Italien – "Die Spirale von weniger Krediten und mehr Problem-Darlehen verschärft sich"

Italien – "Die Spirale von weniger Krediten und mehr Problem-Darlehen verschärft sich"

Bei Intesa Sanpaolo, der zweitgrößten Bank des Landes, dürfte wegen der Problemkredite der Gewinn im zweiten Quartal auf 189 Mio. Euro eingebrochen sein, so die durchschnittliche Schätzung von vier von Bloomberg befragten Analysten. Die Bank, die am Freitag ihre Zahlen vorstellt, verbuchte ein Jahr zuvor noch einen Gewinn von 470 Mio. Euro. Die Banca Monte dei Paschi di Siena wurde bereits vom Staat unterstützt und dürfte kommende Woche den fünften Quartalsverlust in Folge ausweisen.

Die Schuldenkrise im Euroraum hat die Finanzen der Region stark mitgenommen und die Banken gezwungen, sich von Vermögenswerten zu trennen und ihre Kreditvergabe zurückzufahren. Vergangene Woche hat die Ratingagentur Standard & Poor’s die Noten für 18 italienische Banken gesenkt und erklärt, die Rezession werde länger dauern als erwartet. Eine Zunahme der notleidenden Kredite in Spanien dürfte nach Einschätzung von Moody’s Investors Service die Ratings der dortigen Banken beeinträchtigen.

“Die Spirale von weniger Krediten und mehr Problem-Darlehen verschärft sich und es braucht noch einige Zeit, um sie zu beenden”, sagte Jacopo Ceccatelli, Partner bei der Beratungsgesellschaft JC & Associati SIM in London. “Solange sich die Wirtschaft nicht erholt und die Banken nicht ihre Bilanzbereinigung abgeschlossen haben, erwarte ich eine Profitabilität deutlich unterhalb des Vorkrisenniveaus.”

Der Anteil der notleidenden Kredite am gesamten Kreditvolumen in Italien lag im Juni bei 6,9 Prozent, verglichen mit 5,6 Prozent ein Jahr zuvor, wie der italienische Bankenverband berichtet. Das ist der höchste Stand seit dem Jahr 2000 und deutlich höher als die drei Prozent, die im Juni 2008 ausgewiesen wurden. Die Kreditvergabe italienischer Banken an den Privatsektor betrug laut dem Verband im Juni 1,6 Billionen Euro, 3,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Bei UniCredit erwarten Analysten einen Gewinn von 349 Mio. Euro im zweiten Quartal. Hier dürfte allerdings ein einmaliger Ertrag von 258 Mio. Euro aus einem Anleiherückkauf das Ergebnis stützen. Die Bank berichtet am 6. August.

Studie: Keine guten Zeiten für Aktionäre von europäischen Banken

Die Aktionäre europäischer Banken müssen ihre Rendite-Erwartungen generell kräftig nach unten schrauben. Auch fünf Jahre nach Beginn der Finanzkrise verdienen nur wenige Institute einer Studie zufolge ihre sogenannten "Kapitalkosten", sprich sie können die Gewinnhoffnungen der Investoren nicht erfüllen. Im Schnitt lag die Eigenkapitalrendite europäischer Banken 2012 bei 4,9 Prozent, wie eine am Donnerstag vorgelegte Analyse der Managementberatung Bain & Company zeigt. Die "Kapitalkosten" liegen bei über zehn Prozent - eine Größenordnung, die viele deutsche Banken wegen des hart umkämpften heimischen Marktes selbst in Boomzeiten nicht erreicht haben. Im vergangenen Jahr lagen die hiesigen Geldhäuser leicht über dem europäischen Durchschnitt.

Bain untersuchte insgesamt 121 Banken aus Europa und Südafrika. Als einen Maßstab legte das Beratungshaus eine Vorsteuer-Rendite zugrunde, die den Gewinn im Verhältnis zu den nach Risiken gewichteten Bilanzposten wiedergibt. Ein Institut kann die Rendite somit bei konstantem Ergebnis auch nach oben kurbeln, indem es Risiken abbaut. Hier lag der Durchschnitt 2012 bei 0,5 Prozent nach 1,3 Prozent zwei Jahre zuvor. Als Grund für die Verschlechterung führt Bain vor allem höhere Abschreibungen auf faule Kredite und steigende Kosten in Relation zu den Erträgen an. "Die Situation für europäische Banken bleibt herausfordernd", kommentiert der Co-Autor der Studie, Walter Sinn. "Angesichts weiterhin schwieriger Marktbedingungen und verschärfter Regulierung müssen die Renditeansprüche gesenkt werden."

Deutsche Banken liegen mit einer risikogewichteten Rendite von 0,7 Prozent im Mittelfeld. In der Spitzengruppe sind Wachstumsmärkte wie Türkei und Polen. Die schwächsten Werte erzielen Institute in Irland, Portugal und Spanien - eine Folge der Euro-Schuldenkrise und der Rezession in diesen Ländern. Bain empfiehlt den größeren europäischen Banken, ihre Position an den Wachstumsmärkten auch durch Zukäufe auszubauen. Für Sinn steht fest: "Für die kommenden Jahre ist eine stärkere Dynamik hinsichtlich der Übernahme von Banken in Europa und eine weitere Konsolidierung zu erwarten."

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