JPMorgan spielt "Mensch ärger dich nicht" mit der Eurozone

JPMorgan spielt "Mensch ärger dich nicht" mit der Eurozone

Die größte US-Bank nach Bilanzsumme hat einen Notfallplan für den Handel mit Bonds eines den Euroraum verlassenden Landes entworfen, mit dem sie Störungen für ihre Kunden vermeiden will.

Ein Auseinanderbrechen der 17 Länder umfassenden Eurozone sei nicht ihr Haupt-Szenario, erklärte die Bank. Die Möglichkeit, dass so etwas eintreten könne, habe sie jedoch überzeugt, Verfahren einzurichten, die eine Unterbrechung ihres Bondhandels möglichst gering halten sollen. Die implizite Wahrscheinlichkeit, dass ein Land die Währungsunion verlässt, liegt für nächstes Jahr bei 53 Prozent und bis Ende 2014 bei 63 Prozent, zeigen Wetten auf Intrade.com. Spanien hat einem Bericht der Zeitung El Confidencial zufolge einen Austritt aus dem Euro nicht ausgeschlossen.

“Wir haben an einem Notfallplan gearbeitet um sicherzustellen, dass wir ein robustes System haben und Schocks verarbeiten können, wenn am Sonntagabend ein Land entscheidet, sich vom Euro zu verabschieden”, sagte Carl Norrey, Leiter festverzinsliche Wertpapiere bei JPMorgan in London, am 23. Juli im Interview mit Bloomberg News. “Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Land aus der Eurozone ausscheidet, ist nicht mehr Null Prozent.”

Anleihen-Exodus

In dieser Woche sind die Kurse von Anleihen aus Spanien und Italien eingebrochen, was Spekulationen genährt hat, dass die Länder Finanzhilfen benötigen werden. Die Rendite der zehnjährigen spanischen Bonds kletterte am Mittwoch auf 7,751 Prozent und damit den höchsten Stand seit Einführung des Euro. Italienische Anleihen rentierten mit 6,71 Prozent auf dem höchsten Niveau seit dem 16. Januar.

Laut einer von JPMorgan am 17. Juli veröffentlichten Umfrage glauben von 145 befragten Kunden 29 Prozent, dass Griechenland noch in diesem Jahr den Euro aufgeben wird. Bis zu fünf Prozent rechnen sogar mit dem Ausstieg eines Kern-Landes im nächsten Jahr.

“Wenn ein Land ausscheidet, wären wir in der Lage, alle Wertpapiere zu separieren, sie in verschiedenen Büchern zu halten, neue internationale Wertpapierkennnummern zu formatieren und sie innerhalb einer möglichst kurzen Zeitspanne wieder mit Kunden zu handeln”, erläuterte Norrey. “Das ist eine Riesen- Aufgabe. Diesen Prozess wollen wir nicht am Montagmorgen beginnen.”

Die Bank plane nicht, sich aus irgendeinem Land als Marktmacher zurückzuziehen, auch wenn die Schuldenkrise die Arbeit als Primärhändler teurer mache, so Norrey. “Niemand kann behaupten, es sei derzeit leicht, Primärhändler zu sein”, betonte er. “Die Auktionen sind angesichts geringer Kapitalflüsse aber hoher Volatilität teuer geworden. Aber als Großbank und Liquiditätsanbieter müssen wir für unsere Kunden da sein.”

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