Lloyds scheffelt Milliarden – die Zeit für den Ausstieg des Staates rückt näher

Lloyds scheffelt Milliarden – die Zeit für den Ausstieg des Staates rückt näher

Mit dem Ergebnis im Rücken stellte das Unternehmen am Donnerstag die Rückkehr zu Dividendenzahlungen in Aussicht. Damit erleichtert sie dem Staat den für Herbst angekündigten Anfang vom Ausstieg. Die Aktie setzte den seit Monaten andauernden Höhenflug fort. Sie legte bis zu Mittag um gut sieben Prozent auf 73,53 Pence zu. Das ist der höchste Stand seit zweieinhalb Jahren.

In der ersten Jahreshälfte verdiente das Institut unter dem Strich knapp 1,6 Mrd. Pfund (1,8 Mrd. Euro). Vor einem Jahr hatte die Bank noch einen Fehlbetrag von 662 Mio. Pfund ausgewiesen. Der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn verdreifachte sich fast auf 2,9 Mrd. Pfund und lag damit deutlich über den Erwartungen von Analysten.

Die Bank profitierte neben Kosteneinsparungen vor allem von einer verbesserten Kreditqualität. Die Abschreibungen für faule Kredite gingen um 43 Prozent auf 1,8 Mrd. Pfund zurück. So konnte das Institut auch neuerliche Rückstellungen über 450 Mio. Pfund für mit Kreditausfallversicherungen falsch beratene Kunden kompensieren.

Der Skandal hatte Lloyds in den vergangenen Jahren immer wieder in die roten Zahlen gedrückt. Mittlerweile hat die Bank der Fall 7,3 Mrd. Pfund gekostet. Das ist mehr als bei jeder anderen Bank in Großbritannien. Inzwischen scheint für Lloyds das Schlimmste aber vorüber zu sein. Die Zahl neuer Schadensersatzforderungen von Kunden ging zuletzt immer stärker zurück.

"Wir helfen der britischen Wirtschaft"

Vorstandschef Antonio Horta-Osorio sieht sein Institut für einen Ausstieg des Staates gerüstet: "Wir sind profitabel und wir helfen der britischen Wirtschaft." Jetzt liege es am Staat, wie und wann er seinen Anteil wieder in private Hände geben wolle. Die britische Regierung hatte im Juni angekündigt, im Herbst erste Teile ihres Aktienpakets zu verkaufen. Der Staat hatte Lloyds in der Krise mit 20 Mrd. Pfund gerettet und hält derzeit rund 39 Prozent an der Bank.

Das könnte für den Steuerzahler ein gutes Geschäft werden. Die Aktie hat in diesem Jahr mit den Gewinnen vom Donnerstag bereits um fast 50 Prozent zugelegt und notiert mit knapp 74 Pence deutlich über dem rechnerischen Einstiegskurs des Staates von 61 Pence je Anteilsschein. In der vergangenen Woche hatte es in Finanzkreisen geheißen, dass der Staat im September zunächst bis zu ein Viertel der von ihm gehalten Aktien verkaufen und dafür rund 5 Mrd. Pfund kassieren wolle. Es könnte aber auch sein, dass der Verkauf je nach Marktlage schon früher beginnt.

Um für Investoren attraktiv zu sein, schürte Lloyds die Hoffnung auf künftige Dividendenzahlungen. Die Gespräche mit den Aufsichtsbehörden zu diesem Thema sollten schon bald beginnen. Das Institut selbst sieht sich gerüstet. Die risikogewichtete harte Kernkapitalquote lag Ende Juni unter Einbeziehung aller erst ab 2019 voll gültigen Regeln bei international starken 9,6 Prozent. Bis zum Jahresende will Lloyds auf mehr 10 Prozent kommen.

Auch die Verschuldungsquote, die das Eigenkapital pauschal ins Verhältnis zur gesamten Bilanzsumme setzt, sieht Lloyds bei starken 4,2 Prozent. Im Mai hatte die britische Aufsicht noch ein Loch von 8,6 Mrd. Pfund festgestellt. Dieses schließt Lloyds über den forcierten Verkauf von Randbereichen. So kassierte die Bank für den Verkauf ihres US-Geschäfts bei mit Hypotheken besicherten Wertpapieren 5 Mrd. Dollar. Zudem trennte sie sich von einem weiteren Anteil am Vermögensverwalter St. Jame's Place. Auf der Verkaufsliste stehen zudem noch das australische Geschäft und die Fondsgesellschaft Scottish Widows Investment Partnership (SWIP).

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