K+S setzt Rotstift an – Jobs wackeln

K+S setzt Rotstift an – Jobs wackeln

Der Konzern aus Kassel will in den nächsten drei Jahren 500 Millionen Euro mehr einsparen als bisher geplant, um am Weltmarkt mithalten zu können. "Die geplanten Sparmaßnahmen beziehen sich in erster Linie auf Sachaufwendungen, beinhalten aber auch Überlegungen, die zu einem Abbau von Personal führen könnten", sagte K+S-Chef Norbert Steiner am Donnerstag.

Weil die Einsparungen größer ausfielen als erwartet, schossen die zuletzt stark gebeutelten K+S-Aktien in der Spitze um 6,4 Prozent nach oben und waren damit größter Gewinner im Dax.

Das Sparprogramm hatte K+S bereits im August in Aussicht gestellt, viele Experten hatten aber einen geringeren Umfang erwartet. "Die Ankündigung zeigt, dass K+S in den guten Zeiten mehr Speck angesetzt hat, als man von außen erkennen konnte", sagte einer der 15 größten K+S-Aktionäre der Nachrichtenagentur Reuters. Das Grundproblem von Überkapazitäten am Düngemittelmarkt werde durch Einsparungen aber nicht gelöst. "K+S sollte deshalb überlegen, ob der Konzern die ein oder andere Mine mit überdurchschnittlich hohen Kosten schließt."

Die Preise für Kali-Düngemittel sind seit dem Platzen des russisch-weißrussischen Exportbündnisses BPC im Sommer unter Druck, zudem halten sich viele Landwirte wegen der Unsicherheit über die weitere Preisentwicklung mit Bestellungen zurück. In der Folge brach der K+S-Betriebsgewinn (Ebit I) im dritten Quartal um gut ein Viertel auf 116 Millionen Euro ein. In einigen Regionen sei eine zaghafte Stabilisierung zu sehen, die Kunden hielten sich aber weiter spürbar zurück, sagte Steiner. "Wie lange die Phase der Verunsicherung anhält, ist zum heutigen Zeitpunkt nicht seriös abschätzbar." Eine Prognose für das nächste Jahr, die K+S in der Regel im November bekanntgibt, verkniff sich Steiner deshalb.

Kanada macht beim Preiskampf nicht mit

Der russische K+S-Konkurrent Uralkali hatte Ende Juli das Exportkonsortium BPC mit dem weißrussischen Staatskonzern Belaruskali aufgekündigt und damit Schockwellen in der Düngemittelbranche ausgelöst. BPC und das nordamerikanische Pendant Canpotex beherrschen rund 70 Prozent des Kali-Düngemittelmarktes und haben bis zum Sommer dafür gesorgt, dass die Preise stets auf einem hohen Niveau bleiben.

Seit August verkauft Uralkali jedoch auf eigene Faust so viel wie möglich, weshalb die Preise nach Einschätzung von Analysten um ein Viertel gefallen sind. Befürchtungen, das auch die kanadischen Hersteller in den Preiskampf einsteigen, hätten sich jedoch nicht bewahrheitet, betont der große K+S-Aktionär. "Das Worst-Case-Szenario, dass K+S ganz aus dem Markt gedrängt wird, scheint sich nicht zu bewahrheiten."

Investoren sehnen Wintereinbruch herbei

Der Konzern hat höhere Produktionskosten als viele Konkurrenten, da er Kali tief unter der Erde abbaut. Zudem sind Arbeitskosten und Umweltstandards in Deutschland höher als in vielen anderen Ländern. Auf der anderen Seite profitiert K+S davon, dass es auch Salz und spezielle Düngemittel verkauft, die die Konkurrenz nicht im Angebot hat. Hinzu kommt, dass der Konzern viel Dünger in den kleinteiligen Märkten in Europa verkauft, auf denen weniger Wettbewerb herrscht als bei den großen Konsumenten in China und Indien.

Der Düngemittelabsatz von K+S ging im dritten Quartal somit nur um knapp vier Prozent zurück und damit weniger stark als bei den meisten Konkurrenten. Der Durchschnittspreis sank um 15 Prozent auf 280 Euro pro Tonne. Im Gesamtjahr geht K+S davon aus, dass der Betriebsgewinn auf "mehr als 600 Millionen Euro" fallen wird. Der Umsatz, der im dritten Quartal um elf Prozent auf 818 Millionen Euro sank, soll in etwa auf dem Vorjahresniveau von 3,9 Milliarden Euro liegen.

Das zweite Standbein von K+S, das Salzgeschäft, entwickelte sich in den ersten neun Monaten gut, der Umsatz kletterte um 15 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Die Hoffnung, dass ein starkes viertes Quartal im Streusalz-Geschäft dem Konzern die Bilanz rettet, hat der K+S-Aktionär inzwischen aber aufgegeben. "Dafür hätte es einen frühen Wintereinbruch gebraucht. Aber leider schneit es noch nicht und wir haben auch noch kein Glatteis."

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