Linde strotzt vor Kraft

Linde strotzt vor Kraft

Die milliardenschwere Übernahme des US-Gesundheitsdienstleisters Lincare zahlt sich für den Gasekonzerns Linde zum Jahresstart aus. Mit dem durch Lincare verstärkten Medizingase-Geschäft in den USA steckte das Münchner Unternehmen das trübe Wirtschaftsumfeld in Europa im ersten Quartal besser als erwartet weg.

Das operative Ergebnis nahm binnen Jahresfrist um 12,6 Prozent auf 953 Millionen Euro zu, wie der weltweit zweitgrößte Industriegase-Hersteller nach der französischen Air Liquide am Montag mitteilte. Dies gab der Linde-Aktie an der Börse Auftrieb: Mit einem Kursanstieg von knapp drei Prozent war das Papier der mit Abstand größte Gewinner im DAX.

"Wir gehen davon aus, dass wir in den kommenden Monaten noch zulegen können", erklärte Konzernchef Wolfgang Reitzle. Das Unternehmen, das unter anderem die Stahl- und Elektrobranche mit Sauerstoff und Stickstoff beliefert, will im Gesamtjahr einen operativen Gewinn von mindestens vier Milliarden Euro erzielen nach 3,69 Milliarden Euro 2012. Den Umsatz will Reitzle -verglichen mit den 15,83 Milliarden Euro des vergangenen Jahres - weiter ausbauen. Mit seinem Quartalsbericht setzte sich Linde auch von seinem großen Konkurrenten Air Liquide ab: Der Umsatz der Franzosen war im Auftaktquartal um 2,1 Prozent auf knapp 3,7 Milliarden Euro geschrumpft.

Um sich unabhängiger von Konjunkturschwankungen zu machen hatte Linde im vergangenen Jahr für 3,6 Milliarden Euro Lincare erworben. Die US-Firma, die Atemwegspatienten zu Hause mit Sauerstofftherapien versorgt, steht seit August in der Konzernbilanz. Mit Lincare ist Linde im Feld Medizingase und in der Gase-Versorgung von Atemwegspatienten die Nummer eins weltweit geworden vor dem Erz-Rivalen Air Liquide. Im ersten Quartal trug Lincare fast 400 Millionen Euro zum Konzernumsatz bei, der insgesamt um 10,3 Prozent auf 3,99 Milliarden Euro kletterte. Der Konzernüberschuss nahm um zehn Prozent auf 340 Millionen Euro zu. Analysten äußerten sich positiv. "Reitzle hat es offenbar geschafft, die Akquisition Lincare gut zu integrieren", sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research.

Nordamerika-Geschäft brummt

In der Gasesparte erhöhte Linde den operativen Gewinn um 14,5 Prozent auf 942 Millionen Euro. Die operative Rendite sank allerdings leicht um zehn Basispunkte auf 27,3 Prozent. Die schwache Konjunktur in der Eurozone hinterließ ihre Spuren, zudem war die Nachfrage nach technischem Zubehör und Ausrüstung in der Region Südpazifik schwach. Im wichtigen Markt China liefen dagegen die Geschäfte der Gasesparte rund. Deutliche Zuwächse verzeichnete Linde in Nordamerika, auch dank des Ausbaus der HealthCare-Geschäfte durch Lincare. In der kleineren Anlagenbausparte sank hingegen der operative Gewinn um 9,6 Prozent auf 66 Millionen Euro. Linde konnte allerdings in den vergangenen Monaten eine Reihe großer Anlagenbauaufträge an Land ziehen. Dadurch sprang der Odereingang im Quartal um 81,7 Prozent auf 1,38 Milliarden Euro in die Höhe.

Reitzle bekräftigte die mittelfristigen Ziele: Im Jahr 2016 soll ein operatives Konzernergebnis von mindestens fünf Milliarden Euro in den Büchern stehen. Dabei setzt Linde mit seinen inzwischen 62.800 Beschäftigten auch auf Sparanstrengungen. So sollen zwischen 2013 und 2016 die Bruttokosten um insgesamt 750 bis 900 Millionen Euro sinken.

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