Kulturwandel? Deutsche Bank-Chef Fitschen im Visier der Justiz

Kulturwandel? Deutsche Bank-Chef Fitschen im Visier der Justiz

Es gehe um versuchten Prozessbetrug, sagte ein Sprecher der Münchner Staatsanwaltschaft. Bei einer Verurteilung drohen Fitschen, dessen Vertrag gerade erst um zwei Jahre bis 2017 verlängert wurde, bis zu fünf Jahre Gefängnis. Doch ob es überhaupt zu einer Anklage kommt, ist offen - bis zu einer Entscheidung können Jahre vergehen. Die Deutsche Bank weist die Vorwürfe zurück.

Weltweit muss sich das Institut schon einer Flut von Prozessen und Klagen stellen. Dafür hat es inzwischen mehr als vier Milliarden Euro zur Seite gelegt. Ein Ende der Belastungen ist noch lange nicht absehbar - zum Leidwesen vieler Großaktionäre. Die Deutsche-Bank-Anleger warfen die Aktie am Dienstag aus ihren Depots: Mit einem Minus von zwei Prozent zählte sie zu den schwächsten Werten im Dax. Einer der größeren Investoren der Bank quittierte die jüngsten Nachrichten mit den Worten: "Das rührt an den Grundfesten des Vertrauens in die Bank." Auch Bankenprofessor Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim in Stuttgart ist skeptisch: Angesichts der Flut an Rechtsstreitigkeiten dürfte es dem Führungsduo Fitschen und Anshu Jain immer schwerer fallen, sich auf das Tagesgeschäft zu konzentrieren, sagte er. "Es ist allerdings sehr schwierig, jemanden zu finden, der Jain und Fitschen ersetzen könnte."

Dabei waren die beiden Banker im Sommer 2012 als Nachfolger des langjährigen Vorstandschefs Josef Ackermann mit dem Ziel angetreten, die Altlasten der Deutschen Bank konsequent aufzuräumen. Sie versprachen eine neue Kultur: Windige und imagebelastende Geschäfte sollten der Vergangenheit angehören. Doch die Liste, die es noch abzuarbeiten gilt, ist lang: Neben dem Schadenersatzverfahren der Kirch-Familie geht es etwa um mutmaßliche Zinsmanipulationen, Bilanztricksereien und fragwürdige US-Hypothekendeals.

Außerdem bekam das Institut unlängst Anfragen von Aufsehern, die dem Verdacht von Manipulationen auf dem billionenschweren Devisenmarkt nachgehen. Viele der Vorwürfe betreffen den früheren Bereich des langjährigen Chef-Investmentbankers Jain, doch nun ist auch Fitschen gleich an mehreren Fronten unter Druck: Gegen den 65-Jährigen ermittelt bereits die Frankfurter Staatsanwaltschaft im Zuge des Skandals um Betrug mit CO2-Verschmutzungsrechten wegen schwerer Steuerhinterziehung.

"Wie ein Damoklesschwert"

Das Oberlandesgericht München hatte der Bank im vergangenen Dezember eine Mitverantwortung für die Pleite des Medienkonzerns von Leo Kirch im Jahr 2002 gegeben. Das Institut wurde deshalb zu Schadenersatz verurteilt, um dessen Höhe beide Seiten allerdings noch ringen. Vergleichsverhandlungen sind wiederholt gescheitert. In Finanzkreisen wird ein neuer Anlauf im nächsten Jahr für möglich gehalten.

In dem damaligen Verfahren hatte das Oberlandesgericht auch deutlich gemacht, dass es den Verantwortlichen der Bank ihre Darstellung in dem Prozess nicht abkaufte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt deshalb bereits seit einiger Zeit wegen versuchten Prozessbetrugs gegen Ackermann, dessen Vorgänger Rolf Breuer und zwei weitere Beschuldigte. Früheren Angaben zufolge handelt es sich dabei um Ex-Aufsichtsratschef Clemens Börsig und Ex-Vorstandsmitglied Tessen von Heydebreck. Die Ermittler halten mündliche und schriftliche Angaben in dem Prozess für unwahr: Damit sollen Verantwortliche der Bank versucht haben, die Schadenersatzforderungen von Kirch abzublocken. Zu denen, die es vor Gericht mit der Wahrheit nicht so genau genommen haben sollen, zählt nun auch Fitschen. "Unsere Ermittlungen legen den Verdacht nahe, dass er eine Mitverantwortung dafür hat", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Nach Angaben aus Finanzkreisen dürften die Ermittlungen wohl bis 2015 dauern: "Das hängt dann solange wie ein Damoklesschwert über Fitschen", sagte ein Insider. Das Geldhaus stellte sich hinter seinen Co-Chef und erklärte: "Die Bank ist davon überzeugt, dass sich der Verdacht als unbegründet erweisen wird." Gegen Breuer war ein erstes Strafverfahren wegen mutmaßlichen Betrugsversuchs in einem der Kirch-Prozesse im Dezember 2011 gegen Geldauflage eingestellt worden. Damit hat Breuer keine Schuld eingestanden und ist auch nicht vorbestraft.

Der heutige Vorstandschef Fitschen steht nicht nur als Deutsche-Bank-Lenker im Rampenlicht. Seit dem Frühjahr ist er auch Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) und damit oberster Repräsentant der Privatbanken hierzulande. Der Lobbyverband hat derzeit schon alle Hände voll damit zu tun, Flurschaden an anderer Stelle einzudämmen. Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer muss sich als früherer BayernLB-Chef wegen der teuren Übernahme der Hypo Alpe Adria demnächst als Angeklagter vor Gericht verantworten.

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