K+S tritt auf die Sparbremse

K+S tritt auf die Sparbremse

Um die sich abzeichnende Flaute zu überstehen, will K+S-Konzernchef Norbert Steiner zusätzliche Sparmaßnahmen ergreifen. "Um die Ertragskraft und die Liquidität unseres Unternehmens zu erhalten, wird es erforderlich sein, dass alle Bereiche einen nennenswerten Beitrag dazu leisten", schrieb Steiner in einem Brief an die Mitarbeiter, der Reuters am Freitag vorlag.

Der russische Düngemittelriese Uralkali hat Ende Juli das Exportkonsortium BPC mit dem weißrussischen Staatskonzern Belaruskali aufgekündigt und in der Folge einen deutlichen Fall der Kali-Preise vorhergesagt. Dies Ankündigung habe zu erheblicher Unsicherheit bei den Kunden geführt, erklärte Steiner. "Zurzeit erkennen wir auf der Abnehmerseite eine spürbare Zurückhaltung bei Kaufentscheidungen, da sich noch kein neues, stabiles Preisniveau etabliert hat." Die Aktien des nordhessischen Düngemittel- und Salzherstellers verloren daraufhin am Freitag rund ein Prozent.

Steiner hatte sich in den vergangenen Wochen bedeckt zu möglichen Anpassungen gehalten, weil er erst abwarten wollte, wie sich der Kali-Preis nach der Ankündigung von Uralkali tatsächlich entwickelt. Wie tief der Preis fällt und wie lange die Schwächephase dauert, sei zwar immer noch nicht abzusehen, erklärte er nun. Es sei jedoch unverkennbar, "dass sich der Weltkalimarkt auf niedrigere Preise einstellt", schrieb der K+S-Chef. "Wappnen wir uns also für rauere Zeiten."

Hohe Kosten, große Sorgen

"Wir werden in den nächsten Wochen ein Bündel an Maßnahmen vorstellen und das Einsparpotenzial dabei konkret beziffern", sagte ein K+S-Sprecher. Der Konzern hat einen Kostenblock von knapp drei Milliarden Euro, wovon rund 900 Millionen Euro aufs Personal entfallen. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass K+S vor allem bei den Sachkosten ansetzen wird. Entlassungen im großen Stil sind bei K+S dagegen nicht zu erwarten - auch, weil die meisten Mitarbeiter gewerkschaftlich organisiert sind.

Aus Sicht von Experten geht das angekündigte Sparprogramm in die richtige Richtung. "Es ist sinnvoll, dass K+S angesichts des derzeitigen Marktumfelds versucht, die Kosten zu senken", sagt NordLB-Analyst Thorsten Strauß. "Die Einsparungen werden aber nichts daran ändern, dass K+S im Vergleich zu anderen Herstellern hohe Förderkosten hat."

Bisher hat K+S davon profitiert, dass die zwei großen Exportkonsortien BPC und Canpotex für hohe Preise auf dem Düngemittelmarkt sorgten. Sollten die Preise nach dem Ende des Duopols nun in den Keller fallen, würde K+S als Anbieter mit vergleichsweise hohen Kosten darunter besonders leiden. Uralkali hat vorausgesagt, dass der Kali-Preis um ein Viertel auf unter 300 Dollar pro Tonne fallen wird.

Bange Blicke gen Osten

Die Eröffnung einer neuen K+S-Mine in Kanada im Sommer 2016, hinter die viele Analysten ein dickes Fragezeichen gesetzt haben, will K+S trotz der mauen Aussichten vorantreiben. "An unserem Legacy-Projekt halten wir fest, da es für die K+S-Gruppe von herausgehobener strategischer Wichtigkeit ist und unser gesamtes Unternehmen im internationalen Wettbewerb deutlich stärken wird", erklärte Steiner.

Für K+S ist die Mine von großer Bedeutung, da die Reserven in den meisten Bergwerken in Deutschland in drei bis vier Jahrzehnten erschöpft sein werden. Um für das Projekt in Kanada wie anvisiert eine Prämie von 15 Prozent auf die Kapitalkosten zu verdienen, braucht K+S allerdings einen Kali-Preis von mindestens 420 Dollar einschließlich Fracht - und der scheint nach den Äußerungen von Uralkali außer Reichweite zu sein.

"Wie es am Kali-Markt weitergeht, hängt maßgeblich von der Entwicklung in Russland und Weißrussland ab", betont Analyst Strauß. Weißrussland, dem ein Kali-Preisrückgang schwer zusetzen würde, hat am Montag Uralkali-Chef Wladislaw Baumgertner in Minsk verhaftet. Nun zeichnet sich ein Handelskrieg zwischen den beiden ehemaligen Sowjetrepubliken ab. Russland hat die Öllieferungen an seinen kleineren Nachbarn gekürzt und verbot am Freitag auch den Import von weißrussischem Schweinefleisch. Weißrussland hat im Gegenzug die Einfuhrzölle für Benzin und Diesel angehoben. "Angesichts der derzeitigen Eskalation wird es aus meiner Sicht immer unwahrscheinlich, dass Uralkali und Belaruskali wieder zusammenfinden", sagt Analyst Strauß.

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