Krim-Krise belastet die Märkte

Heute, Freitag, treffen John Kerry und sein russischer Außenministerkollege Sergej Lawrow in London zusammen. Auch an den Finanzmärkten wird der Ausgang des Gesprächs mit Spannung erwartet. Die Krim-Krise und eine mögliche Abspaltung der Halbinsel hält auch die Wirtschaft in Atem.

Krim-Krise belastet die Märkte

Frankfurt. Die Angst vor einer weiteren Zuspitzung der Krim-Krise dürfte die Anleger auch am Freitag fest im Griff haben. Nach Einschätzungen von Händlern wird der Dax mit deutlichen Verlusten unter der Marke von 9000 Punkten starten, nachdem er schon am Donnerstag um 1,9 Prozent auf 9017 Stellen gefallen war.

Mit Spannung wird auch an den Finanzmärkten das am Freitag angesetzte Treffen von US-Außenminister John Kerry und seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow in London erwartet. Kerry sagte, er hoffe, dass doch noch eine Entspannung kurz vor dem Referendum am Sonntag gelinge. Bei der Abstimmung geht es darum, ob die Krim sich von der Ukraine abspalten und Teil von Russland wird.

Krim und Chinas Konjunktur holen US-Börsen ein

An der Wall Street war es ebenfalls bereits am Donnerstag nach unten gegangen. Der Dow Jones schloss 1,4 Prozent tiefer, der S&P 500 büßte 1,2 Prozent ein, der Nasdaq-Composite 1,5 Prozent. In Tokio ging es steil bergab: Der Nikkei und der breiter gefasste Topix stürzten um mehr als drei Prozent ab.

Die Furcht vor einer Eskalation der Krim-Krise und die Sorge um die Zukunft der chinesischen Wirtschaft haben die Wall Street am Donnerstag wieder eingeholt. Nachdem ermutigende US-Konjunkturdaten den New Yorker Börsen zunächst zu leichten Kursgewinnen verholfen hatten, kippte im Handelsverlauf die Stimmung. Vor allem die Aussicht auf Sanktionen im Streit um die Ukraine beschäftigte die Investoren. "Da drohen wirtschaftliche Konsequenzen für Russland und andere Schwellenländer", sagte Brad McMillan vom Anlageberater Commonwealth Financial.

Der Dow Jones notierte im New Yorker Nachmittagshandel mit 16.139 Punkten 1,2 Prozent leichter. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 1,1 Prozent auf 1849 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq büßte 1,5 Prozent auf 4260 Punkte ein. Der Dax schloss sogar 1,9 Prozent im Minus auf 9017 Stellen. Der EuroStoxx fiel um 1,5 Prozent auf 3019 Zähler.

Auffällig war, dass die Talfahrt an den europäischen Börsen im späten Geschäft bei stark anziehenden Umsätzen kam. Kurz zuvor hatte US-Außenminister John Kerry Russland vor ernsthaften Konsequenzen gewarnt, sollte auf der ukrainischen Halbinsel Krim das Referendum der meist russisch-stämmigen Bevölkerung über einen Anschluss an die Russische Föderation am Sonntag stattfinden. Die USA und die Europäische Union haben sich bereits auf Sanktionen verständigt, zu denen unter anderem Reisebeschränkungen und Kontensperrungen zählen. Wegen Europas Stabilität hätten Anlagen dort bisher als risikoarm gegolten, sagte Investment-Chef McMillan. "Das wird nun infrage gestellt."

Donut-Händler Krispy Kreme erfreut Anleger

An der Wall Street hatten die Investoren zunächst mit Aktienkäufen auf frische Statistiken zum Arbeitsmarkt und dem Einzelhandel reagiert, die eine solide Belebung der zuletzt vom strengen Winter beeinträchtigten heimischen Wirtschaft bestätigten. So fielen die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe auf den tiefsten Stand seit drei Monaten. Die Einzelhändler erholten sich etwas von schwachen Geschäften und konnten im Februar ihre Erlöse wieder steigern, sogar etwas mehr als erwartet.

J.C. Penney legten zunächst 1,8 Prozent zu, konnten sich später dem Sog des Marktes aber nicht entziehen und notierten 1,8 Prozent im Minus. Der Handelskonzern ist dabei, den gescheiterten Strategiewechsel seines früheren Chefs wieder rückgängig zu machen.

Über dauerhaft gute Stimmung unter seinen Anlegern konnte sich dagegen der Donut-Händler Krispy Kreme freuen, dessen Aktie rund zwei Prozent im Plus lag. Das Unternehmen stellte zusätzliche Aktienrückkäufe in Aussicht.