geplant ist. Zudem wird die Tochter Eurowings für die neu organisierte Direktflugtochter fliegen. Spätestens 2015 soll so wieder ein Gewinn bei den langjährig defizitären Direktverbindungen eingeflogen werden, kündigte Franz an.

An der Germanwings-Spitze soll es keine Veränderungen geben. Thomas Winkelmann, Axel Schmidt und Oliver Wagner sollen den Umbau der Fluglinie gemeinsam begleiten.

Die Gewerkschaft ist verärgert. Sie befürchtet, dass die Stewards und Stewardessen der neuen Airline bis zu 40 Prozent weniger verdienen werden als ihre Kollegen bei der Konzernmutter. "Die Mitarbeiter von Germanwings bekommen immer noch besser dotierte Verträge als bei Konkurrenten wie Easyjet oder Air Berlin ", konterte Franz. Dennoch stehe das neue Geschäftsmodell für die Billigfluglinie unter dem Vorbehalt, dass sich die Lufthansa mit den Gewerkschaften einige.

Tarifkonflikt

"Das Vorgehen gefährde die laufende Schlichtung in dem Tarifkonflikt von rund 18.000 Flugbegleitern der Lufthansa, erklärte der Chef der Kabinengewerkschaft Ufo, Nicoley Baublies. Die Lufthansa habe auch die Kündigung von Flugbegleitern bei der nicht ausgelasteten Kerngesellschaft Lufthansa Passage angedroht. Damit ergebe sich ein "ganz neues Erpressungspotenzial". Franz sagte hingegen, dass er nichts von Kündigungsdrohungen wisse.

Ufo hatte vor wenigen Wochen den ersten Flugbegleiter-Streik in der Lufthansa-Geschichte gestartet, bei dem mehr als 1.000 Flüge ausfielen. Nun habe sich die Geschäftsgrundlage massiv geändert, sagte Baublies. Es müsse vorrangig darum gehen, Kündigungen zu verhindern und Nachteile zu vermeiden für die Kollegen, die in die Billigtochter abgeschoben werden sollen.

Einen Seitehieb auf Billigairline-Konkurrenten konnte sich der Lufthansa-Vorstand heute nicht verkneifen:

"Der Unterschied ist: Unsere Piloten tanken", meinte Lufthansa -Vorstand Carsten Spohr auf die Frage eines Journalisten nach dem Unterschied zwischen der konzerneigenen Billigairline Germanwings und anderen Günstig-Anbietern. Mehrere Ryanair -Maschinen mussten im Sommer wegen Spritmangels in Spanien notlanden.

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