K+S stiehlt Dax die Show

K+S stiehlt Dax die Show

Die Telefonkonferenz zur Halbjahresbilanz am Dienstag dürfte dabei sehr spannend werden. Denn nach dem Platzen des Preiskartells für Kali droht den Kasselern angesichts eines über 30-prozentigen Kurseinbruchs binnen weniger als zwei Wochen der Dax-Abstieg. Alle wollen jetzt wissen, wie es mit dem Kali- und Düngemittel-Hersteller weitergehen soll. "Das ist einfach das absolute Highlight", erklärt ein Börsianer.

Die Probleme bei K+S und die Enttäuschung der Anleger über die durchwachsenen Quartalsberichte vieler Firmen zogen den Dax in der vergangenen Woche leicht um 0,8 Prozent auf 8338 Punkte nach unten. In den USA verlor der S&P-500 1,1 Prozent. Das war die schlechteste Woche seit Juni.

Analyst Wolfgang Duwe von der Bremer Landesbank schätzt, dass der Dax nächste Woche Richtung 8000 Punkte fallen könnte. Auch Commerzbank-Analyst Markus Wallner ist skeptisch: "Für einen nachhaltigen Anstieg über 8500 Punkte fehlt es derzeit an Dynamik." Die Berichtssaison im Dax klingt in der kommenden Woche aus. Neben dem Düngemittel- und Salzhersteller K+S lassen sich am Dienstag E.ON und ThyssenKrupp sowie am Mittwoch RWE in die Bücher schauen.

Auch Thyssenkrupp und die Versorger haben Probleme

Bei K+S steht die Zukunft der Kali-Sparte im Fokus. "Hier schießen die Spekulationen ins Kraut", sagt ein Börsianer. Viele fürchten, dass sich bei fallenden Kalipreisen für das Unternehmen diese Sparte in Zukunft nicht mehr rechnen könnte. In der abgelaufenen Woche hatte das Unternehmen schon seine Gewinnprognose kassiert, ohne ein neues Ziel zu nennen. Die Entscheidung über die Dax-Mitgliedschaft steht erst Anfang September an. Bis dahin müsste sich der Aktienkurs aber nachhaltig erholen, um einen Verbleib in der ersten Börsenliga zu gewährleisten.

Spekuliert wird am Markt schon seit langem über die Zukunft von ThyssenKrupp. Der Stahlriese hat sich mit seinen beiden Übersee-Werken verkalkuliert und versucht sie derzeit loszuschlagen - bislang ohne konkrete Ergebnisse. Dies dürfte bei der Vorlage der Neun-Monats-Zahlen das beherrschende Thema sein. Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge bereitet das Unternehmen schneller als geplant den Verkauf von Aktien im Wert von bis zu einer Milliarde Euro vor. Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren. Auch die RAG-Stiftung, die den Bergbau abwickelt, könnte bei dem Konzern einsteigen. Spätestens im September, möglicherweise aber schon im August, könnte ThyssenKrupp zwischen 800 Millionen und einer Milliarde Euro bei institutionellen Anlegern einsammeln, zitierte die Zeitung Insider aus dem Unternehmen und der lokalen Politik.

Zudem hat das Unternehmen mit der Branchenschwäche zu kämpfen. Der deutsche Stahlverband senkte erst am Freitag seine Produktionsprognose für 2013. Der Konkurrent Salzgitter hatte zudem zum zweiten Mal binnen weniger Monate seine Geschäftsprognose gesenkt und wird nun im Detail berichten.

Bei den Versorgern sieht es ebenfalls nicht gut aus. E.ON und RWE verdienen mit ihren Kohle- und Gaskraftwerken immer weniger Geld. Denn die Großhandelspreise für Strom sind im Keller. Das spiegelt auch die Kursentwicklung wider: E.ON notieren derzeit knapp 14 Prozent, RWE sogar fast 32 Prozent niedriger als zum Jahresende 2012.

Deutschland wächst wieder kräftig

Bessere Nachrichten dürften dagegen von der Konjunkturseite kommen. Die deutsche Wirtschaft ist laut Bundesregierung im zweiten Quartal so stark gewachsen wie seit über zwei Jahren nicht mehr. "Wir rechnen mit einem Wachstum von rund einem dreiviertel Prozent", sagte der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Bernhard Heitzer, in einem Reuters-Interview. Er ist damit optimistischer als Ökonomen, die im Schnitt nur ein Plus von 0,6 Prozent voraussagen. Die erste Schätzung veröffentlicht das Statistische Bundesamt am Mittwoch.

"Die Wirtschaft im Euro-Raum dürfte im zweiten Vierteljahr erstmals seit sechs Quartalen wieder leicht gewachsen sein", ergänzt Commerzbank-Analyst Christoph Weil. "Gefühlt wird die Rezession allerdings noch andauern. Denn die wirtschaftliche Erholung wird nicht stark genug sein, die hohe Arbeitslosigkeit merklich zu reduzieren."

In den USA könnte die Einzelhandelsstatistik für Interesse sorgen, die am Dienstag veröffentlicht wird. Danach kommen noch Quartalberichte der Branchengrößen Wal-Mart und Macy's. Gute Nachrichten aus dem Bereich könnten die Börsen wieder anschieben, schließlich ist der Konsum in den USA besonders wichtig. Das Augenmerk der Investoren richte sich wieder mehr auf die Konjunktur, nachdem die meisten Firmenbilanzen vorlägen, sagt Analyst Kim Forrest von Fort Pitt Capital aus Pittsburgh.

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