Jetzt geht's auch den Boni der Fondsmanager an den Kragen...

Jetzt geht's auch den Boni der Fondsmanager an den Kragen...

Die Abgeordneten im Wirtschafts- und Währungsausschuss beschlossen am Donnerstag, dass bei Managern von Investmentfonds, die unter die OGAW-Richtlinie der Europäischen Union fallen, die Boni nicht höher als das Grundgehalt ausfallen sollen.

Betroffen ist ein Anlagevolumen von 5 Billionen Euro, das in OGAW-regulierten Fonds investiert ist. Dazu gehören auch Fonds, die außerhalb Europas verwaltet werden, und solche, die an Hedgefonds-Strategien wie Och-Ziff Capital Management Group oder die von John Paulson gemanagte Paulson & Co. in New York angelehnt sind.

“Wenn die endgültige Regelung dem heute beschlossenen auch nur nahe kommt, wird das die Vergütung von Vermögensverwaltern fundamental ändern”, sagte Jon Terry, Partner bei PricewaterhouseCoopers. Vermögensverwaltern drohten jetzt die schärfsten Vergütungsvorschriften im gesamten Finanzsektor, führte er aus.

Nach dem Erfolg bei der Begrenzung der Banker-Boni drängen Europas Politiker jetzt auf strengere Regelungen bei Fondsmanagern, um gegen die von dem grünen Europa-Abgeordneten Sven Giegold kritisierte “Zocker-Mentalität” der Branche anzugehen. Lobby-Gruppen der Branche halten dagegen, dass die Fondsbranche mit höheren Festgehältern, einer Abwanderung ins Ausland und dem Verzicht auf den Vertrieb bestimmter Produkte in Europa reagieren werde, wenn sie die Vorschriften nicht verwässern könne.

Der Vorschlag des Ausschusses wird noch dem gesamten EU-Parlament zur Abstimmung vorgelegt, bevor die Verhandlungen mit Vertretern einzelner Länder beginnen. Im vergangenen Jahr hatte bereits Michel Barnier, EU-Kommissar für Finanzdienstleistungen, die Regulierung der OGAW-Fonds verstärkt. Fonds, die dieser Richtlinie unterliegen, dürfen in allen 27 Ländern der EU vertrieben werden.

Boni, Boni und noch mehr Boni

Rund zwei Drittel der in leitender Position beschäftigten Mitarbeiter, deren Investmententscheidungen die Risikoposition eines Fonds beeinflussen, erhalten nach Berechnungen von PwC eine Gesamtvergütung, die mehr als das Doppelte des Festgehalts beträgt.

Bar-Boni und aufgeschobene Gehaltsbestandteile machten ein “Vielfaches” der Fixgehälter aus, sagt Stephen Cahill, Leiter Vergütung und Nebenleistungen bei Deloitte LLP in London. “Seit vielen Jahren hat sich hier eine Bonus-Kultur aufgebaut, und das gibt den Gesellschaften Flexibilität beim Kostenmanagement, so dass sie in guten Zeiten viel zahlen und in schlechten Zeiten weniger.”

Die Regelungen würden auf alle Mitarbeiter europäischer Fondsgesellschaften sowie auf Manager von Fonds, die in Europa vertrieben werden, angewandt, wie der Verband Investment Management Association (IMA) in London mitteilte. Obwohl Hedgefonds zumeist unter die Alternative Investment Fund Managers-Richtlinie fallen, die nicht betroffen ist, müssten sich laut der European Fund and Asset Management Association (EFAMA) diejenigen Fondsgesellschaften, die OGAW-Produkte vertreiben, an die Vorschriften halten.

"Banken werden als viel politischer und gefährlicher angesehen"

Bei dem am Donnerstag verabschiedeten Entwurf gebe es größere Chancen auf eine Verwässerung bei der Abstimmung im gesamten EU-Parlament und den Verhandlungen mit einzelnen Regierungen, sagt Irving Henry vom britischen Verband IMA. Das liege daran, dass das Parlament bei der Vergütung für Fondsmanager weniger einig sei als bei der Banker-Bezahlung. “Die Banken werden als sehr viel politischer und gefährlicher angesehen.”

Ein Grund, warum das Parlament die Fondsmanager so hart angehe, sei die Befürchtung, dass die Banken die für sie geltenden Vorschriften umgehen könnten, indem sie Händler und Mitarbeiter, die Risiken eingehen, in die Vermögensverwaltungssparten verlagere, erläutert Henry. “Sie müssen mindestens im Bankenbereich einen Sieg vorweisen können, bevor sie woanders Lockerungen zulassen”, resümiert er.

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