Libor-Skandal: Auch Lloyds unter Verdacht

Libor-Skandal: Auch Lloyds unter Verdacht

Der Skandal um Zins-Manipulationen zieht immer weitere Kreise

Nun gerät auch die britische Großbank Lloyds ins Visier der Ermittler. Das Institut teilte am Donnerstag bei der Vorlage der Halbjahreszahlen mit, Vorladungen von verschiedenen Behörden bekommen zu haben. Es gehe aber nur darum, Informationen zu liefern. Rückstellungen für eventuelle Strafzahlungen seien deshalb nicht nötig, erklärte Finanzdirektor George Culmer. Die heimische Rivalin Barclays hatte als erste Bank ein Fehlverhalten einiger Händler eingeräumt. Das kostete das Institut eine halbe Milliarde Dollar und den Vorstandschef den Job.

Demonstrative Gelassenheit

Lloyds demonstrierte Gelassenheit. "Wir sind Teil einer laufenden Ermittlung, und so lange die Aufseher ihre Untersuchungen nicht abgeschlossen haben, gibt es keinen Grund, Geld für irgendetwas zurückzulegen", sagte Culmer. Details zu den Vorladungen nannte die Bank nicht. Es hieß lediglich, die betroffenen Bereiche arbeiteten eng mit den Behörden zusammen. Zudem laufe eine interne Untersuchung.

Die Ermittlungen drehen sich im Kern um den internationalen Referenz-Zinssatz Libor, den mehr als ein Dutzend Banken in den Jahren 2005 bis 2009 zu ihrem eigenen Vorteil manipuliert haben sollen. Der Referenzsatz wird in verschiedenen Währungen ermittelt und liegt quasi allen Finanztransaktionen am Markt zugrunde. Rund um den Globus gehen Regulierer derzeit der Frage nach, ob einzelne Händler-Ringe hinter den Tricksereien stehen oder ob die Führungsebene in den jeweiligen Banken in die Vorgänge eingeweiht war. Auch die Deutsche Bank ist von den Ermittlungen betroffen. Doch auch sie hat im zweiten Quartal allem Anschein nach keine signifikanten Rückstellungen für Libor gebildet. Das legen zumindest die vorläufigen Quartalszahlen nahe. Der vollständige Zwischenbericht steht am kommenden Dienstag an.

Börse nicht erschrocken

Börsianer schreckten die Libor-Ermittlungen bei Lloyds nicht. Die Aktie der Bank notierte sogar fest im Plus. Dazu dürften auch die Halbjahreszahlen beigetragen haben, die über den Erwartungen lagen. Der operative Gewinn kletterte um 715 Millionen Pfund auf knapp 1,1 Milliarden. Lloyds legte als erstes britisches Geldhaus Zahlen für das abgelaufene Quartal vor.

Das Institut musste in der Finanzkrise vom Staat gerettet werden und ist seither auf Sanierungs- und Schrumpfkurs. Der zahlt sich offenbar mehr und mehr aus. Investmentbanking betreibt Lloyds nicht - und ist damit auch nicht so stark von der Schuldenkrise getroffen wie andere. Dafür ist die Bank im heimischen Privatkundengeschäft der Platzhirsch. Hier allerdings musste sie nun weitere 700 Millionen Pfund für die Entschädigung von Kunden beiseitelegen, die beim Verkauf von Restschuldversicherungen (PPI) falsch beraten wurden. Insgesamt hat das Lloyds bislang über vier Milliarden Pfund gekostet.

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