Libor-Ermittlungen gegen Deutsche Bank ziehen sich

Libor-Ermittlungen gegen Deutsche Bank ziehen sich

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin braucht länger als erwartet, um sich ein abschließendes Urteil über die Abläufe in Deutschlands größtem Geldhaus zu bilden, die zu den Manipulationen führten, wie am Montag aus dem Umfeld der Behörde verlautet.

Hatte die BaFin sich Kreisen zufolge noch im Juli optimistisch gezeigt, dass im August erste Ergebnisse der Sonderprüfung vorliegen könnten, heißt es nun, ein Ende der Ermittlungen sei völlig offen. Das "Handelsblatt" berichtete unter Berufung auf Finanzkreise, auch ein Vergleich mit der britischen Aufsicht FSA und den US-Behörden in diesem Jahr sei nicht absehbar.

Seit Monaten ermitteln Behörden weltweit gegen Großbanken. Diesen wird vorgeworfen, zwischen 2005 und 2009 internationale Referenz-Zinssätze wie Libor und Euribor zu ihren Gunsten manipuliert zu haben, um die tatsächlichen Refinanzierungskosten zu verschleiern und Handelsgewinne einzustreichen. Die Sätze beruhen auf den - von außen bislang kaum nachprüfbaren - Angaben der Banken zu den von ihnen zu zahlenden Zinsen am Geldmarkt. In der Baseler Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) beraten Notenbanker seit Sonntag über eine Reform des Libor als Konsequenz.

Im Falle der Deutschen Bank untersucht die Bafin, ob das Institut strukturell genug getan hat, um die Manipulationen zu verhindern. Die Zins-Tricksereien fallen in das Investmentbanking - jenen Bereich, den der heutige Co-Vorstandschef Anshu Jain jahrelang geleitet hat. Die Deutsche Bank verneint nach einer internen Untersuchung eine Mitverantwortung der Führungsspitze und hält die Manipulationen für das Werk einzelner Mitarbeiter. Nach Angaben aus Bankkreisen wurden schon vor einiger Zeit zwei Händler suspendiert.

Auch in Großbritannien und den USA wird die Deutsche Bank von den Regulierern durchleuchtet. Dort ziehen sich die Ermittlungen offenbar ebenfalls in die Länge. Das liege auch daran, dass die Regulierer zunächst mit jenen Instituten verhandeln wollten, die am stärksten in die Libor-Affäre verwickelt seien, berichtete das "Handelsblatt". Die Deutsche Bank äußerte sich nicht zu dem Bericht.

Zahlt die Royal Bank of Scotland als nächstes?

Bislang hat nur die britische Großbank Barclays ein Fehlverhalten im Libor-Skandal eingeräumt. Sie wurde dafür zu einer Strafe von fast einer halben Milliarde Dollar verdonnert. Die alte Führungsriege musste gehen, der Konzernumbau ist in vollem Gang. Eine ähnlich hohe Strafe droht nun der Royal Bank of Scotland, wie die "Financial Times" am Wochenende berichtete. Das Geldhaus müsse mit 200 bis 300 Millionen Pfund rechnen, berichtete das Blatt ohne Nennung von Quellen. Die RBS, in der Finanzkrise verstaatlicht, wollte sich dazu nicht äußern. Reuters hatte bereits Ende August berichtet, dass die RBS kurz vor einem Vergleich mit den Behörden in den USA und Großbritannien steht.

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