Italien vor Einstieg in Bank Monte dei Paschi - Aktie zündet Turbo

Der italienische Staat soll noch bis Jahresende in die angeschlagene Bank Monte dei Paschi di Siena (MPS) einsteigen. Dies berichtete die Mailänder Wirtschaftszeitung "Sole 24 Ore" am Dienstag.

Italien vor Einstieg in Bank Monte dei Paschi - Aktie zündet Turbo

Einen siebenprozentigen Anteil könnte der Staat an der Bank übernehmen. Die Gerüchte über einen möglichen Einstieg der Republik beim toskanischen Kreditinstitut beflügelten die Aktien der Bank an der Mailänder Börse am Dienstag.

Im Juni hatte Italien angekündigt, die Bank mit einer Finanzhilfe von zwei Mrd. Euro zu stützen. Zudem ersetzte der Staat einen der Bank im Jahr 2009 gewährten Kredit von 1,9 Mrd. Euro durch einen neuen Kredit. Damit belaufen sich die Hilfen für die MPS, die das älteste Geldinstitut der Welt ist, bereits auf insgesamt 3,9 Mrd. Euro.

Die im Jahr 1492 gegründete Bank benötigt früheren Berichten zufolge bis Ende Juni fast 3,3 Mrd. Euro, um die von der europäischen Bankenaufsicht EBA festgeschriebene Eigenkapitalquote von neun Prozent zu erreichen. Das vergangene Jahr hatte die Bank wegen der Schuldenkrise mit einem Verlust von knapp 4,7 Mrd. Euro abgeschlossen.

Drastische Umstrukturierung

Trotz heftigen Protests der Belegschaft, die bereits drei Tage gestreikt hat, setzt der Großbanker Alessandro Profumo seinen Plan zur Rettung von Monte Paschi di Siena um. Profumo, seit April Präsident der Bank, feilt eifrig an einen drastischen Umstrukturierungsplan, mit dem 4.600 Jobs gestrichen und 400 Filialen geschlossen werden müssen. Damit werden zehn Prozent des Personals gekürzt. Insgesamt will Profumo bis 2015 die Ausgaben um 600 Millionen Euro kürzen. In den nächsten drei Jahren soll die Bank 1,5 Millionen Euro mit der Reduzierung seiner Aufsichtsratsmitglieder einsparen. Außerdem soll weniger für externe Berater ausgegeben werden.

"Der Weg ist steil und Italien erlebt eine schwierige Phase, doch wir werden es schaffen. Wir sind in der Lage, unsere Ziele zu erreichen", sagte der Geschäftsführer der Bank Fabrizio Viola. Schon in den nächsten Monaten sollen mehrere Filialen geschlossen werden. "Wir wollen an Effizienz gewinnen und zugleich verstärkt in technologische Innovation investieren. Internet-Banking wird eine immer größere Rolle spielen", meint Viola.

Monte Paschi ist die erste Bank des Landes, die seit Ausbruch der Schuldenkrise Staatshilfe beantragte. Das Institut wurde von der Krise unter anderem deshalb stark in Mitleidenschaft gezogen, weil es auf einem Berg italienischer Staatsanleihen im Volumen von 25 Milliarden Euro sitzt, die zuletzt deutlich an Wert verloren haben. Auch Problemkredite machen dem Geldhaus zu schaffen.

In zwei Handelstagen plus 35 Prozent

Anleger haben am Dienstag jedenfalls in großem Stil Aktien der Banca Monte dei Paschi di Siena gekauft. Der Kurs der ältesten noch bestehenden Bank der Welt stieg um bis zu neun Prozent auf 0,2475 Euro. Damit legte er binnen zwei Handelstagen knapp 35 Prozent zu. Dies ist die größte Rally seit dem Börsengang des italienischen Institutes 1999. Dennoch liegt der Kurs immer noch etwa vier Prozent unter dem Niveau vom Jahreswechsel.

Börsianer machten neben dem Einstieg des italienischen Staates auch Deckungskäufe von Investoren, die auf einen weiteren Kursverfall gewettet hatten, für die aktuelle Rally verantwortlich.