Jetzt bangt die Lufthansa um das gesamte Sparprogramm

Jetzt bangt die Lufthansa um das gesamte Sparprogramm

Die Lufthansa steuert auf einen der größten Streiks ihrer Geschichte zu - am Freitag wollen die Flugbegleiter die Fluglinie komplett lahmlegen. Für beide Seiten steht im Tarifkonflikt viel auf dem Spiel, die Positionen scheinen unvereinbar.

Die Lufthansa hat sich ein milliardenschweres Sparprogramm auferlegt und will auch bei ihren 18.000 Stewards und Stewardessen die Kosten drücken. Die wehren sich jedoch gegen die Einschnitte und verlangen nach einigen Nullrunden sogar mehr Geld. Ihre Gewerkschaft Ufo kann lautstark auf sich aufmerksam machen. Das fürchtet die Lufthansa, da ein Erfolg der Spartengewerkschaft bei anderen selbstbewussten Berufsgruppen wie den Piloten Begehrlichkeiten wecken könnte, während im Rest des Konzerns jeder Cent zweimal umgedreht wird. Im Endeffekt steht damit der Zusammenhalt der 120.000 Lufthanseaten auf dem Spiel.

Harte Fronten

Der Tarifkonflikt zieht sich bereits seit Monaten hin. Dabei geht es den Arbeitnehmervertretern nicht nur um höhere Gehälter. Gestritten wird vielmehr um die Sparschritte, die die Lufthansa ihren Mitarbeiter an Bord zumuten will. Sturm laufen die Gewerkschafter vor allem gegen den Einsatz von Leiharbeitern, die auf Flügen von und nach Berlin die Stammbelegschaft ersetzen. Da diese Stewardessen - bislang wurden 130 rekrutiert - flexibler und länger eingesetzt werden können, spart die Lufthansa nach eigenen Angaben ein Fünftel der Kosten.

Gleichzeitig befürchtet Ufo, dass die Airline noch weitere Einschnitte in der Vergütungsstruktur vornehmen will. Die sind nach Ansicht der Lufthansa-Manager nötig, da die Kranich-Linie in Europa mit Billigfliegern wie Ryanair oder Easyjet konkurriert. Diese haben niedrigere Kosten - auch weil das Personal wesentlich schlechter bezahlt wird. Die Lufthansa hingegen fliegt auf vielen Europarouten Verluste ein. Auf den lukrativen Fernstrecken luchsen der Airline zudem Rivalen aus dem Nahen Osten wie Emirates Passagiere ab. Um nicht ins Hintertreffen zu geraten, hat die Lufthansa Anfang des Jahres das größte Sparprogramm ihrer Geschichte gestartet. Konzernweit soll der operative Gewinn bis 2014 um mindestens 1,5 Milliarden Euro gesteigert werden.

Vor diesem Hintergrund haben Ufo und die Lufthansa ein Jahr lang um einen neuen Tarifvertrag gerungen, ohne Erfolg. Während die Gewerkschaft fünf Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 15 Monaten fordert, hat die Lufthansa eine Erhöhung um 3,5 Prozent über drei Jahre angeboten.

Aus Sicht der Gewerkschafter ist die Forderung mehr als angemessen. Das Einstiegsgehalt in dem Job ist jetzt schon nicht gerade fürstlich - inklusive Schichtzulage kommen im Monat knapp 1800 Euro brutto zusammen. Danach geht es aber langsam aufwärts, der Lufthansa-Tarifvertrag enthält 17 Gehaltsstufen. Komfortabel: Das Gehalts-Upgrade erfolgt nach einer gewissen Vorlaufzeit jedes Jahr automatisch. Insbesondere der Mechanismus macht der Lufthansa Sorgen, da die Hochstufung nicht an die Arbeitsleistung gebunden ist. Um den Einkommensgipfel zu erklimmen, müssen die Flugbegleiter 20 Jahren Dienst schieben, dann gibt es im Monat 4000 Euro. Da es also ein weiter Weg ist, haben einige Flugbegleiter einen Nebenjob. Die Zeit dafür haben sie: Nach mehrtägigen Einsätzen auf Langstrecken-Flügen sind einige Tage Ruhe vorgeschrieben. Am weltgrößten Lufthansa-Standort in Frankfurt arbeiten viele Stewardessen etwa in Bars oder Callcentern.

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