Italien: So kaputt sind die Banken

Italien: So kaputt sind die Banken

Die Rendite der zehnjährigen Italien-Bonds ist um bis zu 44 Basispunkte gestiegen und ein Index der wichtigsten Aktien aus dem Finanzsektor hat bis zu elf Prozent verloren, seit das unklare Ergebnis der Parlamentswahlen eine Regierungsbildung problematisch macht.

Die Unübersichtlichkeit könnte das Wirtschaftswachstum beeinträchtigen, zu einer Zeit da die längste Rezession seit 20 Jahren sowie schärfere Vorschriften der Aufsichtsbehörden die Banken ohnehin schon zu einer höheren Risikovorsorge zwingen, wie Jacopo Ceccatelli, Partner bei der Beratungsgesellschaft JC & Associati SIM in Mailand, erläutert. Banco Popolare, Italiens viertgrößte Bank, warnte am 4. März bereits, der Verlust für das Geschäftsjahr 2012 werde höher ausfallen als von Analysten erwartet, da die Verluste im Privatkundenkreditgeschäft gestiegen seien.

“Angesichts der Verschlechterung des wirtschaftlichen Umfelds und des Drucks von Seiten der Zentralbank, die Rückstellungen für Kreditausfälle zu erhöhen, rechne ich damit, dass sich die Profitabilität und die Eigenkapitalbildung der italienischen Banken weiter verschlechtert”, sagte Ceccatelli. Die politischen Unsicherheiten dürften die Belastungen für die Banken noch erhöhen, da sich infolge der steigenden Risikoprämien ihre Finanzierungskosten erhöhten, während der Wert ihrer Staatsanleihenportfolios sinke, ergänzte er.

Nicht nur Unicredit hat ein Problem

UniCredit mit Sitz in Mailand wird Analystenprognosen bei Bloomberg zufolge am 15. März für das vierte Quartal einen Nettoverlust in Höhe von 173 Mio. Euro vorlegen, im Vergleich zu einem Gewinn von 114 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Die Risikovorsorge dürfte um 48 Prozent auf 2,2 Mrd. Euro steigen, erwarten die 25 Analysten im Mittel.

Bei der ebenfalls in Mailand ansässigen Intesa gehen sieben Analysten von einem Verlust von 70,3 Mio. Euro für das vierte Quartal aus. Im Vorjahreszeitraum hatte die Bank nach Goodwill- Abschreibungen auf Akquisitionen 10,1 Mrd. Euro an Verlust ausgewiesen.

Die italienische Volkswirtschaft ist 2012 um 2,2 Prozent geschrumpft und wird nach Prognosen der italienischen Zentralbank in diesem Jahr um ein weiteres Prozent kontrahieren. Die Arbeitslosenrate erreichte im Dezember mit 11,2 Prozent den höchsten Stand seit mehr als 13 Jahren und das Verbrauchervertrauen fiel im Januar auf den niedrigsten Wert seit mindestens 1996.

125 Milliarden notleidende Kredite

Die notleidenden Kredite italienischer Unternehmen und Privathaushalte sind im Dezember mit 125 Mrd. Euro auf einen Rekordwert gestiegen, wie aus Daten des italienischen Bankenverbands hervorgeht. Der Anteil der faulen Kredite an den gesamten Ausleihungen der Banken erhöhte sich von 5,4 Prozent 2011 auf 6,3 Prozent.

Die französischen Banken BNP Paribas und Crédit Agricole hatten für ihre italienischen Tochterbanken und Filialen im vierten Quartal bereits eine gestiegene Risikovorsorge im Kreditgeschäft berichtet.

Die italienische Zentralbank hat ihre Inspektionen verstärkt und drängt die Banken, höhere Rückstellungen zu bilden. “In Zeiten angespannter Märkte kann die Intensität der Überwachung nicht gelockert werden”, sagte Zentralbankgouverneur Ignazio Visco am 9. Februar.

Die Überprüfung der größten 25 Banken wird nach Einschätzung von Francesca Tondi, Analystin bei Morgan Stanley in London, im vierten Quartal wahrscheinlich zu einer Erhöhung der Rückstellungen für notleidende Kredite führen. Auch im laufenden Jahr rechnet sie mit einer steigenden Risikovorsorge, wie aus einem Bericht vom 6. März hervorgeht.

Der Aktienkurs von Unicredit hatte sich verdoppelt und bei Intesa war der Kurs um 73 Prozent gestiegen, nachdem Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, im Juli versprach, alles Erforderliche zu tun um den Euro zu bewahren. Die Kursgewinne begannen jedoch bereits im Vorfeld der Wahlen abzubröckeln, als die Finanzierungskosten Italiens wieder anzogen.

“Jeder neuerliche Anstieg der Finanzierungskosten würde einer geldpolitischen Verknappung entsprechen, mit dem Potenzial, die Wirtschaft zu verlangsamen”, schrieben die Analysten Yiagos Alexopoulos und Christel Aranda-Hassel von der Credit Suisse in London in der vergangenen Woche in einer Notiz.

Die italienischen Banken haben ihr Wohlergehen 2012 enger an die Finanzstärke ihres Heimatlandes gebunden. Sie erhöhten ihre Bestände an italienischen Staatsanleihen um 58 Prozent auf 331 Mrd. Euro. Italien hat 2 Billionen Euro an Staatsschulden und wird damit unter den Industrieländern nur von Japan und Griechenland übertroffen.

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