K+S-Kurssturz – Droht jetzt der Rausschmiss aus dem DAX?

K+S-Kurssturz – Droht jetzt der Rausschmiss aus dem DAX?

Denn mit dem niedrigeren Kurs ist der Börsenwert des Salz- und Düngemittel-Herstellers K+S so stark geschrumpft, dass die Titel womöglich die Bedingungen für eine Mitgliedschaft im DAX bald nicht mehr erfüllen. "Es gibt dafür eine etwa 50-prozentige Wahrscheinlichkeit. Aber sicher ist das nicht", erklärt LBBW-Analyst Uwe Streich.

Auch Experte Klaus Stabel vom Brokerhaus ICF hält einen DAX-Rausschmiss der Kasseler noch nicht für ausgemacht. Schließlich dürfte dies auch von den Nachrück-Kandidaten abhängen, die umgekehrt die etwas strengeren Kriterien für den Aufstieg erfüllen müssten. Längerfristig ist für viele Börsianer der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 ein Dax-Kandidat.

Die Aktien von K+S haben seit Dienstag rund 30 Prozent eingebüßt. Grund für den Kursverfall ist die Angst der Anleger vor einem über 25-prozentigen Preisabsturz bei Kali, nachdem der russische Kali-Produzent Uralkali mit seinem Austritt aus dem weltgrößten Kali-Exportverbund BPC ein Preiskartell zum Platzen brachte. Die Marktkapitalisierung - neben dem Börsenumsatz das zweite Kriterium für die DAX-Mitgliedschaft - der Nordhessen ist dadurch auf nur noch etwas mehr als drei Milliarden Euro von zuvor rund 4,6 Milliarden Euro gesunken.

K+S-Aktienkurs derzeit an der Schmerzgrenze

Um im DAX zu bleiben, darf die K+S-Aktie laut Stabel und Streich nicht weiter einbrechen. "Bei etwa 18,50 bis 19 Euro liegt die Schmerzgrenze", ergänzt ein Händler. Am Freitag notierten K+S-Titel mit 18,84 Euro in etwa auf dem Vortagesniveau. Am Montagabend hatte eine Aktie noch 26,54 Euro gekostet. Nach den Börsen-Richtlinien ist die Kursentwicklung im Durchschnitt der letzten 20 Handelstage vor dem Dax-Überprüfungstermin in der ersten Septemberwoche - also im August - für den Verbleib einer Aktie im DAX entscheidend. Die Börse veröffentlicht dann auch eine Rangliste, aus der hervorgeht, wer für einen Auf- oder Abstieg infrage kommt.

Sowohl der Einzelhandelskonzern Metro als auch der Chemikalienhändler Brenntag weisen nach Reuters-Daten aktuell eine höhere Marktkapitalisierung als K+S auf. Doch müssen die Unternehmen auch beim Börsenumsatz zu den besten 35 zählen. Erst dann hätten sie eine Chance, K+S zu ersetzen. Neben Metro und Brenntag stünden rein theoretisch Analysten zufolge auch Kabel Deutschland in den Startlöchern - wäre da nicht das Übernahmeangebot von Vodafone, dessen Annahme Vorstand und Aufsichtsrat den Aktionäre empfohlen haben.

ProSieben-Aktien seit Jahresbeginn auf Höhenflug

Bei einem Kandidat aus dem MDax hakt es an der Zeit: Denn als wahrscheinlicher DAX-Kandidat wird schon lange ProSiebenSat.1 gehandelt. Auf der Hauptversammlung haben die Aktionäre im Juli der dafür nötigen Zusammenlegung von Stamm- und Vorzugsaktien zugestimmt. Damit können die beiden bisherigen Haupteigner KKR und Permira ihre Anteile - das Paket ist derzeit mit rund 3,4 Milliarden Euro bewertet - verkaufen. Frühestens Ende August oder Anfang September könnte es so weit sein. Dann dürften die Stämme zum Börsenhandel zugelassen sein.

Damit ist die Zeit für einen regulären Aufstieg in den DAX vermutlich zu kurz. Doch der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse, der über die DAX-Zusammensetzung entscheidet, dürfte dies nach Einschätzung von Börsianern im Hinterkopf haben. "Schließlich will die Börse ja eine gewisse Kontinuität gewahrt wissen und nicht eine Aktie in den Index katapultieren, die dann bei nächster Gelegenheit wieder rausfliegen müsste." Dies sei ja auch der Grund, warum Kabel Deutschland nicht mehr aufsteigen könne, fügt der Händler hinzu.

Die derzeit im MDax gelisteten Vorzüge von ProSieben haben im laufenden Jahr übrigens eine rasante Entwicklung hinter sich: Der Aktienkurs ist seit Jahresbeginn um rund 50 Prozent gestiegen, der MDax nur um etwa 22 Prozent. An MDax-Nachrückern - ob für Brenntag oder Metro oder ProSieben - mangelt es nicht: Nach Einschätzung von ICF-Experte Stabel sind einige Börsenneulinge - darunter der Spezialchemiekonzern Evonik und der Leuchtmittel-Hersteller Osram - reif für die zweite Börsenliga.

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