Kommt der Flieger oder nicht? Lufthansa-Lotto am Flughafen

Kommt der Flieger oder nicht? Lufthansa-Lotto am Flughafen

Auf der Tennisfeld-großen Anzeigetafel im Terminal 1 prangt hinter beinahe jeder Verbindung: annulliert.

Fluggäste reagieren entsetzt, suchen verzweifelt den nächsten Check-in-Schalter der Kranich-Airline. Andere jubeln, weil sie noch einen der wenigen Lufthansa-Flüge erwischt haben, die abheben. Es ist wie bei einer Lotterie: Einige gewinnen, der große Rest geht leer aus.

Den Jackpot knackt Familie Schröter aus Bayern, die ihren Sohn zum Flughafen begleitete: Der Flug nach Houston startet, dem Auslandsjahr des 15-jährigen steht nichts mehr im Wege. Vater Hermann zeigt Verständnis für den Ausstand der Flugbegleiter: "Ich hätte gerne selbst das Recht zu streiken", sagt der freiberuflich tätige Arzt.

An Deutschlands größtem Flughafen bleiben an diesem Morgen vor allem ausländische Gäste hängen, die nichts von dem Streik wussten. So ergeht es Susan Booth aus dem britischen Cambridge: "Wir waren in Südafrika, ich habe dort geheiratet." Auf der Rückreise nach London seien sie und ihre Familie in Frankfurt gestrandet, ohne einen einzigen Euro in den Tasche und ohne Informationen. Ihre Maschine nach London-Gatwick sei gestrichen worden, alle übrigen Verbindungen in die britische Hauptstadt bereits ausgebucht oder ebenfalls annulliert. Nach drei Stunden Anstehen habe ihr eine Lufthansa-Angestellte vorgeschlagen, doch den Zug zu nehmen, allerdings auf eigene Kosten. Sie kenne nur ein einziges deutsches Wort, doch das habe sie heute häufig benutzt: "Scheiße".

Verständnis für den Streik hat die frisch vermählte Engländerin nicht. Einige hundert Meter neben dem Terminal werben die Stewards und Stewardessen auf einem Streikposten genau darum: um Sympathie für den Ausstand. Kritisiert wird besonders, dass das Management seit kurzem Leiharbeiter an Bord beschäftigt. Die kriegen zwar das gleiche Gehalt wie Festangestellte, haben aber nur befristete Verträge. "Dagegen kämpfen wir, weil das die Belegschaft spaltet", sagt eine 28-jährige Stewardess, die ungenannt bleiben will. Diese Kollegen hätten keine Chance, mehr Geld zu verdienen, da Gehaltserhöhungen an die Dienstzeit gebunden seien, kritisiert sie. Das Einstiegsgehalt liege bei 1800 Euro im Monat - brutto. "Ich habe keine Ahnung, wie man in einer teuren Stadt wie Frankfurt damit über die Runden kommen soll", pflichtet ihr eine Kollegin bei, die seit 17 Jahren bei der Lufthansa arbeitet und deshalb wesentlich mehr Gehalt bekommt. Der Firma gehe es ja nicht schlecht. "Für neue Flugzeuge hat die Lufthansa Geld - für uns nicht", sagt sie.

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